indien
Sonntag, 19, August
Katrin
Nach gutem Frühstück und Sachen packen hatte ich erst einmal eine Zeit, in der ich echt frustriert war. Nicht nur, dass ich den dritten Tag nicht aufs Klo gehen konnte, auch dass weder John noch T. Thomas erreichbar waren. 10 min bevor wir los mussten kam T. Thomas wieder und wir konnten auch John finden. So fuhr uns der Driver von T. Thomas dann auch zum Flughafen, was wiederum sehr nett war. Nach etwas unruhigem und vom Service eher schlechten (kein Essen, Trinken nicht kostenlos) Flug kamen wir wieder in Bangalore an. Dort verabschiedeten wir uns im Sonntagabendgottesdienst von den Studenten und Dozenten, da wir nun nur noch 2 Tage, in denen alle da sind, in Bangalore haben. Auch die Wäsche hab ich mit Torsten zusammen noch mal gewaschen, da wir morgen ja direkt nach Kerala weiterfahren. Und mit Mutti und Vati habe ich nochmal telefoniert, was echt schön war.
Torsten
Delhi – Bangalore
Nach dem Frühstück ging es schon ans Packen, da unser Flugzeug um 13:45 Uhr nach Bangalore startete. Wir machten uns auf die Suche nach irgend jemandem, bei dem wir uns noch verabschieden konnten, aber irgendwie schienen alle ausgeflogen oder nicht erreichbar zu sein. Endlich, gegen 11:30 kam T. Thomas aus dem Gottesdienst, er konnte uns dann auch sagen, wo John Varghese wohnte, von dem wir uns auf jeden Fall verabschieden wollten. Leider trieben wir ihn aus dem Bett, aber das machte ihm nichts aus. So konnten wir ihm tschüs sagen und, nachdem wir kurz bei T. Thomas vorbeigingen, um uns ebenfalls zu verabschieden, mit dem Auto + Fahrer von Thomas Thomas in Richtung Flughafen fahren, wo es mit Spice Jet nach Bangalore ging. Während das Fluges schlief ich zum Glück, es muss wohl sehr unruhig gewesen sein, erzählte Katrin. Der Pilot war auch nicht der Beste, bei der Landung sprang das Flugzeug zweimal auf, bevor es endlich in Richtung Terminal ging. Am UTC hatten wir etwas Zeit, um die YMCAler zu begrüßen und zu waschen, bevor wir uns im Abendgottesdienst offiziell verabschiedeten, da dies unser letzter Gottesdienst am UTC war. Nach dem Abendessen bei Rini ging es noch kurz ins Office, Emails checken und Blogeintrag verfassen, bevor ich hundemüde ins Bett plumpste.
Samstag, 18. August
Katrin
Der Tag war sehr lang, aber auch wunderschön. 6 Uhr fuhren wir mit einem Touribus los Richtung Agra. Nach 5 Stunden Fahrt erreichten wir unsere erste Station, „Agra Fort“. Das ist eine alte Festung aus rotem Sandstein und Marmor. Von einer Terrasse konnten wir schon die zweite Station, den Taj Mahal, sehen. Das einzige was etwas anstrengend war, waren die vielen Straßenverkäufer und unser Reiseleiter, welcher die ganze Zeit nur „Sir, sehen sie…“ sagte, als wenn die Frauen Luft wären. Es war sehr heiß in Agra, ca. 38°C im Schatten. Ich konnte es kaum außerhalb vom Bus aushalten. Natürlich wurden wir vor dem Lunch noch zu einem Handycraft-Laden gefahren, wo wir besonders den Taj Mahal als Lampe angepriesen bekamen. Aber wir entschieden uns, dank unserer guten Bilder, dagegen. Außerdem wussten wir, dass diese Läden total überteuert sind. Die Eintrittspreise waren auch echt unverschämt. In Agra Fort bezahlten Inder rs20, Touristen rs300 und im Taj Mahal Inder rs20 und Touristen rs750. Total Crazy! Aber ich habe die Taj Mahal trotzdem genossen, es war schon schön im Schatten der Taj zu sitzen,… na ja zumindest, bist ein Securitytyp uns wieder aufjagte, weil wir dort nicht sitzen durften. Aber wir wollten eh gerade gehen. Na ja, irgendwie hatte ich mir von der Taj Mahal mehr vorgestellt. Auf Fotos und Postkarten sieht sie immer so extrem weiß aus. Aber interessant zu sehen wars trotzdem. Und immerhin kann ich jetzt sagen, dass ich in einem der sieben [neuen] Weltwunder war. Nach der Taj ging es noch nach Matura. Dort steht der Hindutempel an dem Ort, wo angeblich die Göttin Krishna geboren ist. Na ja, ich hab mich wieder wie auf dem Jahrmarkt gefühlt. Man konnte alles kaufen und ne „Erlebnishöhle“ zum durchgehen und Götter angucken hatten sie auch. Danach ging es dann zurück nach Dehli, wo ich dann 0:15 Uhr, nachdem wir um 23:30 Uhr mit 1 ½ Stunden Verspätung ankamen, sehr müde ins Bett fiel. So ne Touristenfahrt ist schon nicht schlecht, vor allem, wenn sie komplett vom National Council of YMCAs of India bezahlt wird! Auch wenn es ein bisschen stressig war, von einem Punkt zum anderen zu reisen, hab ich den Tag doch genossen.
Torsten
Agra, Taj Mahal
Abzocke. Pure Unverschämtheit. Anders kann man es nicht beschreiben. Die Eintrittsgelder sprechen Rassismus pur. Für das Agra Fort bezahlen Einheimische rs 20, Ausländer 300 (!). Und bei der Taj ist es noch schlimmer. Einheimische wieder 20, Ausländer sage und schreibe 750 Rupien (!!!). Reine Abzocke.
Der Tag jedenfalls begann sehr früh, da um 6 Uhr der Bus los fuhr. 200 km sind an sich nicht viel, auf Indiens Straßen braucht es dennoch 4-5 Stunden. Unterwegs hielten wir bei einem Restaurant zum Frühstück. In Agra angekommen ging es erst zum Agra Fort, einer großen Burganlage. Viel altes Gemäuer, wir wurden von einem schlecht englisch sprechenden stark schwitzenden Führer durch getrieben. Zumindest konnte ich ein paar tolle Bilder machen und die Taj Mahal zum ersten Mal sehen. Nach dem Agra Fort ging es zum Mittagessen, in einem Restaurant, das überfüllt war, da zwei andere Busse der selben Reisegesellschaft (Panicker’s Travel – wer so einen Namen hat, würde in Deutschland nicht lange überleben – ich sag nur „keine Panik“) auch ihren Businhalt zum Essen abgeliefert hatten. Zum Glück war das Essen geniessbar und so konnten wir weiterreisen zur Taj Mahal. Die Taj war ein tolles Erlebnis, auch wenn wir sie uns etwas eindrücklicher vorgestellt hatten. Ich werde wohl noch Zeit brauchen, um dieses Eindrückliche Erlebnis zu verarbeiten, denn jeden Tag prasseln neue Erlebnisse auf uns ein, so viel, dass ich viel nur über mich ergehen lasse und möglichst viele Bilder schieße. Nach nur zwei Stunden ging es wieder aus dem Backofen Taj, das Wetter war mörderisch, das Wasser ist nahezu verdampft und so sehr geschwitzt habe ich noch selten davor.
Auf dem Weg zurück nach Delhi hielt der Bus an einem Tempel, an dem der Hindugott Krishna geboren sein soll. Leider durften wir keine Kamera mitnehmen. Der Tempel an sich bot nicht viel, wir konnten nichts damit anfangen, da alles auf Hindi war, keine englische Erklärung, nichts.
Die Fahrt nach Hause dauerte lange, um 23:30 Uhr erreichten wir endlich den YMCA. Wären wir früher zurückgekommen, hätte uns der National Generalsekretär zum Essen eingeladen.
Freitag, 17. August
Katrin
Nach 10 Stunden Schlaf und einem leckeren Frühstück können wir gut in den Tag starten. Erst haben wir bei einem kurzen Prayermeeting alle der sieben Sekretäre kennen gelernt. Um 10 Uhr starteten wir zu unserer privaten Sightseeing-Tour. Mit einem klimatisierten Wagen kamen wir am India Gate, am Gandhi-Grab am Red Fort, an einem großen Markt mit allerlei indischen Spezialitäten,… vorbei. Ich war sehr froh über das Auto, denn es war draußen einfach viel zu heiß! Nach leckerem Mittagessen im YWCA trafen wir uns dann mit Thomas Thomas, dem indischen Generalsekretär des National Council of India. Nach gemeinsamen Tee und einem netten Gespräch über den YMCA fuhren wir dann abermals mit Sunil (einem der Sekretäre) los. Diesmal zum Shoppen. Wir kamen an Märkten vorbei, wie ich sie bis jetzt nur von Karten kannte. Am Abend waren wir bei Gladwins Familie zu Gast. Aber der Weg dort hin war schon besonders. Wir wollten noch Geld holen, bevor wir uns ins Taxi Setzten, um zu Gladwins Familie zu fahren. Er selbst ist ja in Bangalore. Wir fragten uns also durch bis wir an einen dieser jungen Männer stießen, vor denen uns alle gewarnt haben. Sie sind super nett und im nächsten Moment rauben sie dich aus. So entschieden wir, nach dem Geld holen nicht wieder zurück zu gehen, an seinen Freunden vorbei, sondern uns direkt ein Auto zu nehmen. Leider wollte uns der Autofahrer cheaten [betrügen] und rs150 haben. Da tauchte ein Anderer auf, welcher meinte, um die Ecke gibt es ein Office, wo man als Tourist fragen kann, wie viel es kostet. Es war unheimlich, denn die Gassen wurden immer kleiner. Es gab dieses Büro wirklich, aber es war generell ein Touristenbüro und dort erwartete uns ein total betrunkener Typ, der uns bis zur Tür versuchte, aufzuhalten, als wir auf dem Absatz seines Zimmers umdrehten und uns so schnell wie möglich ein Auto suchten. Der Autofahrer wollte zwar immer noch rs 100, aber das war uns nun egal. Hauptsache weg dort! Im Auto konnten wir dann nur noch ein Stoßgebet loslassen und nach einer halben Stunde kamen wir gut an. Das Essen war super lecker und Gladwins Frau und Kinder sehr nett. Auf die Frage „vermisst du deinen Vater?“ antwortete Kristin, Gladwins Tochter, ganz weise: „Nein. Wenn man anfängt zu vermissen muss man nur weinen, also sollte man gar nicht erst vermissen.“ Für ein 13jähriges Mädchen eine sehr weise Antwort. Um 11 Uhr waren wir dann im Bett. Das war spät, denn um 5 Uhr sollte die Nacht wieder zu Ende sein.
Torsten
9:15 Uhr [Ich frage mich nur, welches 9 Uhr! So im nachhinein. Höchst wahrscheinlich der Tag danach!]
Die Nacht war echt genial, so lange und so ruhig schliefen wir schon lange nicht mehr. So können wir ausgeruht in den Tag starten, auch wenn mich die Magenprobleme immer noch verfolgen. Das macht mich sehr fertig und lustlos, auch wenn ich eigentlich viel von Delhi sehen will. Das Frühstück wurde von einem „Diener“ frisch zubereitet, Eieromlette mit Toast und Tee. Seltsam, da wir Mittag- und Abendessen im Restaurant des YWCA zu uns nehmen und es dort eigentlich auch Frühstück gibt.
Nach dem Frühstück gingen wir wieder in den National Council, weil wir geplant hatten, uns mit dem National General Secretary zu treffen zu einem kleinen Austausch. Allerdings disponierten wir nach dem kleinen Gebetsmeeting um und gingen zuerst den Vormittag über mit Sunnil, einem Sekretär, eine Stadttour machen. Delhi im Schnelldurchlauf, sozusagen. Das Regierungsviertel, ein großer Turm, dessen Namen ich vergessen habe, das Dilli Haat, eine Ausstellung verschiedener Teile Indiens, wo wir ein paar Souvenirs kaufen konnten und zum Abschluss das Red Fort. Leider hatten wir kaum Zeit, sodass wir die meisten Dinge nur oberflächlich oder aus dem Auto heraus anschauen konnten, zudem waren nahezu alle Monumente geschlossen, aufgrund von Sicherheitsbedrohung, da angeblich die Terrorgefahr sehr hoch ist im Moment.
Den Nachmittag verbrachten wir im National Council, mit ein wenig Small Talk. Es war nett, wir konnten und über sie CVJM-Arbeit in Deutschland und Indien austauschen. Zudem bekamen wir Infomaterial über den National Council. Darunter ein Buch von T. Thomas, in dem mehrere Editorale von ihm zusammengefasst sind. Darüber bin ich sehr zwiegespalten. Einerseits ist es gut, ein paar Englische Andachten zu haben, andererseits ist es schade, dass solch ein Buch veröffentlicht wird, während drei Bücher von Solomon Benjamin, die allesamt über den CVJM gehen, verweigert werden.
Nach dem Treffen gingen wir mit Sunnil noch einmal weg, diesmal stand Shopping auf dem Programm. Hier gibt es einen Kleidermarkt, auf dem man handeln kann bis zum Umfallen. So bekam ich für rs 400 eine täuschend echt aussehende Levis Jeans und bin nicht sicher, ob sie nicht doch echt ist. Katrin konnte mehrere T-Shirts für rs 50 das Stück erstehen. Ein Junge wollte uns eine recht coole Trommel verkaufen, allerdings mussten wir aus Platzgründen absagen. Sehr schade, er wollte nur rs 100 dafür!
Am Abend, nachdem wir wieder zurück waren, erlebten wir auf dem Weg zu Gladwins Familie noch ein kleines Abenteuer. Wir mussten noch Geld holen, und ich fragte den Wachmann, wo der nächste Geldautomat sei. Er beschrieb uns den Weg, und los ging es. Es war mittlerweile Dunkel und es wurde unheimlich. Die Straßen waren dunkel und nur wenige Menschen unterwegs. Auf dem Weg zum Automaten mussten wir noch mehrmals fragen, bis dann irgendwann eine der Personen, die wir fragten, einfach mitkam. Er führte uns auch zum Geldautomaten, aber irgendwie hatten wir ein seltsames Gefühl dabei. Als wir fertig waren, wollte er uns zu seinem Shop führen, was wir aber ablehnten, da die Stimmung schon unheimlich genug war. So wollten wir ein Auto nehmen, um zu Gladwins Familie zu fahren. Bis wir im Dunkeln das erste Auto angehalten hatten und dem Fahrer erklärt hatten, war wir wollten, verging einige Zeit. Und dann halfen uns mal wieder ein paar Leute, die alle nicht wirklich gut Englisch sprachen. Der Fahrer wollte dann 100 Rupien, was völlig überteuert war und fuhr weiter, als wir ihm das sagen wollten. So schnappte uns ein anderer Mann und führte uns durch dunkle, einsame Gassen zu einem Reiseveranstalter, wo wir angeblich billiger weg kämen. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass der Laden nahezu geschlossen war und der Besitzer betrunken hinter dem Schreibtisch saß. Hals über Kopf verließen wir den Ort wieder und versuchten, so schnell wie möglich das nächste Auto zu nehmen, das zwar auch 100 Rupien kostete, was uns jetzt aber sehr egal war. Der Fahrer wusste auch die Richtung und so ging es, nach einem kurzen Stoßgebet, los. Den letzten Rest des Weges musste sich der Fahrer zwar durchfragen, aber schließlich kamen wir bei Clementine Lal und den beiden Kindern Gladwins an. Dort gab es ein leckeres Essen und wir hatten viel Spaß, vor allem, weil die Familie komplett anders ist als Gladwin. Sie scheinen fortschrittlich, offen und spontan zu sein, was bei Gladwin eher zu wünschen übrig lässt. Die Familie als Ganzes brachte uns dann auch wieder zurück zum National Council, was wir sehr dankbar entgegen nahmen. So endete wieder ein toller Tag, der einiges an Überraschungen bereithielt.
Donnerstag, 16. August
Katrin
Nach einer kurzen Nachtfuhren wir 7.30 a.m. Zum Airport. Von dort aus ging es nach Delhi. Was wirklich verrückt war: Es gab nicht eine einzige Passkontrolle. Gut in Delhi angekommen, fuhren wir mit einem Prepaid-Taxi (Hier gibt es nicht nur Prepaid-Handys) zum National Council of YMCA’s of India. Das ist sozusagen der indische Gesamtverband. Dort wurden wir vom National Secretary Thomas Thomas begrüßt. Nur irgendwie hat man das Gefühl, dass sie nicht wirklich auf uns vorbereitet waren, denn das Programm, welches laut Solomon für uns organisiert sein sollte, mussten wir mit John (er hatte es nun an der Backe, weil er uns schon aus Kanyakumari kannte) erst einmal planen. So lernten wir gestern einige der Sekretäre kennen, schauten selbst ein bisschen durch das Viertel und versuchten, die drei deutschen Mädels ausfindig zu machen, welche wir beim deutschen Abend kennen gelernt haben. Diese sollten nämlich auch heute hier ankommen und im YWCA übernachten. Leider gelang uns das nicht. John klapperte mit uns die zwei Hostels ab, aber wir wussten leider auch die Namen nicht. Na ja, vielleicht sehen wir sie heute noch. So kamen wir nach leckerem Abendessen (Essen nehmen wir kostenlos im Restaurant des YWCA ein) recht früh ins Bett, was auch mal wieder schön ist.
Torsten
Ab jetzt beginnt unsere Reisezeit in Indien. Die Tage in Bangalore sind gezählt, und während die Studenten in der kommenden Woche ihre Klausuren schreiben, geniessen wir die Zeit in Indien so richtig und lernen noch eine neue Seite Indiens kennen.
Delhi
Früh am Morgen ging es los, da wir um 8 Uhr auf dem Flughafen sein sollten. Der Tag begann für mich schlecht, ich hatte Bauchschmerzen und Durchfall. Tribut an das leckere Essen gestern. So ging es also, mehr recht als schlecht, zu unserem Teestand (unser Brot fing an zu leben) um dort Brötchen zu holen und einen Tee zu schlürfen. Nach dem Tee schnappten wir uns ein Auto und schon ging es zum Flughafen. Zum Glück und Gott sei Dank waren die Magenprobleme während der gesamten Reise gering. Das Einchecken am Flughafen ging reibungslos, wir brauchten nicht ein einziges Mal unseren Reisepass. Welche Ironie. Wir mussten kaum warten, alles ging sehr schnell. Verwunderlich für Indien. Der Flug verlief ereignislos, in Delhi angekommen suchten wir den Pre-Paid-Taxistand1, um zum National Council des YMCA2 zu kommen. Während Katrin am Stand anstand, wollte ich kurz draussen schauen, ob uns vielleicht doch jemand abholt. Als ich wieder in die Aufenthaltshalle wollte, wurde mir der Weg verweigert, aus welchem Grund auch immer. Der Wachmann hatte mich die ganze Zeit beobachtet, aber irgendwie schien er mich nicht mehr zu kennen. So musste ich draussen auf Katrin warten, die innen auf mich wartete, um ihr zu sagen, dass keiner vom YMCA auf uns wartet. Nach einer Weile schaute Katrin dann nach mir und ich signalisierte ihr, dass sie die Tickets fürs Taxi besorgen sollte, da ich nicht mehr in die Halle durfte. So konnten wir dann zum National Council starten.
Dort angekommen, trafen wir kurz Thomas Thomas, den National Secretary. Unser Besuch schien irgendwie überraschend, zumindest war keiner wirklich für uns zuständig und wir wurden von Büro zu Büro geführt, bis wir schließlich bei John Varghese hängen blieben, dem Sekretär, der für die Tsunamiarbeit des YMCA verantwortlich ist. Mit ihm planten wir dann unseren Delhi-Aufenthalt, der vorsieht, dass wir morgen eine Stadttour machen und am Samstag dann nach Agra, die Taj Mahal zu besichtigen. Nach den Planungen und einem Tee versuchten wir, drei Deutsche, die wir in Bangalore getroffen hatten, ausfindig zu machen, da sie zur selben Zeit wie wir in Delhi sein sollten. So klapperten wir die beiden Gästehäuser des YMCA ab, weil sie in einem der beiden untergebracht seien. Leider Fehlanzeige, sodass wir nur unsere Nummer hinterliessen und unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten.
Den Abend verbrachten wir in aller Ruhe und gingen, nach einem kurzen Spaziergang und dem Abendessen sehr früh in unsere Betten, die bequem und gemütlich sind. Den Schlaf konnten wir beide sehr gut gebrauchen.
Mittwoch, 15. August
Katrin
Ein ganz besonderer Tag für Indien. Independence Day, und zwar 60zigster. Seit 1947 ist Indien ein unabhängiges demokratisches Land. Und das wurde natürlich ganz groß gefeiert! Los ging es um 7.00 Uhr mit Fahnenappell, Reden und Nationalhymne. Anschließend Andacht. IN dieser war ein Gastprediger, welcher mit Mädchen arbeite, die früher zur Kinderarbeit verpflichtet wurden, da. Die Kinder hatte er gleich mitgebracht. Sie haben ein kleines Theaterstück zum Thema Unabhängigkeit/ Frieden aufgeführt. Mit einem leckeren Community Breakfast ging es weiter, und danach gab es noch Spiele für die Kinder. Wir sind mit einigen Studenten, Lehrern und dem Face to Face-Programm und einer Gruppe aus den USA ins CSI Slum gefahren. Das ist ein riesiges Slumgebiet um welches sich die CSI [Church of South India] in Bangalore kümmert. Dort kommen auch jede Woche ein paar Studenten hin und machen so eine Art „Schule“ mit den Kindern. Zum Independent Day haben sie jeder ein Geschenk mit etwas Süßem und neuen Schulheften und Stiften bekommen. Zur Feier gab es noch Süßes und natürlich einen Fahnenappell. Wir durften auch mal in eine der Hütten reingucken. Es ist echt Wahnsinn. Kein Licht, kein fließend Wasser, Dreck, 1 Bett und kaum Platz für drei Personen zum stehen. Aber dort leben zwei Familien. Anschließend sind wir noch in die Unterbringung der Railwayporters gefahren. Das ist ein weiteres Projekt. Sie leben alle in einem Raum und arbeiten eben als Porters [Träger]. Ihre Familien wohnen weit weg, sie verdienen maximal rs150-200 am Tag. Auch dort kommen ein mal in der Woche drei Studenten hin um mit den Männern zu sprechen, nach Perspektiven zu schauen,… Sie werden auch jedes Jahr zum Dinner zu Weihnachten eingeladen, und laden die Studenten zu ihren Festen ein. Sie gehören schon zur UTC Gemeinschaft, gehen dort ein und aus. Haston ist total engagiert in dem Projekt. Jede freie Minute verbringt er an der Railway mit ihnen. Zum Mittagessen sind wir bei Pizza Hut gewesen. Wie immer sehr lecker! Am Nachmittag startete dann eine riesige Luftballonaktion als Friedenszeichen und ein Gebet der verschiedenen Religionen in der St. Mark’s Church. Das war echt spannend. Bevor es los ging, fuhren wir mit einem der Pastoren die Priester, oder wie sie eben in den Religionen heißen, abholen. Bei der Gelegenheit konnten wir einen Tempel, ein buddhistisches Kloster und noch einen anderen Tempel sehen. Es war zwar mehr eine Tempel-Rush-Hour, weil wir nicht viel Zeit hatten, aber es war sehr spannend. Mit den Luftballons sind wir nach gemeinsamem Gebet los gezogen zum Ghandidenkmal, um dort die Ballons steigen zu lassen und mit Kerzen Lobpreislieder zu singen. Dann ging es mit den Kerzen zurück zur Kirche. Am Abend kam dann noch die große Unruhe, als Torsten seinen Reisepass nicht finden konnte. Hier konnten wir wieder einmal die große Kraft unseres Gottes spüren. Nach Gebet mit Solomon bin ich noch mal in Torstens Zimmer suchen, und siehe da, in der Zwischenwand von seiner Tasche hatte er sich versteckt! Dann gab es erst mal noch einen „Beruhigungstee“ bei Solomon und danach gings ans Packen für Delhi!
Torsten
Independence Day
Schon um 7 Uhr Fahnenappell, die indische Flagge wurde gehisst und die Nationalhymne gesungen. Zudem eine Rede zur Freiheit mit Verantwortung. Eine interessante Sache, denn der 60te Unabhängigkeitstag wurde gefeiert. Gefolgt wurde das Appell von einem Gottesdienst, den wir, wenn auch bisher noch ohne Frühstück im Magen, sehr genossen. Anschließend gab es endlich ein Frühstück, das die Gemeinschaft vor der Bücherei gemeinsam einnahm. Es gab eine Art Hühnchentaschen, gekocht im Teigmantel und dazu Semian3, allerdings nicht mit Nudeln, sondern mit Reis eingekocht, war, trotz der etwas seltsamen Mischung doch sehr lecker. Leider habe ich am folgenden Tag Probleme mit dem Magen, ärgerlich. Wenn ich mir etwas herbeiwünschen könnte, dann das, dass ich überall bedenkenlos Essen und Trinken kann.
Nach dem Frühstück fuhr der Bus des UTC, vollgepackt mit Studenten, zu den CSI Slums, wo unter anderem auch eine Flagge gehisst wurde und wir Einblick in ein paar der „Wohnungen“ bekamen. Unvorstellbar, so zu leben. Auf engstem Raum, viele Familien teilen sich sogar diese engen Plastik-Metall-Gebilde. Trotzdem war es eine tolle Sache, dann wir konnten das Strahlen in den Augen der Kinder sehen.
Auf dem Weg zurück gingen wir bei den Railway Porters vorbei, Menschen, die ihr ganzes Leben auf dem Bahnhof fristen und Leuten ihr Gepäck durch die Gegend tragen. Ein Porter (es gibt, bis auf Kalkutta nur Männer in dem Gewerbe. Die Frauen bekommen einen Wagen, um die schweren Lasten einfacher zu transportieren), der 70 Kilo wiegt, kann bis zu 140kg tragen und bekommt dafür einen Hungerlohn. Die meisten der Männer sind verheiratet, sehen ihre Frauen allerhöchstens ein Mal im Monat kurz, wenn das Geld reicht. Sehr erschreckend.
Zum Mittagessen sind wir mit Vinnet zu Pizza Hut in die Cunningham Road, da Rini nicht da war. Es war toll, die Pizzen lecker, wie jedes Mal bei Pizza Hut. Nach dem Essen liefen wir zur M. G. Road, wir entschlossen uns, kein Auto zu nehmen, denn wir wollten die Strecke und die vorhandene Zeit nutzen. Es war kurz nach halb vier, um 4 sollten wir da sein und die Strecke dauerte nur 20 Minuten.
In der M. G. Road, besser gesagt in der M. G. Road Nr. 1, waren wir von Solomon Benjamin zur St. Marks Cathedral eingeladen, da dort eine Feier anlässlich des Independence Days stattfand. Dort angekommen lud uns Father Thomas ein, mit ihm zu kommen, da er noch ein paar andere Religiöse Leiter abholen und uns die Gelegenheit geben wollte, diverse andere Religionen zu sehen. So fuhren wir zu einem Hindutempel, einem Jain-Schrein, und einem Buddhistischen Kloster, um die Priester abzuholen. Ein interessanter Rundgang. Wieder an der St. Marks Cathedral angekommen, halfen wir, mittlerweile waren noch Max und Gladwin gekommen, Luftballons in den indischen Farben grün, weiß und orange zu gruppieren. Katrin hatte die Aufgabe, drei Sets à 30 Luftballons zu halten. Sah sehr witzig aus und zum Glück ist sie uns nicht davon geflogen. Nach und nach kamen noch mehr Leute und zwei Busse der Bischof Cotton Highschool voll mit Schülerinnen. Es wurden Reden geschwungen, bevor eine Prozession startete, alle bewaffnet mit Gasballons. Ich beschränkte mich die Zeit über aufs Fotografieren, so manch einer dachte, ich sei von der Presse! Am Ende, nachdem die Prozession ankam, liessen wir alle Luftballons fliegen und zündeten Kerzen an. Ein erhebendes Gefühl, da wir an einer Kreuzung standen und viele Leute anhielten, um zu schauen, was hier passierte.
Nachdem die Prozession zu Ende war, fuhren wir wieder ans UTC, um dort bei Rini Abend zu essen.
Anschließend wollte ich anfangen zu Packen, da wir morgen nach Delhi fliegen und begab mich auf die Suche nach meinen Reiseunterlagen. Bis auf meinen Reisepass war alles da. Da wir diesen aber beim Fliegen höchst wahrscheinlich brauchen, stellte ich mein Zimmer auf den Kopf, fand aber nichts. Katrin half bei der Suche, nichts. Völlig verzweifelt krempelten wir mein und Katrins Zimmer um, fanden aber nichts. So gingen wir, beide den Tränen nahe, zu Solomon Benjamin. Er hatte zwar gerade Besuch, hieß uns aber dennoch willkommen und ermutigte mich. Er sagte, dass er das Gefühl habe, der Pass sei bei mir im Zimmer. Grace, die hinzu kam, sagte dasselbe, unabhängig von Solomon Benjamin. Trotzdem wollte ich ins Internetcafé, um meine Passkopien auszudrucken (Das Internet im Office funktionierte nach wie vor nicht). Ich ging, zusammen mit Katrin von Solomon Benjamin, nachdem wir gemeinsam gebetet hatten. Ich ging zum Internetcafé und Katrin schickte ich in mein Zimmer, um es noch einmal zu durchsuchen. Ich war kaum aus dem UTC-Gelände draussen, als Katrin schreiend hinterhergerannt kam. Sie hatte den Reisepass gefunden! Praise the Lord! Ich hatte ihn, damit er nicht verloren geht (welche Ironie!) ein eine Reissverschlusstasche in meiner Reisetasche gepackt. Zurück bei Solomon Benjamin feierten wir ein wenig, es gab Kaffee. Als ich dann wieder im Zimmer war, konnte ich vollends packen, während Katrin ihre Sachen packte. Während des Packens rief mich Solomon Benjamin an und fragte, ob ich die Bilder von heute noch auf den Rechner kopieren könnte. So ging ich gegen halb 11 ins Office, wo Solomon Benjamin und Manuela, seine Tochter, kurz nach mir ankamen. Wir plauderten noch und bis ich das Office verließ, war es nach 11. Zeit also, ins Bett zu gehen. Schlafen konnte ich au jeden Fall beruhigt und entspannt.
Dienstag, 14. August
Katrin
Nach gemütlichem Frühstück auf Blättern wie jeden morgen in Torstens Zimmer starteten wir mit Bible 1. Na ja, hab halt Tagebuch geschrieben, irgendwie muss man die Zeit ja rumkriegen. In der Freistunde haben wir dann mal „Handwaschen“ ausprobiert. Das ist ganz schön anstrengend! Aber die Wäsche riecht mal wieder gut.
In YMCA Studies haben wir angefangen, den Bonhoefferfilm zu schauen. Saji und Robin haben mal wieder nur Scheiß gemacht. Das ist voll nervig! Sie, vor allem Saji, zeigen nicht wirklich Interesse und benehmen sich stattdessen wie kleine Kinder Um 3.00 pm habe ich mit Berthold [Messinger, Auslandsreferat des CVJM-Gesamtverbandes] über Skype telefoniert. Über unsere Zeit hier und über das Straßenkinderprojekt. Es war echt gut, mit ihm zu telefonieren, weil er ja auch etwas Ahnung über Indien hat. Nachdem wir kurz in der Stadt waren, habe ich mich noch 1 ½ Stunden aufs Ohr gehauen, während Torsten im Internet war. Oder besser er wollte ins Internet, aber es geht momentan nicht. Warum auch immer. Am Abend waren wir bei Solomon und seiner Familie zum Essen eingeladen. Alle YMCAler + Sampson und Bessie. Nur Bessie kam nicht, sie hatte es wohl irgendwie verpeilt. Es war ein sehr lustiger Abend mit leckerem Essen, jeder Menge guter und lustiger Gespräche und einer sehr schmutzigen Katze, welche sich auf meinem Schoß gemütlich gemacht hatte.
Torsten
11:10 Uhr
Der heutige Tag begann, wie jeder Tag, mit dem Frühstück, heute, wie jeden Tag, weckte mich Katrin und kümmerte sich um die Brotaufbereitung (seit ein paar Tagen genießen wir Mangomarmelade), sie hatte die Idee, Kaffee aus der Kantine zu holen, sonst gibt es selbst gemachten Tee. Der Kaffee war nicht als solcher zu erkennen, aber Tee war es auch nicht wirklich. Hat seltsam geschmeckt, war aber warm. Das Gebräu hatte eine Kaffee ähnliche Färbung, aber geschmeckt hat es nach einer Mischung aus Milchkaffee und Tee mit Milch. Immerhin hatte es Geschmack.
Der nächste Höhepunkt war unser gelungener Versuch, zu waschen. Da unsere Waschfrau mehrere Tage nicht kam und wir am Donnerstag morgen nach Delhi fliegen, mussten wir eben selbst Hand anlegen. Eine interessante, lustige Erfahrung, da wir das noch nie vorher gemacht hatten. Und unsere Mittel waren auch sehr begrenzt (zwei große Eimer und ein sehr kleines Waschbecken). Wir haben die Mission „Wäsche frei“ unseres Erachtens erfolgreich gemanaged und hoffen jetzt, dass die Wäsche schnell genug trocknet. Da die Sonne scheint und es mal wieder recht warm ist, wird dies sehr gut gelingen. Nachmittags fingen wir an, den Bonhoeffer-Film zu schauen, mussten aber zu Bibel 1, zwei weitere Präsentationen anhören. Katrin telefonierte in dieser Zeit mit mit Berthold Messinger, im GV in Deutschland, um über das Straßenkinderprojekt zu reden.
Abends dann der Höhepunkt, alle YMCAler waren bei Solomon Benjamin zum Abendessen eingeladen. Es war echt genial, das Essen super lecker und wir waren nach dem Dessert proppenvoll. Die Stimmung war gut und wir hatten jede Menge Spaß.
Leider ging auch heute das Internet im Office nicht, sodass wir keinen Blogeintrag verfassen konnten.
Montag, 13.08.2007
Katrin
Was den Unterricht anging, war der Tag ganz gemütlich. Wir hatten eine Stunde Unterricht, kein YMCA Studies, keine Physical Education. Dafür kam Femke und wir hatten eine kurze, aber gute Zeit zusammen. Am Donnerstag wird sie zurück in die Netherlands fliegen.
Nach dem Mittagessen bin ich mit Kirian Musikinstrumente kaufen gefahren. Und ich bin fast gestorben vor Angst auf seinem Renn-Motorbike. Wie bekloppt ist er quer durch jede kleine Lücke durch. 5Cm auf jeder Seite zwischen zwei Bussen ist ja genug! *aaah*
Um die Kurven lagen wir fast auf der Straße und als Sand dazu kam, sind wir schließlich tierisch weg gerutscht. Aber er hatte es gut unter Kontrolle. Und mit 80 km/h und ohne Helm auch nicht so lustig. Ich war wirklich froh, als ich mit beiden Beinen stehend wieder heil im UTC ankam. Aber zumindest haben wir jetzt ein Geschenk für Henne und auch was für mich. Danach war Gender-Body-Meeting. Na ja, sie brauchen sich eigentlich gar nicht wundern, dass keiner oder nur wenige kommen. Die stundenlangen Diskussionen kann man sich echt sparen! Wenn sie effizient arbeiten würden, brauchten sie statt 4h nur eine Stunde. Aber jeder muss ja alles fünfmal sagen, es könnte doch ein neues Wort dabei sein! Und es geht eh immer nur um Essen, Geld und wer hat Recht. Und als dann noch eine Gruppe eher ging, weil sie ein Meeting hatten, war ein Pulverfass offen. Wenn einige von ihnen aufdrehen, kann man aber auch denken, die springen einem gleich an. Na ja, genau als es darum ging, dass das General-Body-Meeting von keinem verpasst oder eher verlassen werden darf, mussten Torsten und ich gehen, weil wir für den Abend, an welchem Solomons und Rinis Family von uns bekocht wurden, kochen wollten. Das war sehr lustig und länger hätte ich es im GBM auch nicht ausgehalten! Als wir anfingen, war nur Bekki da. Aber nach einigen Minuten sprangen Sammy (Rinis Tochter) und zwei ihrer Freundinnen um uns herum. Und natürlich durften sie auch von allem schon beim Kochen kosten. Das gehört sich ja so! Es war ein sehr netter Abend und heute Abend werde ich Solomons Frau das Rezept der Sauce aufschreiben. Ich glaube, unsere Tomatensauce ist ein bisschen wie Dal oder Samba. Du kannst alles rein packen, worauf du Lust hast.
Nach Spaghetti und Tomatensauce und Käse gab es dann noch Fruchtcocktail mit Vanillesauce. Als Solomons große Tochter Manuela (16) dann noch die Vanillesauce so aufessen durfte, war für sie der Abend perfekt. Rini war sehr überrascht, denn wir kochen das auch extra für sie, denn sie mag e so gern und auch Käse. Die Sachen sind hier halt sehr teuer und deshalb können sie sich das normalerweise nicht leisten.
Torsten
23:00 Uhr
Schon wieder ist ein Tag vorbei. Irgendwie war heute gar nichts los, die einzige Stunde, die wir hatten, war Bibel 1 und da durften (?) wir mehreren Vorträgen lauschen. Alles andere fiel aus, sodass es ein erholsamer (das Wort nutze ich gerade sehr oft. Irgendwie erholsam!) Tag wurde. Das erste Highlight war der Besuch von Femke, die das letzte Mal (für dieses Mal) in Bangalore war. Sie blieb leider nur 2 Stunden, trotzdem war es irgendwie eine schöne Zeit, wir hatten Bilder und Neuigkeiten ausgetauscht.
Am Nachmittag ging Katrin mit Kilian Solomon in die Stadt, Musikinstrumente kaufen, während ich die Ruhe nutzte, um ausgiebig zu schlafen. Als es dann nach nur 2 Stunden Schlaf an meiner Tür klopfte, war ich gezwungen, den (erholsamen!) Schlaf zu beenden, da Solomon Benjamin nach mir verlangte. Als ich dann vollends aufgewacht war, Femke ihren Rucksack überreicht und Katrin, die just in diesem Moment kam, begrüßt hatte, folgte ich Samson ins Office, wo Solomon Benjamin natürlich nicht mehr da war. So konnte ich das Internet nutzen und danach, da Solomon Benjamin immer noch nicht kam, unverrichteter Dinge wieder abziehen, zum General Body Meeting (GB), die UTC VV (Vollversammlung), ein ewiger Kampf, 4 Stunden, die mit effektivem Arbeiten weniger als eine Stunde brauchen würden. Die schlimmste Diskussion kam auf, als eine Gruppe vorzeitig das GB verließ, weil sie eine Chorprobe hatten. Mehr als eine Stunde (!) diskutierte man darüber, ob das sein dürfte, ob es wieder vorkommen darf oder ob man denen, die (mündlich beim Hostelsekretär) abgemeldet waren, eine Geldstrafe auferlegen sollte, da sie das so eminent wichtige GB vorzeitig verlassen hatten.
In diesen Meetings geht es sowieso immer nur um das selbe: das Essen. Jedes Mal die Diskussion über Qualität, Quantität, Sauberkeit, Geld, was es denn geben soll, ob die Köche so essen dürfen oder dafür bezahlen sollen und was mit dem Rest der Bediensteten ist, wie sie bezahlen sollen und überhaupt. Andere Themen sind bisher eigentlich nicht vorgekommen, da es meistens sofort wieder zum Essen oder irgendwelchen nahezu bedeutungslosen Diskussionen (s.o.) übergeht.
Nachdem Katrin und ich vorzeitig (!, mündlich beim Hostelsekretär abgemeldet) gingen, will ich nicht wissen, ob die Diskussion von vorne los ging. Wir mussten auf jeden Fall zu Rini, da wir heute unseren großen Kochtag hatten. So schnitten, brutzelten und kochten wir Spaghetti mit Tomatensauce, Fruchtsalat (aus der Dose) und Vanillesauce. Sehr lecker, alle, auch viele Kinder (keine Ahnung, woher die alle waren) und Solomon Benjamins Familie (die auch eingeladen waren) genossen es, wir hatten einen sehr schönen Abend mit viel Gelächter und einem guten Austausch.
Morgen Abend geht es weiter bei Solomon Benjamin, der alle YMCAler zu sich nach Hause eingeladen hat. Auch das wird sicher toll werden, es soll indisches Essen geben. Man darf gespannt sein.
Sonntag, 12.08.2007
Katrin
Am Morgen waren Torsten und ich in der New life Church hier auf dem Campus. Die Lieder waren wirklich gut. Deshalb sind wir ja in den Godi gegangen. Der Rest war sehr charismatisch und lang. Das Abendmahl fand ich etwas unpersönlich. So sollte sich jeder selbst ein Stück Brot abbrechen von dem Teller der rumging. Torsten und ich gaben uns dann wenigstens gegenseitig. Anschließen waren wir kurz Wasser ordern und danach ist Tosten ins Internet und ich habe eine Stunde geschlafen. Zum Lunch waren wir bei Rini. Zwei Freunde aus Mizoram waren da und zum Abendessen drei Freundinnen. So hatten wir zum Mittag mehr Meäner und zum Abendessen mehr Frauen am Tisch! Am Nachmittag bin ich dann mit Torsten nochmal los auf die Commercial Street. Dort fand ich eine helle Sommerjeans und ein Paar Ohrstecker und Torsten eine Hülle für seinen Ipod. Der Abend endete bei einem Conferenzgespräch mit meinen Eltern und Carina + Steffen.
Torsten
22:45 Uhr
Am Morgen besuchten Katrin und ich den Gottesdienst der New Life Fellowship [Neues Leben Gemeinschaft], der auf dem Campus stattfand. Sehr charismatisch, die Musik war jedoch genial, die Band war sehr gut.
Nach dem Mittagessen versuchte ich, dem Ipod Linux beizubringen, da man damit Musik aufnehmen kann. Der Versuch scheiterte leider, ich werde es zuhause weiter versuchen. Anschließend ging ich mit Katrin zur Commercial Street, wo wir endlich eine Hose für Katrin fanden und fünf paar Ohrringe für weniger als 2 Euro fanden.
Der Gottesdienst war nicht wirklich gut, denn Reverend Jaykumar predigte, als hätte er die Predigt nicht selbst geschrieben und zum ersten Mal gelesen.
Der Tag war erholsam und gut. Könnte öfter so sein.
Samstag, 11.08.2007
Katrin
Heute Morgen starteten wir mit dem Fußballmatch der Sporthäuser. Ich habe mich durch gerungen, dass ich als Frau auch spielen darf. Sie waren alle verwundert, denn von den Leuten, die auf dem Feld standen, war ich mit eine der besten Spieler. Das hat mir sehr viel Anerkennung gebracht bei einigen Jungs. Auch wenn es eigentlich sehr schade ist, dass man sich diese durch so etwas erkämpfen muss, aber das ist halt die Kultur hier. War auf jeden Fall ein schönes und auch faires Spiel. Nach ausgiebiger, verdienter Dusche, denn es war sehr heiß auf dem Feld, waren wir für Montag einkaufen. Wir wollten nämlich für Rinis und Solomons Familien kochen. Nach dem Mittag waren May, Gladwin, Haston und ich am Bahnhof, die Tickets für das Field Work kaufen. Ich habe beschlossen, für unsere Kenianer und Torsten und mich das in die Hand zu nehmen, denn die anderen labern viel, aber nix passiert. Haston hat sehr gute Connections am Bahnhof, so brauchten wir statt 3 Stunden nur 2 Stunden. Na ja, alles hintenrum halt. Aber das ist hier normal. Torsten hatte in dieser Zeit geschlafen. Am Nachmittag und Abend waren wir auf der M.G. Road. Das war insofern anstrengend, dass die älteren Herrschaften es keine fünf Minuten an einem Shop aushalten. Aber davon haben Vinnet, Torsten und ich uns nicht stören lassen. So hat Torsten dann auch einen neuen Ipod mit nach Hause genommen. Das ist nicht schlecht, denn ich kann nun seinen Alten nutzen. Am Abend waren wir dann noch im Internet. Dann musste ich auch schon gucken, dass ich rechtzeitig im Women Hostel bin. Aber es war schon zu. So rief ich nach Dakerlin und zum Glück hörte sie mich.
Torsten
22:30 Uhr
Freaking out [Ausflippen]. So könnte man den Tag am besten beschreiben. Am Morgen, da mal wieder Samstag war, waren wieder Spiele, dieses Mal Fußball. Um 8 ging es los, gegen 8:30 Uhr war Anpfiff für das erste Spiel, in dem Katrin und ich mit unseren Teams aufeinander trafen. Mein Team hatte am Ende die Nase vorn, wir gewannen 3:1, es war, nicht nur wegen dem Sieg, ein tolles Spiel auf sehr schlechtem Boden. Vor dem Mittagessen gingen Katrin und ich noch einkaufen für Montag Abend, wo wir für Rini Ralte und Solomon Benjamin inclusive derer Familien kochen wollen, Spaghetti mit Tomatensauce, Nachtisch Fruchtsalat mit Vanillesauce. Nach dem Mittagessen legte ich mich noch einmal hin, da der Abend gestern lang wurde. Katrin ging unterdessen mit Haston, Max und Gladwin zum Bahnhof, um die Tickets für unsere Reisen nach Vellore und Salem zu organisieren4. Muss abenteuerlich gewesen sein.
Gegen halb fünf gingen wir mit Haston, Max, Vinnet und Gladwin zur M.G. Road bzw. zur Brigade Road, ausfreaken. Gladwin, Max und Haston wussten wohl nicht ganz, auf was sie sich einließen, denn ihnen schien es nicht so viel Spaß zu machen, durch die Läden zu schlendern und Katrin und Vinnet beim Aussuchen einer Jeans zuzuschauen. Vinnet fand in der Garuda Mall eine, Katrin leider nicht. Dafür konnte ich sie beglücken, indem ich sehr preiswert einen Ipod Nano mit 8GB erstehen konnte und so Katrin meinen alten Ipod Mini überlassen konnte. Der Tag war sehr genial, erholsam und wir konnten etwas anderes als das UTC sehen.
Freitag, 10.08.07
Katrin
Der Unterricht war mal wieder ganz normal und langweilig. Am Nachmittag hatten wir unsere letzte Sermon evaluation. Es war auch die letzte für dieses Term [Dieses Semester]. Solomon stellte uns frei, ob wir nochmal pysical education haben wollen dieses Term oder nicht. Wir entschieden uns für nein und so bleibt es bei 2x dieses Term. Um hier einfach mal wieder raus zu kommen, fuhren Robin, Vinnet, Torsten und ich zur Cunningham Road bei McDonalds essen und danach noch ein bisschen shoppen. Als wir wieder kamen, war die Hostel Night schon gestartet. Das ist eine Veranstaltung der Studenten, wo jeder Kurs etwas vorstellt. Ein Kulturprogramm eben. Ich bin dann irgendwann gegangen, um meine Eltern und meine Schwester anzurufen. Das geht ja wegen der Zeitdifferenz immer nur Abends. Im Anschluss an die Hostel Night waren noch alle Studenten beim Principal eingeladen, der feierte nämlich seinen 76. Geburtstag. Zum Tagesabschluss gabs noch nen Tee an der Cantonment Railway Station, dann musste ich leider gehen, weil das Women Hostel schon um 11.45 p.m. geschlossen wird. Echt doof. Was das angeht, komm ich mir echt wie ein Kind vor. Die Jungs können kommen und gehen wie sie wollen, die Mädchen müssen eher noch früher kommen, weil oft zu früh abgeschlossen wird und man dann auch nicht mehr rein kommt außer durch rufen oder klingeln.
Torsten
10:05 Uhr
Unsere Jungs tun mir leid. Wenn ich die so sehe. Heute hat Vinnet einen Vortrag in Bibel 1, einen in Theology & Ethics und einen Test in Church & Society. Und den Anderen geht es nicht besser, 3 Vorträge in Bibel 1, 2-3 in Theology & Ethics und für alle die Klassenarbeit in Church & Society in der Freistunde. Tauschen will ich mit denen nicht.
Und in Theology & Ethics redet Kiran Sebastian dauernd dazwischen, was den Vortrag nur noch zusätzlich in die Länge zieht und dann zu spontaner Verwunderung führt, warum man nicht mit den Vorträgen durchkommt. In Bibel 1 konnte Mathew seinen Vortrag vortragen, das Problem an ihm ist, dass er so undeutlich spricht, dass ihn kaum jemand versteht. Gladwin, der danach kam, schaffte es, den Vortrag vorzutragen, indem er, so schien es, kein einziges Mal Luft holte und so schnell und monoton wie möglich fertig werden wollte. Und Vinnet, der als Letzter ran musste, wurde abgewürgt, sollte die Hälfte seines Vortrags auslassen und konnte seinen Vortrag nicht wirklich abschließen. Schade, denn er war gut verständlich. Die anderen Vorträge in Theology & Ethics verliefen gut, außer, dass Kiran Sebastian, der Dozent, die Angewohnheit hat, ständig seine Kommentare dazwischen zu rufen, was die Vorträge unnötig in die Länge zieht. Die Klausur in Church & Society war für alle irgendwie lustig, da keine Aufsichtsperson da war und die Jungs ihre Ordner/ Aufschriebe gut nutzen konnten.
Am Abend hat es Vinnet, Robin und uns beiden gereicht, am UTC zu sein und so gingen wir zur Sigma Mall in der Cunningham Road, um einfach herum zu schlendern, shoppen und vor allem den McDonalds zu besuchen. Es war ein sehr guter, entspannter Abend, zudem trafen wir Solomon Benjamin mit Frau beim Shoppen, Grace, Solomon Benjamins Frau, suchte noch nach westlicher Kleidung.
Am UTC zurück, war zuerst die Hostel Nite, ein Abendprogramm der Hosteler, bei dem jeder Jahrgang etwas beitrug. Ein witziger, schöner Abend, vor allem, als Mathew für dem YMCA auf die Bühne ging, ankündigte, er habe nichts vorbereitet aber eine CD mit afrikanischer Musik dabei und alle aufforderte, nach Lust und Laune zu Tanzen.
Zudem hatte der Principal [Schulleiter] O.V. Jatanna, heute Geburtstag, weshalb die Hosteler noch bei ihm zu hause vorbei schauten und ein Stück Kuchen bekamen. Danach gingen wir, ohne Katrin, die zurück ins Hostel musste, zu Vinnet und begannen, „Ghost Rider“ zu schauen. Um Mitternacht ging ich zu Bett, müde und erfrischt von einem tollen Tag.
Donnerstag, 9.8.07
Katrin
Heute ist ein ganz besonderer Tag. Torstens Geburtstag. Nachdem ich mich heute Morgen echt durchringen musste zu Aerobic aufzustehen, fing der Tag dann bei einem kleinen gemütlichen Frühstück in Torstens Zimmer richtig an. Dort essen wir seid einer Woche, da wir nicht mehr zum Essen in der Mess gehen. So nutzen wir Blätter, welche wir nicht mehr brauchen als Teller. Nach der Andacht gab es dann eine kleine Überraschung für Torsten, den Kuchen. Der war echt lecker, mit deutscher Schokolade. Nur dass die Kerzen doof waren. Kurz nach dem ich sie angezündet hatte, sind die Dochte rausgefallen! Aber lustig war es. Nur leider konnten wir wegen der Kerzen nicht auf Solomon warten. Das war ein bisschen schade. Nach den YMCA Studies heute hatte ich die letzte Deutschstunde. Ich glaube die beiden haben schon viel daraus gelernt. Nun liegt es an ihnen was sie daraus machen. Nach dem Cold Coffee hatte ich Zeit mal die Songs für die Oper zu üben. Ein paar sind etwas konfus. Als wir bei Rini zum Abendessen waren, erzählte sie uns, dass Haushilfen normalerweise nicht in die Wohnzimmerecke dürfen, normaler Weise auf dem Boden schlafen und kein eigenes Zimmer haben. Aber das findet sie menschenunwürdig und deshalb hat das Mädchen was bei ihr den Haushalt macht und kocht, ein eigenes Zimmer und kann auch alles im Haus mit nutzen.
Torsten
22:30 Uhr
Mein Geburtstag. Zum ersten Mal außerhalb Europas, außerhalb Deutschlands. In Indien wird der Geburtstag nicht wirklich gefeiert, wahrscheinlich, da viele erst gar nicht den Tag wissen, an dem sie geboren sind.
Dieser Tag begann ganz normal mit Aerobics, wir starteten mit drei Personen: Maleques, Max und ich. Nach und nach kamen mehr, auch Solomon Benjamin ließ sich blicken. Als wir dann YMCA-Studies hatten, kam Katrin mit einer Geburtstags-Schokotorte-mit-deutscher-Schokolade an. Genial, das Ding war unglaublich lecker. Nachdem wir die Geburtstags-Schokotorte-mit-deutscher-Schokolade vertilgt hatten, mussten wir leider mit dem Unterricht weiter machen.
In der Mittagspause wollten wir uns eigentlich hinlegen, aber kaum dass wir lagen, kam Samson, Solomon Benjamins Laufbursche und fragte, ob ich ins Office kommen könnte. Ein Computerproblem. Da ich anscheinend der Einzige bin, der sich hier mit Computern auskennt, ging ich ins Büro von Solomon Benjamin. Der Computer lud nicht mehr alle Homepages, zudem war er in letzter Zeit öfter im Kreuzfeuer von Viren gelandet. Also stand eine komplette Neuinstallation an, welche, nachdem die Daten gesichert waren und nach langer Suche ein Betriebssystem aufgetrieben war, stattfinden konnte. Abends konnte ich dann noch die Internetverbindung herstellen, sodass ich mit meinen Eltern zuhause telefonieren konnte.
Nach den YMCA Studies am Nachmittag gingen wir, leider ohne Solomon Benjamin, dafür mit insgesamt 8 YMCAlern einen Geburtstags-Cold-Coffee trinken. So hatten wir doch noch eine kleine Feier, auch wenn ich mir den Tag etwas ruhiger vorgestellt hatte.
Mittwoch, 8.8.09
Katrin
Heute Morgen war eine besondere Andacht, denn heute ist der Onam Feiertag, an welchem ein König gefeiert wird, welcher wohl besonders freundlich zu den Menschen war. So tanzten gestern Abend schon Studenten als Tiger zu Trommellauten und heute Morgen waren große Blumenbilder und tanzende Bootfahrer die Tradition. Echt interessant mit zu erleben. Ursprünglich war das ein Hindifestival, aber heute feiern alle Religionen es mit ihren eigenen Traditionen. Nun sitz ich wieder im Unterricht und warte darauf, dass der Schultag zu Ende geht. Heute Nachtmittag ist unser letztes Field Visit, weil nächste Woche Independentday ist und somit für alle frei. Das Field Visit war super und irgendwie ist es nicht ganz leicht, dass letzte Mal bei den Kindern gewesen zu sein. Grad Sudivel hat es mir, weil er mich nicht loslassen wollte, schwer gemacht. Auf dem Rückweg musste ich mich sehr beeilen, da ich mit Solomon einen Kuchen für Torstens Geburtstag morgen kaufen wollte. Wir haben auch einen leckeren bekommen, Nach dem Abendessen bin ich gleich ins Bett um mal ein bisschen mehr Schlaf zu bekommen. Denn heute Morgen bin ich umsonst so früh aufgestanden, denn der Aerobiclehrer kam nicht.
Torsten
10:15 Uhr morgens/ 22:45 Uhr abends
Die Entscheidung, heute morgen nicht aufzustehen, hat sich gelohnt, denn Maleques, der Direktor des College of Physical Education, der die Aerobics-Einheiten leitet, kam nicht, bzw. viel zu spät, sodass kein Aerobics stattfand.
Heute ist eine Art Feiertag, auch wenn wir Schule haben. Onam, ein Hindu-Feiertag, der aber auch in christlichen Kreisen gefeiert wird. Vor allem in Kerala ist dies ein hoher Feiertag, so dass eine Gruppe von Studenten, die aus Kerala kommen, den Morgengottesdienst gestaltet haben. Ein bunter Gottesdienst, überall Blumenbilder auf dem Boden. Es war nicht schlecht, könnte öfter so sein, dass eine Andacht so gut vorbereitet wurde.
Nachmittags war dann das letzte Mal CIC – Children in Crisis im „Dream Home“ angesagt. Da Ajay, eines der Kinder, mich eigentlich die ganze Zeit geärgert und genervt hat und dies trotz mehrmaliger Aufforderung nicht gelassen hat, fiel es mir recht leicht, das „Dream Home“ hinter mir zu lassen, im Gegensatz zu Katrin, die den kleinen Shaktivel eigentlich am liebsten mitgenommen hätte, bzw. er am liebsten nicht mehr von ihrem Arm herunter gewollt hätte.
Viel anderes passierte an diesem Tag nicht, ein gewöhnlicher Tag eben.
Dienstag, 7.8.09
Katrin
Der Tag hat eigentlich ganz nett angefangen. Ich konnte Bible 1 nutzen, um mal wieder Tagebuch zu schreiben. Und langsam klären sich die Dinge für die Reisen in den nächsten Wochen. Aber nun sitze ich in Woman Studies bei Evangeline und hab schon wieder voll den Hals. Die Frage die sich mir im Kontext der Feminist Theology in ihrem Unterricht frage, wenn sie mich über Deutschland fragt, ist: Ist es denn verboten die Wahrheit zu sagen? Es ist doch die Wahrheit, dass die Differenzen zwischen Mann und Frau lange nicht so hoch sind in Deutschland, dass die kurzen Klamotten der Mädels provozieren, … Eigentlich wollten wir uns heute den Kontaktpunkt für die Straßenkinder anschauen, aber da haben wir Muthi anscheinend falsch verstanden, denn diese gibt es an sich gar nicht mehr. Das sind jetzt die Shelter. So machten wir halt eine freie Stunde. Der Film in YMCA Studies war interessant. Er war über die verschiedenen World Conferences of YMCA. Sermon Evaluation war OK. Danach sind wir in den City YMCA zur Physical Education gefahren. Da konnten wir Tennis spielen, das war echt cool! Wenn wir in Chennai am College of Physical Education sind, bekommen wir sogar alle Trainingsanzüge mit YMCA India Logo. Nach einem leckeren Abendessen waren wir noch im Internet und ich sag mal zwei PC mit Internet wären auch nicht schlecht gewesen. Mit einer Tastatur zu zweit, ist es nicht einfach mit unterschiedlichen Leuten zu chatten. Dann ging ich früh ins Bett. Das war auch mal wieder dran!
Torsten
22:30 Uhr
Schon ist der nächste Tag vorbei, so schnell wie in Indien gingen die Tage noch nie vorbei. Hoffentlich ändert sich das wieder, wenn wir in Deutschland sind. Denn eigentlich will ich das Leben auch ein wenig genießen, was hier nur sehr bedingt klappt (aufgrund des vollgepackten Stundenplans).
Zum Stundenplan: Irre, wie man das alles schaffen soll, was die YMCAler machen müssen. Von morgens 6 (oder 5) bis abends 6 ist irgend ein Programm, Schule, Sport, YMCA Studies, Case Studies, Film oder so, und danach ist der Tag noch nicht zu Ende, denn die Assignments sind wirklich, wirklich schwer. In Bibel 1 müssen sie max. 3000 Wörter schreiben und dabei mindestens 10 Bücher zitieren, um die Hausarbeit zu erfüllen. Und das neben all den anderen Hausarbeiten, die erledigt werden müssen. So sitzen sie teilweise bis 3 oder 4 in der Nacht.
Heute habe ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich Tennis gespielt. Der erste Aufschlag war dementsprechend schlecht, er ging über die angrenzende Mauer weit ins Aus. Nach und nach konnte ich mich verbessern, ab und zu klappte sogar ein Ballwechsel. Es war anstrengend, aber irgendwie toll. Am Abend musste ich einfach mal wieder das Internet zum surfen nutzen. Zudem schrieb ich ein paar Emails nach Hause, um ein Paar Freunden wieder mal zu zeigen, dass wir noch leben und um das aufkommende Heimweh zu stillen.
Die Bibel 1 Einheiten sind immer noch sehr schlecht. Die Evangelien werden im Eiltempo durchgearbeitet, etwa zwei Stunden pro Evangelium. Sehr schlecht, wie man nur so einen Unterricht machen kann! Da vermisse ich durchaus unsere Bibeleinheiten am Kolleg. DA werden wenigstens gut Fakten interessant und einprägsam vermittelt!
Montag, 6.8.09
Katrin
Nachdem wir heute Morgen in der morning devotion in traditioneller Mizo-Kleidung gesungen hatten, war es ein ganz normaler Schultag. Heute Nachmittag zur YMCA-Einheittauchte Solomon nicht auf, er war irgendwo auswärts unterwegs. Außerdem liegt sein Vater gerade im Krankenhaus. Ich hoffe, dass er schnell wieder auf die Beine kommt. 16:15 Uhr starteten wir zur physical education und spielten gegen eine Mannschaft des Kolleges ein Freundschaftsspiel Volleyball. Das war eigentlich ganz nett, nur dass einfach nicht alle YMCAler spielen können und so dir ständig quer übers Feld in den Ball springen, dann aber ihren Ball nicht kriegen,… Am Abend waren wir wieder bei Rini essen. Sie war nicht da, so aßen wir allein. Ihr Hilfsmädchen war, wie sie uns heute (Dienstag) erzählte, ein bisschen traurig, weil sie kein Englisch spricht und sich so nicht mit uns unterhalten kann.
Ich bekam auch nochmal meine Eltern ans Telefon. Diesmal war die Verbindung besser. Ein kleiner Nachtrag von Sonntag: 18:30 Uhr war Gottesdienst am UTC. Evangeline hat gepredigt. Sie ist für mich nicht mehr wirklich glaubwürdig. Sie predigt über Liebe, gegen Klassenunterschiede, Kastensystem,… aber spielt mich aus durch Femkes Referat und schafft es bis heute nicht, selbst mit mir zu reden. Als Lehrerin mag sie ja ganz gut sein, aber als Person ist sie echt fragwürdig.
Torsten
22:10 Uhr
Dieser Tag hatte einen interessanten Start, da wir am morgen, gekleidet in Mizo-Klamotten, in der Andacht mitsangen. Es hat viel Spaß gemacht, auch wenn die Aussprache nicht wirklich einfach war. Am Nachmittag gingen wir dann zum City-YMCA zur Physical Education, es stand ein Freundschaftsmatch gegen das College of Physical Education an, das wir im dritten Satz verdient verloren, da die YMCA-Freunde aufhörten, Volleyball zu spielen und stattdessen wie Hühner auf dem Feld herumliefen, um möglichst jeden Ball allein zu bekommen. Ohne diese miserable Leistung hätten wir durchaus gewinnen können, da das gegnerische Team nicht wirklich gut war. Das wars auch schon von diesem Tag, viele Highlights gab es nicht zu verzeichnen.
Sonntag, 5.8.09
Katrin
Heute war Friendship day. Das ist ein festgelegter Tag hier in Indien. Um 9 Uhr starteten wir in die „Gospel Church“. Das ist eine charismatische Gemeinde. So ein bisschen wie das Jesuszentrum. Als wir ankamen, hatte ich das Gefühl, ich stehe vor einem Kaufhaus, was heute Sonderangebote hat und gleich öffnet. So viele Menschen warteten vor dem Eingang! Die Kirche war so überfüllt, dass wir gerade noch so einen Platz bekamen. Der Lobpreisteil war echt gut, es waren Lieder, die wir auch am Kolleg singen, aber die Predigt war einfach zu lang. Anschließend sind wir mit allen YMCAlern ins italienische Restaurant gefahren, wo wir vor einigen Wochen schon einmal waren. Femke bezahlte einen Großteil, denn es war ihr Geburtstag. Sehr lustig war, dass die Kellner aufgeschnappt hatten, dass sie Geburtstag hat und also sie vom Waschraum zurück kam, stand ein Kuchen mit Kerze auf ihrem Platz und Geburtstagsmusik war an. Dann ging erst Mal das große Gefütter los. In Indien gibt es die Tradition, dass das Geburtstagskind von allen gefüttert wird mit Kuchen und wenn man in einem Restaurant ist, gibt man allen Gästen und dem Personal was ab. Nach leckerem Essen ging es heim und ich konnte endlich mal wieder mit meinen Eltern telefonieren. Leider war nur die Verbindung so schlecht, dass wir es vertagen mussten nach wenigen Minuten. Am Abend hatten wir schon wieder gutes Essen bei Rini. Es gab Kartoffelbrei mit Fleisch und Gemüse. Und anschließend auch noch einen Kuchen. Um 22:45 uhr brachten wir Femke zum Zug, denn es war auch ihr letzter Tag in Bangalore. Sie fuhr weiter nach Chennai. Es war eine sehr schöne Zeit mit ihr hier und wir hoffen, sie im Herbst in Kassel begrüßen zu können. Vorher hatten wir noch Mizo-Practice. Die Gemeinschaft mit ihnen ist einfach super und ganz anders als mit den Südindern. Die Norder, so hat man das Gefühl, setzen mehr auf Gemeinschaft, Freundschaft und sind offener für neue Leute.
Torsten
23:40 Uhr
Spät ist es geworden heute. Ich will gar nicht an die Yoga-Einheit morgen früh denken. Aber es ging nicht anders, Femkes Zug ging erst um 23:15 und wir wollten sie verabschieden. Aber dazu später mehr.
Der Tag begann wie immer viel zu früh, da wir zum Gottesdienst gingen, um 9 ging es los, zu einer stark pfingstlerischen Gemeinde. Eine in der Art, wo die Prediger nach zurückgelegten Kilometern bezahlt werden. Mehr oder weniger spontan gingen wir danach zur M.G. Road, das gesamte YMCA-Department mit Femke, die ja heute Geburtstag hat. Dort kehrten wir in ein uns bekanntes Restaurant, in welchem wir schon einmal mit Femke und Mathew verweilten. Als wir dort ankamen, orderten die Freunde des YMCA eine Geburtstagstorte für Femke, die wir mit ihr verspeisten. Eine tolle Feier, da im gesamten Restaurant eine Geburtstags-CD abgespielt wurde. Nach dem Ende der Torte bestellten wir das Essen und genossen es sehr. Der Nachmittag war frei, auch das genoss ich sehr, endlich einmal nichts zu tun. Nach dem Gottesdienst am Abend gingen wir zu Rini Ralte zum Essen, wo es sehr leckeres Essen gab und zum Abschluss einen weiteren Geburtstagskuchen für Femke. Leider mussten wir recht schnell wieder aufbrechen, da wir für die Montagmorgen-Andacht üben mussten/ durften. Es war eine tolle Zeit, da die Andacht von einem Mitglied der Mizo-Gemeinschaft geleitet wird. Die Mizos sind ein Volk aus dem Norden, sehr offen und freundlich, auch Ausländern gegenüber. So genossen wir diese Stunde. Nach dieser Übungseinheit warteten wir mit Femke, bis es Zeit für sie war, Bangalore zu verlassen. Wir begleiteten sie mit Robin, Max, Mathew, und Vinnet zum Bahnhof. Es war eine sehr schöne Zeit mit ihr und ich hoffe, sie wieder zu sehen!
Samstag, 4.8.09
Katrin
Heute war der Geburtstag meines Vaters. Aber anrufen hat heute nicht geklappt, weil keine Zeit da war. Eigentlich wollte ich lange schlafen, aber durch die Infektion bin ich früh aufgewacht. Mittags wollten wir uns zum Aufnehmen des Songs treffen. Das hat nur leider nicht geklappt, da uns ein Kabel fehlte. So sind wir 12:35 uhr zur M.G. Road aufgebrochen (Torsten und Katrin) und haben dort ein Kabel gekauft und bei Subway etwas gegessen. Anschließend ging es zur Commercial Street, dort haben wir die letzten Mitbringsel und so gekauft. Am Abend waren wir bei einer deutschen Gruppe aus Berlin eingeladen. Das war sehr cool! Es gab deutsches Essen: Bouletten, Kartoffelbrei, Gemüse, Obstsalat und Vanillesoße. Der Leiter von ihnenist ursprünglich in Bangalore geboren, arbeitet aber seit Jahren in Deutschland und spricht fließend Deutsch. An diesem Abend durfte ich dann mal indisches Bier, „Kingfisher“, kosten. Das ist gar nicht so schlecht. Nicht so herb, aber ein kleiner Schluck reichte. Abends 10 Uhr, nachdem wir für den Mizoservice am Montag morgen geübt hatten, begannen wir nun endlich mit den Aufnahmen des Songs. Mal sehen was ist, wenn er fertig gemischt ist. Und um 2 Uhr lag ich dann im Bett und hab sofort geschlafen. Heute morgen war noch Volleyballturnier. Leider konnte ich nicht mitspielen, da es nur für Männer war. Echt doof! Aber dafür hat Torstens Mannschaft gewonnen. Bei der Aufnahme haben wir um 12 Uhr Nachts einfach angefangen, Happy Birthday zu singen. Nur wusste Femke nichts davon, es war nämlich ihr Geburtstag.
Torsten
Ganz spät nachts (so gegen 00:30 Uhr)
Solche Tage müsste es öfter geben. Dieser begann für mich um 7, da ein Volleyballspiel anstand, Herrick House gegen ein anderes Haus. Das ganze UTC ist in Häuser eingeteilt, die nach vergangenen Direktoren benannt sind. Ich bin in Herrick, dem so ziemlich schlechtesten von allen, da sie in 99% aller Fälle die Verlierer sind. So hatten wir als mit angeblich sehr schlechten Aussichten unser Spiel, welches wir sehr zur Überraschung der Herricks gewannen, was, ohne überheblich wirken zu wollen, größtenteils am Herrick-Star (O-Ton Herricks!) Torsten lag. Ich habe einfach normal gespielt, nicht wirklich gut, was hier auch nicht möglich ist.
Anschließend wollten wir uns mit ein paar Jungs treffen, um das Segenslied aufzunehmen, was aber aufgrund des Mangels eines Kabels verschoben werden musste. So sind Katrin und ich zur M.G. Road gefahren, um das Kabel zu besorgen und etwas zu essen (Subways), um anschließend zur Commercial Street, um für unsere Freunde in Deutschland einzukaufen. Im UTC angekommen, hatten wir ein wenig Pause, bis wir um kurz nach 5 mit Kirran Sebastian, einem Dozenten, zum SCM-Haus fuhren, wo wir eine Einladung von ein paar deutschen Schülern hatten, die einen deutschen Abend veranstalteten. Ein tolles Erlebnis, endlich wieder einmal nahezu deutsches Essen zu genießen und einfach zu reden, ohne dauernd über Indien zu erzählen.
Leider mussten wir viel zu früh wieder gehen, da wir um 10 noch ein Treffen hatten, um für die Andacht am Montag den Special Song mitzusingen. Danach hatten wir eine richtig geniale Zeit in der Kapelle, da wir mit den Sängern versucht haben, das Segenslied neu aufzunehmen. Nach zwei Stunden hatten wir immer noch Spaß dabei, sodass wir eine spontane Geburtstagsfeier für Femke gestalteten, da sie am Sonntag Geburtstag hat. Danach ging es weiter mit Aufnehmen, nicht mehr das Segenslied, sondern ein Lied von Buthi, auch ein Segenslied, aber auf Englisch. Dieser Tag war wirklich einer der Besten, seit wir in Indien sind und noch viele (hoffentlich!) werden folgen.
Freitag, 3.8.09
Katrin
Der Tag begann nicht so toll, denn ich musste nun doch zum Arzt, weiol der viele Durchfall und die schlechten Hygienebedingungen mir eine Infektion mit juckendem Ausschlag in den entsprechenden Regionen eingebracht haben. Jetzt habe ich haufenweise Tabletten, aber sie scheinen zu wirken. Mittags hatten wir wieder voll lecker Lunch mit voll leckerer Suppe. Die Paste dafür heißt „Mizo“. Man nimmt einen Teelöffel auf eine Suppe. Ein bisschen japanisch, aber voll lecker. Es ist Post von Fahnroths gekommen. Darüber habe ich mich ganz arg gefreut. Währen der Sermon Evaluation habe ich mich ausgeruht. Eigentlich sollten wir dann physical education haben, aber stattdessen hatten wir die Einteilung für das Field Work. Und wir kamen zu einem super Ergebnis. Zusammen mit den Kenianern werden Torsten und Ich sechs Tage an einem Ort, sechs Tage an einem anderen Ort sein.Dort wo auch für uns gesorgt wird, und wir vom Essen nicht umkommen. Voll toll. Was das angeht, ist Mohan Razu als Person wirklich toll. Anschließend sind Torsten und ich ins „Dream Home“ gefahren. Dort waren wir zum Dinner eingeladen. Es war eine richtige Feier mit Reden, Blumenkränzen,… eigentlich mag ich so etwas ja gar nicht, aber den Kindern hats auch gefallen, vor allem als wir dann noch zwei Lieder mit ihnen gesungen haben. Shaktivel wollte gestern gar nicht mehr von mir weg, er kam mir immer wieder nachgelaufen. Wenn ich könnte, würde ich ihn einfach mitnehmen. Wenn das ginge, würde es 100% auch Wege geben, das zu managen. Aber er hat einen Vater und ist nicht zur Adoption frei gegeben. Als wir zurück kamen, haben wir noch mit den Mizos gesungen für die Sermon am Montag und danach das Segenslied von Henne aufgenommen. Das war voll cool, und die Jungs hat auch voll das Aufnahmefieber gepackt.
Torsten
23:50 Uhr
Der Tag begann eigentlich ganz normal für mich. Mit Yoga. Ich dachte eigentlich, dass ich schon zu spät sei, als ich aber in der Tagore Hall ankam, musste ich feststellen, dass ich der Vierte war, also gerade richtig. Bis zum Ende der Yoga-Einheit waren wir 8, Saji und Katrin fehlten. Katrin kam mir nach dem Ende auf der Treppe entgegen, man konnte ihr ansehen, dass es ihr nicht gut ging. Sie war aufgelöst, in Tränen und fertig mit der Welt. Durch den vielen Durchfall und die fehlende Hygiene hatte sich bei ihr eine Infektion gebildet, die sie die ganze Nacht wach hielt, wie auch schon die Nächte davor. So fuhren wir um 9 mit Solomon Benjamin ins CSI Hospital zum Arzt, damit sie sich untersuchen lassen konnte und um Medikamente zu bekommen.
Danach ging es ihr schon deutlich besser, wir waren froh, dass Solomon Benjamin dabei war, denn er hatte viele Beziehungen im Krankenhaus, sodass wir kaum warten mussten.
Am Nachmittag hatten wir ein wenig Luft, bis um kurz nach fünf ein Meeting zum Fieldwork anstand, bei dem die Einsatzstellen verteilt wurden. Mike, Mathew, Katrin und ich gehen zusammen und können uns zwei verschiedene Projekte ansehen, jeweils 6 Tage. Zudem wird unsere Unterkunft und Verpflegung relativ gut sein, sodass wir die Zeit nicht nur im Bett verbringen müssen. Mohan Razu zeigte sich sehr freundlich und kooperativ, sehr zu unseren Gunsten.
Anschließend fuhren Katrin und ich zum Dreamhome, wo es eine offizielle Verabschiedungsparty für Femke und uns beide gab, mit leckerem Essen und den unvermeidlichen Reden. Femke wir am Sonntag aus Bangalore abreisen, sehr schade für uns alle.
Am Abend, um 21:30, trafen wir uns mit ein paar Musikern und Sängern, um das Segenslied von Henne aufzunehmen. Das machte uns allen so viel Spaß, dass wir morgen weitermachen wollen und evtl. noch weitere Songs aufnehmen werden. Darauf freue ich mich sehr. Heute wurde es etwas später, da ich eigentlich die Aufnahmen noch bearbeiten wollte, was aber aufgrund meiner Müdigkeit nicht mehr so ganz geklappt hat. Morgen ist ja auch noch ein Tag.
Donnerstag, 2.8.09
Katrin
Heute morgen habe ich mich sehr über Dr. Evangeline geärgert. Sie hat Femke eine Präsentation über Frauen in den Niederlanden machen lassen, um mich herunterzuspielen. Ich glaube, sie will gar nicht richtig verstehen. Dass die Ungleichberechtigung zwischen Mann und Frau hier um einiges höher ist als in Deutschland, ist ja wohl ein Geheimnis! Und dass die extra aufreizende Mode vieler deutscher Mädchen die Jungen provoziert ist ja wohl auch nichts Neues. Na ja, auf jeden Fall finde ich es nicht fair, dass sie nicht das Gespräch mit mir persönlich sucht sondern mich vor der Klasse bloß stellt. Damit war der ganze Tag irgendwie gelaufen! YMCA Studies war ok, aber danach haben wir Deutsch ausfallen lassen, weil es uns nicht so gut ging. Dafür waren wir im Buchladen und haben endlich Michael W. Smith CDs gekriegt. Eine kriegt Femke zum Geburtstag. Und wir waren in dem Einkaufsladen, den Samuel Raj mir gezeigt hat, frisches leckeres Vollkornbrot kaufen. Ok, es ist vielleicht nicht wie das Deutsche, aber immerhin mit Korn. Heute morgen hab ich in einer Misoram-Sermon mitgewirkt, beim traditionellen Singen. Das war voll cool. Es ist eh voll anders mit den Nordindern. Sie schätzen viel mehr das Gemeinschaftsleben und sind offener für uns
Torsten
23:05 Uhr
Schon wieder ein Tag vorbei, noch knapp 5½ Wochen und das Abenteuer Indien ist zu Ende. Traurig, aber auch schön. Ich war mit Katrin nachmittags zuerst den leeren Wassercontainer zum Miller’s Point zurückbringen, da wir mittlerweile besseres Wasser billiger bei unserem Cold Coffee Stand bekommen und danach im ELS (Evangelical Literature Store [Christlicher Buchladen]), wo wir eine weiter Michael W: Smith CD erstehen konnten und eine für Femkes Geburtstag, der am Sonntag ist. Danach waren wir in einem Supermarkt (ja, die gibt es hier auch, wenn auch nur sehr wenige), wo wir für unser Frühstück, das wir mittlerweile im Zimmer bei mir einnehmen, eingekauft haben. Vollkornbrot und Marmelade. Luxus in Indien!
Nach dem Abendessen konnte ich noch mit zuhause telefonieren, ein schönes Gefühl, sich auszutauschen und Erlebnisse direkt zu teilen. Zudem haben wir geplant, dass es an dem Abend, an dem wir wieder in Deutschland sind, Sauerbraten und Spätzle gibt. Eine tolle Perspektive, da freut man sich doppelt auf zuhause. So gehe ich ermutigt schlafen und freue mich auf die Tage hier am UTC.
Ich habe eine Aufgabe von Rini Ralte bekommen, ich soll möglichst viele Fotos von der Gemeinschaft machen, da in zwei Jahren die 100-Jahresfeier des UTC ansteht und es noch nicht wirklich Gemeinschaftsbilder gibt. Eine schöne Aufgabe, die man immer nebenbei erledigen kann.
Mittwoch, 1.8.09
Katrin
Heute war Quiet Day [stiller Tag]. Na ja, so wirklich ruhig war es nicht im UTC. Das liegt wohl daran, dass a) die Studenten nicht wirklich eingeführt wurden, was Quiet Day bedeutet und b) sie die ganze Zeit üben mussten f+r die drei Services [Gottesdienste], welche heute stattfanden. In diesem hat jedes mal dieser Bischof gepredigt, immer zu lang und … na ja, da muss ich nicht so viel zu sagen – er war einfach schlecht. Und beim letzten Service hat er dem Vogel abgeschossen, als er sagte, dass die Mädchen, welche am Service beteiligt waren, nicht wie geplant im Altarraum sitzen durften, weil der Bischof der Meinung war, dass Frauen dort nix zu suchen haben.
Heute hat sich für uns eine große Frage geklärt: Wo essen wir die nächsten Wochen. Da wir vom Mess-Food seit der dritten oder vierten Woche kontinuierlich Magenprobleme haben, entschieden wir, nicht weiter in der Mess zu essen. Das Essen ist einfach zu dreckig. Nun können wir bei Rini Ralte essen, und wenn sie nicht kann bei Solomon. Wir dürfen es nur nicht herum erzählen, damit kein Gerede aufkommt. Samuel Raj hat mir heute einen Essensshop gezeigt, wo man sogar frisch gebackenes Körnerbrot bekommt. Da für uns zum Frühstück nun immer selber versorgen werden, ist es gut, so einen Shop zu wissen.
Nach dem letzten Service am fuhren wir zu den Street Children. Erst gaben wir ihnen das Spielzeug, es war schön zu sehen, wie sie sich freuten. Danach nahmen wir sieben Kinder mit in die Stadt und gingen mit ihnen Kleidung kaufen. Es ist total schön zu sehen, wie sie vor den Sachen standen und große Augen hatten beim aussuchen. Shaktivel, der kleinste von ihnen, schlief mir auf dem Hin und auf dem Rückweg im Arm ein. Super süß. Wenn es irgend eine Möglichkeit gäbe, ihm eine bessere Zukunft zu geben, ich würde es tun. Denn so wird auch er wie die meisten der anderen Kinder wahrscheinlich beim Ragpicken, Drogen nehmen und mit einer schlechten Bildung irgend wo in Bangalore seine Zukunft haben.
Torsten
22:45 Uhr
Nach einer langen, ereignisreichen Zeit gelingt es mir endlich wieder, einen Tagebucheintrag zu verfassen.
Der Grund für die fehlenden Einträge ist, dass ich am Samstag nachmittag plötzlich Magenprobleme bekam und diese bis zum Dienstag mit mir herumschleppte und es auch heute noch nicht ganz gut ist. Aber der Reihe nach: Am Samstag hatten wir einen sehr schönen Tag, wir besichtigten den großen Tempel in Madurai, den Shri Menakshi Tempel. Die vielen Götzenbilder (Götter…) liessen mich sehr blasphemisch reden und als wir dann durch die Tempelhallen schritten und einen Tempelelefanten sahen, der einem, wenn man ihm ein Geldstück gab, mit dem Rüssel auf den Kopf langte („Segnen“) und wir die vielen Marktstände sahen, fühlte ich mich ein wenig wie Jesus im Tempel.
Nach dieser Tour hatten wir Mittagessen und meinem Bauch und mir ging es schlechter. Dies steigerte sich bis zur Heimfahrt im Zug, sodass ich mein Mittagessen im Zug drei Mal wieder sah.
Der Sonntag verlief im Bett, ebenso wie der Montag Morgen. Erst zum Mittag quälte ich mich aus dem Bett, denn wir YMCAler besuchten den City-YMCA, wo wir seit dieser Woche anfangen, Physical Education [Sportunterricht] zu haben.
Am Dienstag war es mir noch nicht ganz gut, jedoch hatten wir die Andacht zu gestalten, Katrin, Femke, Mathew und ein Team von Studenten sangen, währen dich über die Speisung der 5000 predigen durfte. Die Andacht kam gut an, obwohl wir nicht so zufrieden waren. Wir sind vom Kolleg eben andere Standards gewöhnt.
Nachmittags begann der „Quiet Day“, eigentlich ein Tag der Stille. Bis auf dass es am Dienstag Abend einen und am Mittwoch drei Gottesdienste gab, war allerdings nichts anders als sonst. Stille ist auf jeden fall keine gehalten worden. der eingeladene Prediger stieß auch mehr auf Unmut, als Zustimmung, da seine „Predigten“ mehr Erzählungen aus seinem tollen langen Leben waren und entsprechend „interessant“. Schade, eine große Chance, zur Ruhe zu kommen, war vertan.
Am heutigen Mittwoch waren wir mit Femke bei den Straßenkindern, wir starteten direkt nach dem letzten Gottesdienst, um mit ein paar ausgewählten Kindern (am Ende waren es sieben) neue Kleider kaufen. Ein tolles, aber auch sehr anstrengendes Erlebnis. Die Kinder hatten ihren Spaß, genau so wie wir auch. Kaum eines der Kinder hat je so viele Kleidungsstücke live gesehen. Und die Menschen schauten auf uns, die ganze Zeit, die wir unterwegs waren (3,5 Stunden) und fragten uns, was wir denn machen würden.
Für unsere immer wiederkehrenden Magenprobleme haben wir auch eine Lösung gefunden. Seit heute nachmittag essen wir mit Femke bei einer der Dozentinnen. Rini Ralte. Sie war so freundlich, uns für den Rest der Zeit in Indien bei sich zu verköstigen. So glauben wir, das unsaubere und unhygienisch zubereitete Essen aus der Mess hinter uns zu lassen und einem besseren, fitteren Leben in Indien entgegenzusteuern.
Dienstag, 31.7.09
Katrin
Heute Morgen haben Torsten, Mike, Mathew und ich die Morgenandacht gehalten. Das war, laut den anderen Studenten und Dozenten sehr gut. Ein paar Sachen fanden wir selbst zwar nicht so gut, aber wahrscheinlich sind wir viel zu selbstkritisch. Eine lustige Sache, welche keinem aufgefallen zu sein scheint, ist, dass wir vergessen haben, die Kerzen auf dem Altar anzuzünden.
Torsten hat gepredigt und ich habe mich um zwei Songs und Gebete gekümmert. Einer der Songs war das Segenslied von Henne. Das fanden alle voll cool und ein paar Jungs und Femke und ich haben es sogar umgesetzt, Torsten hat dann ins Ende des Songs den Segen gesprochen. Danach bin ich erst mal eine Stunde im Bett geblieben, weil ich etwas Fieber hatte. Ich hatte es vorher schon gespürt, aber nun, nach der Andacht, war es erst mal aus. Um 12.00 Uhr hat uns Muthi abgeholt und wir sind zum zweiten Day Care Center gefahren. Mitten zwischen Ragpickern-Müllbergen steht eine kleine Garage. Es sieht dort noch schlimmer aus als in dem anderen Day Care Center. Die Kinder haben kaum Klamotten an, sie schlafen zwischen den Müllbergen, sie gehen nicht zur Schule, sondern zum Ragpicken. Nächste Woche schauen wir uns noch die Kontaktpunkte an. Am Nachmittag war die Auswertung von der Sermon von gestern. Das war echt voll böse. Die Kommentare von Faculty und Students waren hart, aber wahr. Ich glaube nicht, dass sie ihn so bestehen lassen. Gerade höre ich von Torsten, dass sie ihn durchfallen lassen haben. Nach dem Tee bin ich mit Femke in die Stadt gefahren, um Spielzeug zu kaufen für die Street Children. Eigentlich wollten wir eine Matte mit Straßen und so haben, wo sie mit Autos drauf fahren können, aber leider haben wir keine gekriegt. Dafür haben wir für kleinen Autos und Puzzlematten zum Bauen von Häusern oder so gekauft und für die Großen Leuchtsterne, welche sie ganz toll an die Decke gemacht haben (am Mittwoch). Am Abend war dann der Startgottesdienst für den Quiet Day [Stillen Tag] am Mittwoch. Das ist ja eigentlich ganz nett, außer dass der eingeladene Bischof nicht gerade toll gepredigt hat, er hat eigentlich nur von sich gesprochen. Heute haben wir auch eine deutsche Gruppe aus Berlin getroffen, welche uns für Samstag zu einem Deutschen Abend eingeladen haben. Es war voll cool, mal wieder Deutsch zu reden.
Torsten
Immer noch kein Wort von Torsten…
Montag, 30.7.09
Katrin
Für heute schreibe ich erst am 2.08.07, das zeigt, wie voll die Tage sind und außerdem waren wir die letzten Tage nicht well. Torsten lag heute morgen immer noch flach (30.07.). Mir ging es etwas besser, deshalb entschied ich mich, zur Morning Devotion zu gehen. Die war voll daneben. Einer der BD IV Students war dran und hat voll den Charismatischen Service gemacht. Er hat die Anweisungen, die sie für diesen Teil des Examens bekommen haben, nicht befolgt, hatte eine unvollständige order,… Er hat im Prinzip seine Kirche lächerlich gemacht, denn er ist von der CSI hier, welche vier Jahre lang sein Studium gezahlt hat und hält nach vier Jahren so eine Andacht. Die Studenten waren voll sauer auf ihn und die Dozenten zogen sich zu einer Krisensitzung zurück.
Um 12.00 Uhr sind wir dann zum City-YMCA gefahren, um mit dem Generalsekretär vom YMCA Bangalore zu essen und das Gelände vom City-YMCA und dem Physical Education College zu sehen. Am Freitag geht’s dann los mit Physical Education, drei Mal die Woche, Montag, Dienstag und Freitag. Am Abend haben wir noch die Andacht für Dienstag Morgen vorbereitet und bis Abends 10.00 Uhr geprobt.
Torsten
Torsten ist leider immer noch krank…
Sonntag, 29.7.09
Katrin
Leider nahm das Wochenende kein so gutes Ende, da es Torsten und mich voll mit Magenproblemen erwischt hat. Torsten mehr als mich, so konnte ich ihn und mich heute pflegen und wir haben einen ganz ruhigen Tag mit Mr. Bean gucken, schlafen, Hörspielen hören,… verbracht. Ich hab echt keinen Bock mehr auf krank sein und Torsten auch nicht. Gerade würde ich am Liebsten heim fahren.
Torsten
Dieser Eintrag von Katrin sagt eigentlich schon alles. Torsten ist krank, und wird das auch noch die nächsten Tage bleiben (=keine EInträge).
So kommt es eben manchmal auf Reisen, kein Grund zur Beunruhigung, ihr wisst ja: Beide Indienreisenden haben die Reise gut und mit bester Gesundheit überstanden!
Samstag, 28.7.09
Katrin
Nachdem wir mit einem leckeren Frühstück gestartet waren hieß es für heute: „Tourist spielen“. Wir besichtigten einen der großen Tempel Madurais. Die Bauweise und Statuen sind da wirklich interessant anzusehen. Auch wenn es nicht ganz einfach ist, den Vielgötterglaube zu akzeptieren, wenn man sieht, wie hier im Tempel Geld damit gemacht wird. Als zwischen den ganzen Götterstatuen auf einmal ein Markt auftauchte, auf dem man bis hin zum Cricketschläger alles kaufen konnte, war ich echt sprachlos. So könnte Jesus im Tempel gestanden haben, bevor er die Händler verjagt hat. Als dann auch noch ein Elefant auftauchte, welcher einen gegen Geld, was man ihm in den Rüssel legte, einem mit dem Rüssel segnete, war es bei mir ganz vorbei. Wenn man dann noch hört, dass jedes Jahr die Hochzeit zweier Götter ganz groß gefeiert wird oder zwei tanzende Götter dargestellt werden und weil die Göttin beim Tanzen ihren Ohrring verloren hat und der Gott ihn nicht finden kann, wird sie wütend und um sie abzukühlen, wird ihr Butter auf den Kopf geschmissen.
Danach waren wir noch in einem alten Palast. Nach einem guten Mittagessen hatten wir dann noch einen kleinen Einkaufsbummel, bevor es zurück ging mit dem Schlafzug Richtung Bangalore.
Torsten
Einmal muss jeder gehn. Zumindest gibts heute leider keinen Eintrag für Torsten.
Freitag, 27.7.09
Katrin
Nach 10 Stunden Fahrt kommen wir 7.40 Uhr pünktlich in Madurai an. Hier holte uns Vincent, einer der YMCA Sekretäre, ab und brachte uns ins Guest Hostel des YMCA. Hier haben wir echt super Zimmer, mit Air Condition, eigenem Bad,… und alles sauber! Und der Samstag sollte weiter so super sein. Nach einer kurzen Rast hatten wir ein sehr, sehr gutes Frühstück: Frischer Toast mit Omlette, Cornflakes mit warmer Milch, frisch gepresster Orangensaft,… und das ganze Wochenende keinen Reis! Am Vormittag schauten wir handicapped children an, Diese sind zwischen 3 – 12 Jahren. Es gibt auch 3 Jahre Schulvorbereitung für schwerhörige Kinder. Das sind drei Klassenstufen und nach der dritten werden sie, soweit es geht, mit in normale Schulen eingegliedert. Wir wurden total loeb mit einer Tradition empfangen. Man bekommt einen Blumenkranz um den Hals, einen gelben Punkt aus Safranpulver auf die Stirn und grobkörnigen Zucker (so eine Art Süßigkeit) zum Essen. Unser Lunch war sehr gut, ein bisschen Western, mit Spagetti und frischem Buttergemüse,… ich habe es wirklich genossen. Danach sind wir in die Schule für Schwerhörige gefahren. Die meisten der 12 Kinder leben dort auch in Hostels. Sie können bis zum 10. Standard Schulabschlüsse machen. Danach können sie ein Skilltraining als Näherin oder Bäcker machen. Auch hier wurden wir wieder mit dieser Tradition empfangen. Zum Glück hatten wir vorher den Punkt abgewaschen. Es ist wirklich toll zu sehen, mit wie viel Liebe die Mitarbeiter, Lehrer,… Ihre Arbeit tun. Im Anschluss hatten wir eine kleine Rast und dann ging es zum YMCA Boys Home. Hier sind 50 Kinder zwischen 3 und 16 Jahren untergebracht, die keine Eltern oder nur einen Elternteil haben. Man hat sofort gemerkt, dass hier auch Frauen arbeiten, denn das Klima war vollkommen anders als im YMCA Street Children Project Bangalore. Hier gibt es eine richtige Tagesstruktur, es wird sich darum gekümmert, dass die Jungs die Schule ordentlich schaffen,… Ich konnte sogar zwei kurze Actionsongs mit ihnen machen und natürlich „uk alele“, das lieben alle Kinder! Außerdem waren wir noch nahe am Boys Home in einer kleinen Village, dort hat der YMCA sozusagen einen Hausaufgaben-Nachhilfe-Service eingerichtet für die Villagekinder, denn ihre Eltern haben meist keine Education und können hier deshalb nicht helfen. Nach sehr leckerem Abendessen war ich mit Torsten noch eine Runde spazieren in der Stadt. Wir durften uns sogar einen Raum teilen. Das Klima hier ist um einiges feuchter und heißer in Bangalore, so war ich heute vier Mal duschen, weil man es sonst nicht ausgehalten hätte. Man war sofort wieder nassgeschwitzt, nachdem man sich abgetrocknet hatte. Shamila wieder zu sehen isst auch super. Wie hat der Generalsekretär so schön gesagt: „Seit sie in Deutschland war, ist sie voll die Western Lady!“
Torsten
Nachtrag vom 28. Juli (Dieses Mal gleich, ihr musstet lange genug auf den nächsten Eintrag warten!)
Nachdem wir in der Nacht mit dem Zug von Bangalore nach Madurai fuhren (Sleeper Class, deutlich besser als alles, was ich bisher an Reisen in Indien erlebt habe) kamen wir um 7:40 Uhr am Morgen in Madurai an und fuhren mit dem Auto zum YMCA Guest House, wo wir das Wochenende verbringen werden. Die Zimmer sind sehr komfortabel, Klimaanlage und Ventilatoren, das Essen nahezu europäisch. Shamila1, die uns hierher eingeladen hat, weiß eben, was uns Deutsche (und Holländern) gefällt. Das Wochenende verspricht sehr relaxed zu werden, trotz dass wir eigentlich viel Programm haben. Heute haben wir mehrere Projekte des YMCA angeschaut, die Behindertenarbeit ist hier sehr stark und gut vertreten. Es ist schön zu sehen, dass es Bemühungen gibt, körperlich und psychisch Behinderten zu helfen. Außerdem besuchten wir ein Waisenhaus, wo die [behinderten] Kinder Unterricht bekommen. Die soziale Ader im YMCA Madurai ist sehr stark vertreten, unterstützt vom Generalsekretär, der sein Möglichstes versucht, um Geld für die Projekte aufzutreiben.
Abends gingen Katrin und ich noch ein wenig durch die Straßen von Madurai. Die Stadt ist irgendwie doch noch ein Dorf, die Straßen eng und dicht bevölkert. Am Samstag werden wir noch eine Sightseeing- und Shoppingtour machen, um noch ein wenig „Kultur“ aus Madurai mitzubekommen. Aber alles unter dem Motto „Relax first“. So dürften alle Wochenenden verlaufen. Wir fühlen uns unglaublich wohl!
1Shamila ist die zweite Person, die beim Austausch des CVJM Kolleg mit dabei war.
Donnerstag, 26.7.09
Katrin
Heute sind Torsten und ich schon 13 Monate zusammen. Der Tag war ganz schön anstrengend. Erst alle vier Blöcke Unterricht, nachmittags Diskussion in YMCA Studies. Die machen sich es immer viel zu schwer, keiner Wunder warum sie immer bis Nachts in der Bibliothek sitzen und trotzdem nicht fertig werden. Dabei lag die Lösung auf der Hand. Deutschstunde war heute nicht so toll. Ich habe sie alleine gemacht, aber Fälle erklären ist halt nicht so einfach. Dann erfuhr ich noch zwischendurch, dass doch Fellowship Group ist und diese war mal wieder so schlecht. Ich fühle mich da überhaupt nicht wohl. Aber da bin ich nicht die Einzige. Es wird nur herum gesessen, gegessen, dummes Zeug gequatscht,… Das nächste Mal wollen sie in den Lal Bagh (botanischer Garten) zu so einer Blumenshow. Da werde ich nicht mitgehen.
Erst sollte es Donnerstag 16.8 sein, dann Mittwoch, 15.8. Als ich dann sagte, dass ich an beiden Tagen nicht kann, wollten sie Dienstag, den 14.8., aber da kann ich auch nicht. Ich sagte, dass ist ok, wenn ich nicht mitgehe. Da sagte einer der Dozenten, „aber wir wollen doch Gemeinschaft mit dir“. Dann frag ich mich, warum sie die ganze Fellowship Group nicht mit mir reden, obwohl sie Fellowship mit mir wollen?! Nach dem Dinner wollte ich mich mit einem der Studenten treffen, um die deutschen Lieder für nächsten Dienstag zu üben. Erst sagte er direkt nach dem Dinner, dann 20.30, 20.45 kam er dann, sagte er holt kurz seine Gitarre. Als er kam, war es 21.00 Uhr und ich musste los zum Zug. Das ist so typisch indisch. Wenn dann halt was anderes kommt, ist es halt wichtiger als der eigentliche Termin. Das ist echt zum kotzen! So machten wir uns 10 mach 21.00 Uhr auf den Weg zum Bahnhof und fuhren los nach Madurai.
Torsten
20:30 Uhr
Der Tag ist schon wieder vorbei, ich nutze diese ruhigen Minuten, um meinen Eintrag zu schreiben, da wir in 30 Minuten nach Madurai aufbrechen. Der Tag war nahezu Höhepunktlos, erst am Nachmittag, als sich Mike, Robin und ich zum „Milestone“ trafen, begann der Tag richtig. Der „Milestone“ ist der Newsletter des YMCA Training Departments, der durch ganz Indien geschickt wird um die Freunde des YMCA auf dem Laufenden zu halten. Zuvor konnte ich aber noch Solomon und seine Tochter Manuela überglücklich machen, indem ich ihr half, aus einem Lied, das sie singen soll, die Stimme herauszuschneiden, um eine Karaokeversion zu bekommen.
Die Fellowship Group im Anschluss fing lustig an, nachdem ich eigentlich zu spät zum Treffpunkt Kapelle kam, da ich die Zeit vergessen hatte, der „Milestone“ fesselte uns. So kam ich 5 Minuten zu spät an der Kapelle an und niemand war mehr da. Ich beschloss, trotzdem den Weg zum Haus des Dozenten zu suchen, da ich wusste, dass er in einem der UTC Quartieren untergebracht war. Nachdem ich im Ersten angekommen war, sagten sie mir dort, dass er hier nicht wohne und erklärten mir den Weg zum nächsten Quartier, da das UTC zwei Außenquartiere hat. Unterwegs dorthin noch einen weiteren Teilnehmer meiner Fellowship Group ein. Als wir ankamen, mussten wir feststellen, dass wir beiden die Ersten waren. Nach und nach trudelten erst die Anderen ein. Ich merke: Indische Uhren ticken deutlich anders als Deutsche!
Mittwoch, 25.7.09
Katrin
Heute morgen war die Einheit, wo Neuigkeiten und Probleme zwischen Studierenden und Dozenten diskutiert werden, richtig lang. Das heißeste Thema war: Streitigkeiten in der Mess Hall. In letzter Zeit gibt es vermehrt größere Streitigkeiten bis hin zu Schlägereien, wo jemand dazwischen gehen muss. Zum einen sind es zwischenmenschliche Konflikte, aber zum Anderen auch die Frustration, dass es zu wenig Essen gibt und die Leute mit Hunger wieder gehen, obwohl sie gerade gegessen haben. Dass sie sich jetzt damit schon an die Dozenten wenden, zeigt, dass sie dem selbst nicht mehr Herr werden. Das ist wie ein Hilfeschrei. Am Nachmittag war Field Visit. Nachdem wir erst um 15.30 Uhr los sind, waren wir dann um 16:30 Uhr dort, weil die Busse alle überfüllt sind. Dort angekommen, waren kaum Kinder und auch kein Sozialarbeiter da. Die Kinder sprangen auch außerhalb des Geländes herum. Es kann eigentlich nicht sein, dass keine Aufsichtsperson da ist. Wie es sich herausstellte, waren sie einkaufen fürs Abendessen. Ich habe beim Field Visit gar nichts gemacht. Ich wollte einfach mal für die Kinder da sein, sie beobachten und mich mit ihnen verständigen, auch wenn das nicht so einfach ist, nur mit Zeichen. Nächsten Mittwoch holen Torsten, Femke und ich 6 Kinder ab und gehen mit ihnen einkaufen. Das ist ein Projekt, was die deutschen Volontäre gestartet haben. Jeder kleidet zwei Kinder neu ein. Das ist hier ja nicht teuer. Und jeder kriegt noch eine Kleinigkeit zu spielen. Da freue ich mich schon sehr drauf. Abends ging es mir nicht so gut. Habe mir etwas Husten und Halschmerzen geholt, wahrscheinlich im uns überraschenden Regen. So tun mir auch die Bronchien etwas weh. Na ja, und dann noch die schlechte Luft hier! So war sogar die Cola zu kalt und ich habe für kurze Zeit echt Probleme gehabt, Luft zu holen, weil es so geschmerzt hat. Ich habe von Solomon Tabletten bekommen, mal schauen, ob die helfen. Torsten hat sich heute echt Mühe gegeben, das Inderverhalten wieder abzulegen. Bis auf ein paar kleine Situationen war es echt superschön mit ihm heute. Er hat sich auch ganz lieb um mich gekümmert, als es mir nicht so gut ging.
Torsten
22:20 Uhr
Schon wieder ging ein nahezu bedeutungsloser Tag ins Land. Der Höhepunkt war zweifellos das „Dream Home“. Wir sind leider erst sehr spät aufgebrochen, aus welchen Gründen auch immer. Als wir ankamen, waren nur ein paar Kinder da, von den Erziehern keine Spur. So kümmerten wir uns um die Kinder. Ihnen fehlen Eltern. Das wurde uns heute mehr als deutlich, denn als wir uns um sie kümmerten, mit ihnen Blödsinn machten und sie auch in den Arm nahmen, ging es ihnen deutlich besser, sie fingen an zu lachen und man sah ihnen an, dass es ihnen gut ging. Selbst der Kleinste, dessen Namen ich leider nicht weiß, der sonst immer sehr zurückgezogen und introvertiert war, blühte förmlich auf und genoss es sichtlich (wie auch Katrin) auf Katrins Arm zu sein und von ihr verhätschelt zu werden. So viel Lachen habe ich bei ihm noch nie gesehen.
Katrin ging es heute nicht so gut, eine Art Erkältung macht sich breit, ich hoffe, dass es ihr morgen wieder besser geht und es mir nicht schlechter geht. Sie tut mir leid und ich weiß nicht, wie ich mich um sie kümmern soll, da sie trotz allem versucht, stark zu sein. Hoffentlich geht es ihr morgen wieder besser.
Dienstag, 24.7.09
Katrin
Der Vormittag war sehr ruhig, wir hatten eine halbe Stunde Unterricht. Danach ist der Lehrer gegangen, weil er krank ist.Danach Library-Zeit, na ja, oder auch nicht.
Torsten und ich entschieden uns für ein kleines Blumenfotoshooting. Bei dem konnte ich ne ganze Menge lernen und auch selbst ganz gute Fotos machen.
Womens Studies ist auch ausgefallen. Da Evangeline krank ist. Und 12.00 Uhr hat uns Muthi, (einer der Social Worker des Dreamhome) abgeholt und wir sind zum Day Care Center Sevanagar gefahren. Das erste von drei Centern. Als wir dort ankamen, standen wir mitten in einer Slumgegend. Überall Müll, Gestank, dreckiges Wasser,… Das Center gleicht einer kleinen Garage, in der Montag-Freitag 40-50 Kinder dicht zusammengedrängt am Boden sitzen. Viel zu klein, aber besser als wenn sie gar nichts hätten. Dann hat es angefangen zu regnen und es hat durchs Dach geregnet an sehr vielen Stellen. Wenn da so viele Kinder sitzen, werden 2/3 von ihnen nass. Die Kinder bekommen dort in Plastiktüten jeden Mittag etwas zu Essen. Die meisten der Kinder sind Ragpicker, das heißt, sie sammeln den Müll und bringen ihn zu einer Sammelstelle. Sie bekommen am Tag zwischen 100 und 180 Rupien. Für sie viel Geld! Das ist auch der Grund, warum einige aus den Sheltern weggelaufen sind. Keines von den Kindern geht zur Schule. Das heißt, dass sie keine Perspektive haben und wahrscheinlich ihre Kinder mal genau so enden.
Anschließend sind wir mit einer Riksha zur Cunningham Road gefahren, Mittag essen, weil die Lunchtime im UTC schon vorbei war. Rückzu noch kurz ins Woodpecker und dann schnell heim. Doch der Monsun erwischte uns knallhart und wir kamen triefnass bis auf die Knochen am UTC an. Nach der Sermon Evaluation, einem Tee und einer warmen Dusche hieß es dann mal wieder, etwas Kollegfeeling spüren zu dürfen, beim gemütlichen aufs Bett legen und Mr. Bean schauen. Das habe ich echt sehr genossen. Torsten entwickelt sich grad voll zum Inder. Er nörgelt, kommandiert rum, redet nur noch von Kuscheln, Ausschlafen,… Wir haben darüber gesprochen und er hat es auch selber gemerkt und wird es wieder ändern. Dabei werd ich ihm natürlich unterstützen, so gut ich kann, auch wenn es manchmal weh tat. Aber ich glaube, das ist das besondere an einer Beziehung, den anderen auch in solchen Zeiten zu tragen.
Torsten
22:30 Uhr
Ein erschreckender und zugleich schöner Tag neigt sich dem Ende zu. Erschreckend ist die Erkenntnis, dass ich mich immer mehr dem Verhalten der indischen Männer anpasse. Dies zeigt sich größtenteils im Umgang mit Katrin. Obwohl ich es eigentlich nicht will, stufe ich sie zu einer Art Dienstmädchen herab. Erschreckend, eigentlich sind wir doch gleichberechtigte Partner. Ich merke, wie ich sie für einfachst Dinge herumscheuche, weil ich zu faul bin, mich selbst zu bewegen. Erschreckend, wie Katrin es erträgt und mir aus Liebe die Dinge sogar bringt. Erschreckend, ich will so nicht werden/ sein! Zum Glück sprach Katrin heute diesen Missstand an, ich will versuchen und bin gewillt, mich zu ändern, denn ich will Katrin so etwas eigentlich nicht zumuten!
Schön war der Tag heute, weil er sehr erholsam war. Wir hatten heute immerhin eine ganze halbe Stunde Bibel 1, bis der Lehrer aufgrund seiner Erkältung wieder ging. Die anderen Stunden fiele wegen einer Dozentenkonferenz aus.
Katrin, Femke und ich hatten geplant, um 12 zu dem ersten Daycare Center1 zu fahren, um uns einen Überblick zu verschaffen. Femke musste spontan absagen, da es ihr sehr schlecht geht, völlig erkältet. So sind wir allein, mit Muhti, dem Leiter des „Dream Homes“ zum Sevanagar-Daycare-Shelter gefahren. Wir waren zwar durch die Deutschen vorgewarnt, was uns erwartet, dennoch war es erschreckend. Eine kleine Hütte, inmitten eines Slumgebietes. Als es dann noch anfing zu regnen, tropfte das Wasser zum Dach herein. 40-50 Kinder sind dort am Tag, auf viel zu kleinem Raum, die Ärmsten der Ärmsten. Erschreckend, unter welchen Umständen manche Leute leben müssen.
Zurück auf der Cunningham Road gingen Katrin und ich erst einmal zum McDonalds, Mittagessen, um danach noch Klopapier und Moskitoabwehr zu kaufen. Auf dem Rückweg von Vasanth Nagar zum UTC fing es natürlich an zu regnen und natürlich hatten wir keinen Schirm dabei. Warum sollte es auch anders sein? So kamen wir nass bis auf die Haut am UTC an, wo ich Katrin mit ein paar trockenen Kleidern von mir aushalf.
Die Sermon Evaluation heute hatte das Highlight, dass ich Gruppensprecher war und unser Gruppenergebnis vorstellen musste.
Danach gingen wir beide Duschen und Katrin schaute nach der kranken Femke. Wir wollten eigentlich zu dritt einen gemütlichen Abend haben, so wurde es ein zweisamer Nachmittag/ Abend mit mehreren Folgen Mr. Bean. Witzig und sehr erholsam. Am Abend, nachdem ich Katrin ins Bett gebracht hatte, ging ich mit ein paar Jungs vom YMCA noch einen Tee trinken, der erste Versuch meinerseits, das Abendleben auszukosten, anstatt um 9 schlafen zu gehen.
Ich kann Katrin nur danken, dass sie mich trotz Veränderungen im Verhalten immer noch akzeptiert und in mir immer noch die gute Seite sieht, die ich eigentlich wieder zurückerobern sollte. Ich muss ihr unbedingt zeigen, dass ich gewillt bin, mich wieder zurück zu verändern und ich muss versuchen, wieder mehr europäisches Verhalten zu zeigen. Dies ist mein großer Wunsch, denn ich schäme mich durchaus für mein Verhalten, auch wenn es nicht beabsichtigt ist.
1Daycare Center: Eine Einrichtung des CVJM, in der Kinder tagsüber betreut werden und Essen bekommen.
Abenteuer Autoriksha
Die Preise
Theoretisch ist das Autofahren einfach. Man winkt, bis ein Auto hält, steigt ein, sagt dem Fahrer, wo es hingehen soll, er stellt den Taxameter und nach einer gewissen Zeit kommt man an, bezahlt den Fahrer und ist glücklich.
So viel zur Theorie
In der Praxis geht es nicht ganz so einfach. Dies hat viele Gründe:Nicht jeder Fahrer hält, wenn man winkt.
Nicht jeder Fahrer will die Strecke fahren, da sie zu wenig Profit bringt.
So mancher Fahrer hat einen „sponsored Shop“. Wenn er Kunden in diesen Shop fährt, bekommt er Tankgutscheine, dafür muss der Kunde kurz in den Laden schauen, nicht unbedingt etwas kaufen (die Shops sind meistens Handicraftläden) und der Kunde muss für die Fahrt nichts bezahlen.
Nicht jeder Taxameter funktioniert.
Für manche Fahrt schlagen die Fahrer Preise vor. Diese sind (in den meisten Fällen, außer es ist Monsun und es schüttet wie aus Eimern oder es ist spät Abends) verhandelbar, wenn auch nur schwer.
Das Fahren an sich
Theoretisch relaxed, man setzt sich in der Auto und nach einer gewissen Zeit kommt man an.
So viel zur Theorie.
In der Praxis ist man in Indien, in unserem Fall in Bangalore. Das bedeutet: Schlechte Straßen, überfüllte Straßen ohne wirkliche Regeln, außer: Die größte Hupe hat Vorfahrt. Staus sind vorbestimmt, das meistens Ankommen sicher, nur die Zeit ungewiss.
Anschnallgurte gibt es keine, man muss halt schauen, wie man sich in den offenen Autos festhält, aber das Auto ist immer noch sicherer als das Fahren mit Motorrad, Fahrrad oder zu Fuß.
Die Fahrer variieren stark. Einerseits die Älteren, gesetzteren. Sie haben einen eher gemäßigten Fahrstil und lassen manche andere Fahrzeuge passieren. Das gemäßigte Tempo könnte jedoch auch am Alter der Fahrzeuge liegen.
Unser „Hausfahrer“, d.h. der Fahrer, mit dem wir die meiste Zeit fuhren, weil er immer vor dem UTC wartete, ist alt. Aber nicht nur er, sondern auch sein Auto. Er fährt seit 16 Jahren, sein Auto muss mindestens genau so alt sein. Aber er hat „special prices“ für uns, Kurzstrecken kosten nur rs 10 statt den normalen 12.
Daneben gibt es noch die jungen Fahrer. Wild, ungestüm tun sie ihren Job, Geschwindigkeit ist alles. sie nutzen jede noch so kleine Lücke im Verkehr, um ihren „Rennwagen“ in eine gute Position zu bringen. Das Fahren mit solchen Rennfahrern ist ein Abenteuer an sich, wenn man sich nicht festhält, muss man manchmal Angst haben, im Auto zu bleiben.
Die Anzahl der Mitfahrer ist eigentlich auf drei und Fahrer beschränkt. Auch gesetzlich. Eigentlich.
In der Realität ist „drei“ nur ein Richtmaß, an das man sich halten kann. Zum Glück kann man über den Preis und die Anzahl der Mitfahrer reden, sodass es auch möglich ist, mit mehr als drei Personen zu fahren. So passiert es durchaus, dass auch vier, fünf oder mehr Personen in diesem Auto fahren. Solange man sich nicht erwischen lässt und der Fahrer es toleriert. Die Toleranzgrenze ist bei Ausländern niedriger als bei Einheimischen. Einheimische fahren relativ oft mit der gesamten Familie, die im Normalfall mehr als 3 Personen beinhaltet. Als Ausländer hat man da mehr zu kämpfen, wenn man mit seinen Freunden unterwegs sein will.
Montag, 23.7.09
Katrin
Der Tag hat ganz gemütlich angefangen, auch wenn Yoga echt irgendwie langweilig ist und ich danach meistens voll Bauchschmerzen habe. Aber das Frühstück war einfach lecker! Pooris, das Beste, was es hier zu essen gibt. Nun sitze ich im Unterricht und es ist einfach nur langweilig. Der Unterricht hier raubt mir echt jegliche Motivation. Aber zum Glück sind es nur noch 3 Wochen, dann ist das Semester zu Ende. Die Fächer, die am Anfang gut waren, werden immer schlechter in ihrer Qualität, Bible 1 bleibt genau so schlecht wie am Anfang. Zum Glück ist es bald geschafft. Was wirklich gut ist, ist YMCA Studies. Heute morgen hat er [Solomon Benjamin] zwei sehr lebendige Beispiele gebracht aus seinem Leben zum Thema Versprechen halten/ niemanden vernachlässigen trotz Hauptamtlicher zu sein. (Familie, Freunde). How trust worthy are you? Man merkt wirklich, dass er das, was er erzählt, lebt, das macht den Unterricht sehr lebendig. Außerdem erzählt er das meiste als lebendige Storys.
Nachdem der Morgen als normaler, Motivationsraubender Schultag verlief, wurde es am Abend besser. Wir machten ein kleines Fotoshooting mit den neuen Klamotten und noch ein paar Bilder. So können die zu Hause auch unsere Kleidung bewundern. Am Abend gab es dann eine große Bildershow, auch vom Wochenende und neue Bilder und Berichte für unsere Daheimgebliebenen.
Was heute nicht so toll war:
Die Waschfrau hat es tatsächlich geschafft, meine Sachen noch bunter zu machen. Das hat mich sehr geärgert, weil es meine guten T-Shirts betrifft. Ich hoffe mal, dass meine Mama das wieder raus kriegt!
Torsten
22:35 Uhr
Schon wieder wurde es später als geplant. Aber dies hatte seinen Grund in dem tollen Abend. Nachdem der bedeutungslos verlief und ich beschloss, anstatt Yoga lieber Entspannungsübungen im Bett zu machen, sprich erst gar nicht dazu aufzustehen, hatte der Abend viel mehr zu bieten. Da wir etwas Zeit heute hatten, beschloss Katrin, dass es an der Zeit sei, die neu eingekauften Klamotten zu fotografieren für unsere zurückgebliebenen Freunde zu hause. Gesagt getan, ein Fotoshooting begann. Dies setzten wir dann mit einem Katrin-Shooting fort, bei dem wirklich tolle Bilder von Katrin in schwarz/ weiß und Sepiafarben entstanden. Vor dem Shooting hatten wir noch ein erstes Andachtsvorbereitungstreffen mit den Kenianern und Solomon Benjamin. Ergebnis: 2 Kenianische Songs, zwei Deutsche und ein deutscher Prediger: ich. So darf ich mir Gedanken zu Johannes 6, 1-15 machen, die Speisung der 5.000.
Nach dem Abendessen bewunderten wir die vielen neuen Bilder, die über das Wochenende entstanden sind, auf dem Rechner von Solomon Benjamin, luden einige hoch und verfassten endlich mal wieder einen Blogbeitrag.
Am meisten hat mich heute die Email von Ferdinand und Ruth [mein Lieblings-Großonkel und -Tante] gefreut, er schrieb begeistert von unserer Seite und unseren Bildern. Es freut mich unglaublich, wie er sich mit der Technik auskennt und offen für sie ist.
Jetzt werde ich inmitten von Katrins trocknender Unterwäsche einschlafen, Katrin hat leider keinen Platz im Ladies-Hostel für alle ihre frisch gewaschenen, aber dennoch stinkenden Kleider. Wir freuen uns auf die deutschen Waschmaschinen, die keine Kleider zum Stinken bringen oder verfärben. Das müssen wir hier leider ertragen.
Sonntag, 22.7.09
Katrin
Heute war ein wirklich fantastischer, erlebnisreicher, relaxter Tag. Wie das zusammenpasst? Einmal wachte ich um halb neun auf und machte mich ganz gemütlich fertig. Nachdem ich Torsten geweckt hatte, sind wir dann gemütlich am Tequilastand Frühstücken gewesen.
9.30 Uhr hieß es dann Abmarsch Richtung Bannerghatta National Park. Femke war auch mit. Ohne große Probleme fanden wir unseren Bus aus den tausenden von Bussen heraus. Er war sogar mit Air Condition. Es gibt hier z.B. nämlich Bus 365 a, b, c und d. Die Buchstaben stehen für die Comfortstufen. Ich glaub, wir hatten die Höchste! Nach 50 min gemütlicher Fahrt erreichten wir den Park. Zum Glück waren wir nicht so spät da und es war noch relativ leer. Das änderte sich mit der Zeit und wir uns entschieden, zurückzufahren, war der Park voller Menschen. Nachdem wir unsere Tickets für die Grand Safari gekauft hatten, hat uns einer der Ordner hindurch geschleust. Und der Fahrer hatte sogar extra die vordersten Plätze freigehalten für uns. So hatten wir eine super tolle Safari mit bester Aussicht. Auch wenn der Fahrer nach der Fahrt Geld von uns wollte. Aber RS 100 hat er nicht gekriegt. Irgendwie hatten wir schon so etwas geahnt, aber noch an das Gute im Menschen geglaubt. Die Fahrt in dem kleinen Bus mit ca. 20-25 Leuten war toll. Über schlechte Sandwege ging es vorbei an Tigern, Löwen, Bären, Wild, Büffeln, Wildkühen, Krokodilen,… Wenn zwei Meter neben dir dann ein Tiger oder Bär steht, bist du echt froh, dass der Bus vergitterte Fenster hatte.
Nach der 1,5h-Tour schauten wir uns noch den Zoo an. Dieser war allerdings nicht so schön. Weil die Käfige der meisten Tiere viel zu klein waren. Zurück in der Stadt sättigten wir unsere Mägen im Subways, bevor wir uns auf shoppingtour begaben. Und wir waren sehr erfolgreich. Tücher für Rici, Carina und mich, 2 Röcke, ein Kashmirschal. Neue Bücher für Torsten,… Bevor wir den Rückzug zum UTC antraten, gab es noch Essen bei Pizza Hut. Der Abschluss war ein leckerer Tee in Torstens Zimmer. Ich habe den Tag wirklcih genossen, denn er war vollkommen stressfrei, Ich danke Gott, dass er uns auf der Fahrt beschützt hat und wir keine Probleme hatten.
Torsten
22:30 Uhr
Schon wieder ein Tag vorbei. Übermorgen ist „Bergfest“, die Hälfte der Zeit ist vorüber (oder geschafft?). Der heutige Tag begann relaxt, wir ließen das Frühstück und den Gottesdienstbesuch mit BD I und YMCA ausfallen und gestalteten mit Femke unseren eigenen Sonntag. Katrin und ich gingen um 9 frühstücken bei unserem Stamm-Tee-Verkäufer, um uns um 9:30 Uhr mit Femke zu treffen. Mit dem Auto ging es dann zum großen Busbahnhof „Majestic“ (ich habe noch nie so viele Busse auf einmal gesehen!). Nachdem wir endlich unseren Bussteig fanden, ging es los nach Bhannerghatta, dem Nationalpark, 22 km entfernt. Nach einer Stunde waren wir dann da. Das Straßen- und Verkehrssystem in Indien ist eigentlich keines Kommentares wert. 22 Kilometer in einer Stunde! Im Park kauften wir dann Tickets für die „Grand Safari“, d.h. Bären, Wild, Löwen und Tiger. Da wir ganz vorne im Bus saßen, war es ein geniales Erlebnis, das große Objektiv der Kamera lohnte sich wirklich! Nach dem Ende dieser Bustour gingen wir in den angrenzenden Zoo, ein Trauerspiel. Dreckige Käfige, teilweise viel zu klein, viele nur mit Beton, ohne auch nur eine kleine Grünfläche. Sehr traurig und ein krasser Kontrast zu der Safari. So verliessen wir den Zoo schnell wieder, um zurück nach Bangalore zu fahren. Dort beschlossen wir, auf der M.G. Road den Nachmittag mit shoppen zu verbringen, was sehr viel Spaß machte, da wir sowohl bei Subways als auch bei Pizza Hut aßen. Zudem fanden wir für Katrin zwei Röcke (mein großer Wunsch, da Katrin in Röcken noch viel besser aussieht) und andere Dinge. Zudem konnten wir nicht an Harry Potter 7 vorbei gehen, der war von rs 995 auf rs 685 reduziert. So hatten wir einen wirklich relaxten und entspannten Tag, den wir bei mir im Zimmer mit Femke und einem Tee abschlossen. Alles in allem ein sehr erholsames Wochenende, genau das, was ich gebraucht hatte, um etwas aufzutanken.
Samstag, 21.7.09
Katrin
Der Tag war ein einziges Abenteuer. Eigentlich wollten wir heute Ausschlafen. Aber Solomon hatte eine einmalige Gelegenheit für uns. Wir durften mit zum Prison ministry [im Gefängnis mit den Gefangenen reden, beten, …]. So waren wir, nach einigen Diskussionen mit dem Rikschafahrer, um kurz vor 9.00 Uhr an der St. Marks Cathedral. Das mit den Rikschafahrern ist so eine Sache. Sie haben Läden wo sie die Leute hinkarren, damit sie gucken und natürlich kaufen. Dafür bekommen die Fahrer Tankgutscheine. So haben wir erst einmal einige Zeit gebraucht, ihm zu erklären, dass wir keine Lust und Zeit haben, uns so einen Laden anzuschauen.
Nach einem kurzen Gebetstreffen mit den Mitarbeitern, fuhren wir mit dem Fahrer des Autos (die meisten Organisationen haben ihre eigenen Fahrer) los und holten unterwegs drei ältere Frauen und einen älteren Mann ab. Alles herzensliebe und aufgeschlossene Doktoren. Nach 1 ½ Stunden Fahrt errichten wir das Gefängnis. Es war ein komisches Gefühl. Durch einen ganz kleinen Eingang in einer riesigen Stahlwand wurden wir in die Vorhalle gelassen. Dann ging es noch durch zwei andere Gitter, nachdem wir uns in einem großen Besucherbuch eintragen mussten. Von allen Seiten starrten uns Sicherheitsleute und Gefangene an. Erst besuchten wir das Hospital und dann den Männerblock mit einer Kapelle. Es ist so komisch, wenn überall um dich herum Mauern und Stahltore sind. Aber das Gefängnis war eines der saubersten Plätze, die ich in Indien bis jetzt gesehen habe. Überall waren kleine Grünflächen mit Rosen und anderen Blumen. In der Kapelle erlebte ich solch eine Spiritualität, wie ich sie selten wahrgenommen habe. Ich war richtig berührt von der Kraft der Gebete, die dort im Raum lag. Als wird aus dem Gefängnis wieder herauskamen, war ich erleichtert, denn ein bedrückendes Gefühl fiel von mir ab. Momentan sind 4,500 Gefangene, Männer und Frauen, dort. Den Frauentrakt haben wir leider aus Zeitgründen nicht mehr sehen können. Nun ging es in ein sehr leckeres Restaurant, wo uns Hilda, die für das Projekt verantwortlich ist, einlud. Zurück bei der St. Marks Cathedral um 15.30 Uhr, machten wir uns los, auf die M.G. Road um einzukaufen. Wir wurden natürlich auch fündig. Plötzlich fing es so doll an zu regnen, dass wir keine zehn Meter weit kamen und klitschnass waren. So einen extremen Regen habe ich noch nie gesehen. Binnen fünf Minuten flossen riesige Rinnsale die Straßen entlang. So machten wir erst einmal Abendbrotpause bei Mc Donalds. Danach, bei leichten Regen, schauten wir weiter. Als dann der zweite Wasserfallartige Regen kam, entschlossen wir uns für eine Rikscha zum UTC. Zu Hause gab es erst einmal eine warme Dusche und trockene Klamotten. Gerade als wir ein Hörspiel hören wollten, war Stromausfall. Super, der hatte gerade noch gefehlt! Dank MP3 Player machten wir es uns mit dem Hörspiel gemütlich bis das Licht wieder da war.
Torsten
22:35 Uhr
Dieser Tag wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Und dies aus zwei Gründen: Zum Ersten war ich das erst mal in meinem Leben im Gefängnis, zum Anderen hab ich zum ersten Mal in meinem Leben den Monsun hautnah im wahrsten Sinne des Wortes erlebt. Der Reihe nach.
Am Morgen hatte Solomon Benjamin für uns arrangiert, dass wir das Team von St. Marks ins Gefängnis zu den „Prison Ministries“ begleiten können. Ein eindrucksvolles Erlebnis, besonders, als wir in die Gefängniskapelle kamen, in der gerade eine Andacht gehalten wurde. Spontan bekamen Katrin, ich und einer aus dem Team, der uns herumführte, Plätze auf Stühlen vor der „Gemeinde“ zugewiesen und unser Begleiter durfte eine Kurzandacht halten, die zweite für die Zuhörer. Dies nahmen sie allerdings mit Begeisterung auf. Die Besucher der Kapelle hatten eine Spiritualität, die ich bisher selten irgendwo erlebt hatte. Alle, die da waren, beteten hingebungsvoll mit und nach der Andacht wollten sich viele von unserem Begleiter segnen lassen. Ein unvergessliches Erlebnis, nur bin ich trotz allem froh, die Mauern wieder hinter mir gelassen zu haben.
Als wir wieder an St. Marks angekommen waren, konnten wir, also Katrin und ich, unseren geplanten Shoppingtag beginnen. Wir beide waren sehr erfolgreich, Katrin hat zwei neue Tops, ich 4 neue T-Shirts, die ich allerdings in Indien nicht tragen werde, da ich Angst habe, dass es ihnen genau so geht wie meinem neuen „Adidas“-Shirt, das sich aufgrund der roten Farbe etwas verfärbt hat. Gegen Ende unseres Einkaufs fing dann der Monsun an, sich von seiner Besten Seite zu zeigen und schüttete sein Herz aus. Als wir nach ewigem Unterstehen und Versuchen, einen trockenen Platz zu finden (leider teilweise erfolglos) unseren Shoppingtag beendeten und mit der Riksha um UTC ankamen, waren wir nass bis auf die Haut und genossen einen heißen Eimer. Zum Wasser kam dann noch ein standardmäßiger Stromausfall, die sind hier im Moment an der Tagesordnung, leider. So neigt sich ein toller, lehrreicher und einprägsamer Tag dem Ende zu.
Freitag, 20.7.09
Katrin
Heute Morgen hatten wir zwei Blöcke frei. In diesen habe ich mit Solomon ein paar Sachen wegen unseren Ausflüge und dem Field Work im August durchgesprochen. Er war sichtlich erschrocken, dass auch auf dem Campus nicht alle mit Frauen reden oder sie grüßen. Er hat auch verstanden, dass ich deshalb auch nicht ohne eine Person, wo ich weis, dass sie OK zu mir ist, zum Field Work fahren möchte. Eine kleine Anekdote zum Thema Mann und Frau: Wenn ich allein auftrete kommt es öfter vor, dass ein Junge auf mich zukommt und fragt „Wo ist Torsten?“. Wenn er sich weiter mit mir unterhalten würde wäre das ja Ok. Aber so sieht es so aus als wenn Torsten super viel wert wäre und ich gerade genug, um Auskunft zu geben.
Häuser wie bei Harry Potter – war meine Erinnerung als ich von den vier Sporthäusern, die nach ehemaligen Direktoren bekannt sind, vorgestellt wurden. Jedes kämpft in sportlichen Wettkämpfen um den „Hauspokal“. Nur dass kein sprechender Hut uns gesagt hat, in welches Haus wir kommen. Am Nachmittag war wieder irgendeine Veranstaltung der Studierenden – die dritte oder vierte in den ersten drei Wochen. Wir haben dankend das Kaffee trinken mitgenommen und sind dann in den Bücherladen. Wir hatten einfach keine Lust schon wieder in irgendeiner Veranstaltung vier Stunden herumzusitzen.
Heute habe ich wieder gemerkt, wie fertig ich von den viel zu vollen Tagen bin. Torsten geht es auch so. Er war nur am rumnörgeln. Ich unterstütz ihn wirklich gerne, aber ich möchte nicht unter seiner Laune leiden müssen. Das hab ich ihn auch gesagt und er meinte das er das nicht will, dass ihm die Situation grad viel zu viel ist. Ich hoffe das legt sich wieder und er ist ein bisschen ausgeruhter oder nimmt sich mal eine Auszeit.
Torsten
21:05 Uhr
Torte meets Burnout.
Zumindest fühle ich mich gerade so, als ob ein einen LKW geknutscht, mit der Straßenwalze gekuschelt und eine Runde Bungee-Jumping ohne Seil ausprobiert hätte. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wann ich das letzte Mal ausgeschlafen habe oder eine Stunde absolute Ruhe genossen hätte. Sehr traurig, dementsprechend fühle ich mich auch, leicht reizbar, nicht zufrieden zu stellen, alles ist zu viel, jede Minute, die ich frei habe, versuche ich im Bett zu verbringen, aber wirkliche Erholung bringen diese kurzen Pausen auch nicht. Ein freier Nachmittag wäre ein Geschenk des Himmels, aber selbst die Wochenenden sind vollgepackt. Ich habe das Gefühl, hier nicht her zu gehören, denn irgendwie scheint nur mir das so zu gehen, die Inder strotzen vor Energie und benötigen nur die Hälfte meines Schlafes. Zum Glück geht es den Kenianern manchmal auch so. Ich gehe jetzt noch kurz Eimern, um dann hoffentlich lange und ungestört schlafen zu können.
Donnerstag, 19.7.09
Katrin
Der Vormittag war unspektakulär. Wir hatten vier Blöcke Unterricht. Das Einzige interessante war, das Torsten mit seiner Gruppe in Feministische Theology seinen Vortrag hatte. Schade, dass Evangeline nicht da war, den Torsten griff das auf, was sie mir gestern nicht glauben wollte. Am Nachmittag waren Torsten und ich im Dream Home zur Verabschiedungsfeier der deutschen Volontäre. Es war schön, aber sehr herzzerreißend. Die Kinder können zwar im Dream Home leben, aber eine Perspektive haben sie nicht. Ein Englischlehrer wäre klasse und würde im Monat 2000 – 3000 Rupien, das sind 40 – 50 Euro, kosten.
Torsten
22:00 Uhr
Ein weiterer Tag ist verflogen, schneller, als es uns manchmal lieb ist und doch schnell genug, um bald wieder nach Deutschland zu kommen.
Heute morgen war mein Highlight ein Vortrag in Womans Studies, bei dem es um „nonsexist language in daily life“ ging. Ein Vergleich zu Deutschland war sehr interessant und als ich erwähnte, dass deutsche Männer durchaus auch Frauen grüßen, schaute ich in begeisterte Gesichter der weiblichen Teilnehmer im Kurs, währen die Jungs doch sehr verbittert und schweigsam da saßen. So etwas haben sie wohl noch nicht aus einem männlichen Mund gehört. Nachmittags hatten wir wieder Deutsch, dieses Mal mit Sam und John, es hat Spaß gemacht, auch oder gerade weil es so wenige sind.
Danach waren wir zur Abschiedsfeier der deutschen Düsseldorf-Studenten ins „Dream Home“ eingeladen, eine gute Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und einfach mal wieder Deutsch zu reden. Zudem gab es sehr leckeres Essen.
Am heutigen Abend, nachdem ich Katrin ins Bett gebracht hatte, wollte ich noch nicht gleich schlafen und saß noch ein wenig mit ein paar Leuten vor der Kapelle. Spontan wurde ich dann in den Montag-Morgen-Andachtschor integriert, der sich für kommenden Montag zur Andacht von Joshua Sudakar formiert hatte. Jetzt reicht es aber, so langsam werde ich dann doch müde und die Nacht ist morgen wieder sehr früh zu Ende.
Mittwoch, 18.7.09
Katrin
In der Freistunde trafen sich alle YMCAler. Wir überlegten, ob wir nicht Jahrgangs- T-Shirts machen lassen und auch ein Lied in verschiedenen Sprachen zum Thema „We are one in Jesus Christ“ [Wir sind eins in Jesus] zu schreiben. So schrieben Torsten und ich gleich in unserer freien Zeit Refrain, deutschen Text und vertonten diese. Am Nachmittag ging es dann zum Field Visit zu den Straßenkindern. Heute habe ich mich nach dem ersten Lied und ersten Spiel einmal ganz bewusst zurück gezogen, damit die anderen meiner Gruppe gezwungen waren, auch etwas zu machen. Torsten und ich hatten noch eine gute Unterhaltung mit Adriana, eine der Volontäre aus Düsseldorf, welche für fünf Monate mit den Straßenkindern arbeiten. Die 1 ½ Stunden in der Woche zeigen einfach nicht, was eigentlich abgeht. Bevor die Volontäre kamen, gab es nicht einmal Zahnbürsten, die Schlafdecken sind verlaust, … und wenn die Praktikanten nächste Woche weg sind, geht es wahrscheinlich so weiter wie früher.
Ein Beispiel für Verwirrungen in der Kommunikation: So ist morgens = morgens (oder ab 11.00 Uhr Mittag), Mittag bis 16.00 Uhr und danach ist Abend. So z.B. Wir treffen uns heute Abend 16.30 Uhr. Nach dem Field Visit waren wir dann noch zu zweit Cold Coffee trinken, das war wie immer lecker. Femke ist heute ins Frauenwohnheim direkt neben mich gezogen, das hat mich sehr gefreut. Nun bin ich nicht mehr so allein dort.
Torsten 21:05 Uhr
Nach einem schulisch bedeutungslosen Vormittag markierte das erste Highlight die Versammlung des YMCA-Batches [Jahrgangs], bei der ich meine Gedanken zum Thema Gemeinschaft, bzw. wie sie zu verbessern ist, erzählte. Mich beschäftigen seit einigen Tagen zwei Dinge: 1. Gemeinsame T-Shirts, um eine Identität nach außen zu formen und ein gemeinsames Erkennungszeichen zu haben, und 2. ein gemeinsames Lied, das, von uns selbst geschrieben, die verschiedenen Kulturen vereint. Englischer Refrain, die Strophen in Landessprachen (Suaheli, Deutsch, Tamil, Hindi,…), jeder in seiner Eigenen. Diese Idee wurde begeistert aufgenommen und so begannen Katrin und ich, den Titel „We are ten but we are one (in Jesus Christ)“ [Wir sind zehn aber dennoch vereint (in Jesus Christus)] in Notenform zu setzen. Die erste Strophe in Deutsch ist auch schon vollendet, morgen werden wir das Lied den andern vorstellen, damit sie selbst aktiv werden können und ihre eigenen Strophen schreiben. Das Field Visit heute brachte kaum Neues, aber bestärkte alte Erkenntnisse: 1. Ohne Katrin sind die Jungs programmtechnisch total aufgeschmissen (einer der Studenten hielt während des Programms sogar seinen Mittagsschlaf, soviel zum Thema Prioritäten), 2. die Kinder sind verdammt arm dran: Kaum Klamotten, Stress, die Größeren vergreifen sich an den Kleineren, 3. die Frage, wo das Spendengeld hingeht, das diverse Organisationen, u.a. der CVJM-Weltbund, spenden?
An die Kinder jedenfalls nicht, denn ihre Habe, die Wenige die sie haben, wurde zum größten Teil von den deutschen Studenten aus Düsseldorf bezahlt, teilweise sogar aus eigener Tasche. 4. Wir haben von Adriana Bilder bekommen, die wir mit nach Deutschland nehmen und mit Berthold Messinger austauschen können.
Eine Beobachtung am Rande: Als ich auf der Suche nach Adriana, um mich zu verabschieden war, fand ich sie auf den Toiletten der Kinder, Bilder machen. Soweit normal, interessant wurde es, als einer der Mitarbeiter des Shelters dazu kam. Als also dieser Mitarbeiter auftauchte und mich so sah, wie ich mir die Toiletten ansah, öffnete er schnell die Tür zum Waschraum und zeigte uns (Katrin kam zwischenzeitlich auch dazu) stolz den angeblich neuen Wasserboiler. Als ob er den traurigen Zustand des Toilettenbereiches vertuschen wollte. So viel zum Thema.
Am Abend schrieb Katrin dann eine Email an B. Messinger, um 1. ihren Frust loszuwerden und 2. Berthold wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Ich bin auf seine Antwort gespannt!
Dienstag, 17.7.09
Katrin
Der Tag war eigentlich ganz normal. In Feministische Theologie hatten meine Gruppe und ich unsere Präsentation. Na ja besser erst meine Gruppe, dann ich. Danach war ich echt sauer, weil Evangeline (Lehrerin) nicht glauben wollte, das in Deutschland im Vordergrund nicht in dem Maße das Geschlechterproblem da ist, wie in Indien. Aber vom Umgang zwischen Mann und Frau ist Deutschland Indien nun mal in den meisten Fällen um 50 Jahre voraus. Na ja muss sie selbst wissen. Nach der Sermon class sind wir mit Solomon los ins Dream Home, um die neuen Schulhefte zu überreichen. Dass dort wegen ein paar Heften gleich eine Zeremonie stattfinden muss – ich weiß nicht. Und das eigentliche Bild der Kinder wurde total verstellt. Alle bekamen frische Kleider an und Kokusnussöl ins Haar. Sonst laufen sie dreckig herum, aber wenn höherer Besuch kommt, darf der ja die Realität nicht sehen. Echt grausam. Ich möchte wirklich wissen wohin das ganze Spendengeld geht. In Essen und Haus, ja OK, aber die Kinder haben nichts zum Spielen, kaum Kleidung, nach schlafen alle in einem Raum und es gab wohl Fälle, dass die Großen, in welcher Art auch immer, sich an den Kleinen vergreifen.
Torsten
Nachtrag vom 16. Juli
Dieser Tag war der härteste, seit ich in Indien bin. Ich war den kompletten Tag nur am Versuch, nicht einzuschlafen. Nachdem der Bus 2 Stunden Verspätung hatte und das Auto auch noch einmal eine Stunde durch das hoffnungslos überfüllte Bangalore brauchte, kamen wir gerade rechtzeitig an, um kurz zu duschen und dann direkt in den Unterricht zu gehen. Viel bekam ich nicht mit, da ich sehr müde war. Zudem war am Nachmittag wieder mal eine Generalversammlung, diese mal die Carey-Society, die für alle Unternehmungen und Feste da ist. Dort führten wir YMCAler auch den deutschen Song auf, den wir mit unseren Freunden eingeübt hatten. Nach dem Abendessen musste ich noch ein Assignment in WS fertigstellen, Bilder hochladen und diese kommentieren, sodass ich erst um 22:30 Uhr im Bett war. Ein sehr harter Tag, da ich kaum Zeit fand, mich hinzulegen, um den verpassten Schlaf nachzuholen.
Dienstag, 17. Juli
21:25 Uhr
Schon wieder ein Tag vorbei. Die Tage rasen hier, der Juli ist auch schon zu mehr als der Hälfte passé. Irre.
Der heutige Tag war zum Glück sehr ruhig, ich fand viel Zeit zum Ausruhen und mit Katrin reden. Beides tat sehr gut, da wir uns im Gespräch näher kommen, ohne uns zu berühren. So können wir unsere gemeinsame Basis festigen. Am Nachmittag waren wir spontan in das Shelter „Dreamhome“ eingeladen, wo wir einer Übergabeveranstaltung beiwohnen durften, in der die Kinder neue Hefte und einen Kuli bekamen. Wir hatten ein seltsames Gefühl dabei, das von den Deutschen, die hier arbeiten, bestätigt wurde. Die Kinder wurden „hergerichtet“, d.h. sie bekamen teilweise frische Kleider, mussten duschen und hatten sogar Kokosnussöl in den Haaren, damit sie ja einen guten Eindruck hinterlassen. Sehr schade, dieser Versucht der Blendung. Denn die Berichte der Deutschen sprechen diesbezüglich eine andere Sprache, was die Umstände der Behandlung und der Sauberkeit angeht. Wir bekommen von den Deutschen zum Glück einen Bericht über ihre Arbeit, den wir beim Zusammentreffen mit Berthold [Messinger, Leiter des CVJM-Weltdienstes, der diese Arbeit finanziell unterstützt] verwenden können und der die wahren Umstände aufzeigt. Morgen bekommen wir noch eine CD mit Bildern, sodass dieser Bericht noch visuell unterstützt wird.
Montag, 16.7.09
Katrin
Wir sitzen immer noch im Bus und haben gerade „electronic city“ – hier sitzen die ganzen großen Firmen in Bangalore – durchquert. Noch ca. 30 Minuten, dann sind wir mit ca. einer Stunde Verspätung endlich da. Was Solomon sehr bedrückt ist, dass wir alle Reisen selber bezahlen müssen. Aber es gibt kein Geld vom indischen YMCA für Austauschprogramme. Das ist echt bitter, wenn man bedenkt, dass Deutschland extra einen eigenen Finanztopf dafür hat. Er sagt, das eigentlich sie das tragen müssten. Aber für uns ist es OK, denn es ist nicht wirklich teuer für uns hier zu reisen. Das YMCA Department wird nicht mal bezuschusst. So muss Solomon wegen jeder Druckerpatrone, wegen jedem Buch, usw. fragen ob er Geld von jemandem bekommt.
Nun ist es 21.30 Uhr und ich bin froh im Bett zu sein. Eigentlich sollten wir heute unsere Präsentation in Feministischer Theologie haben, aber wir sind zum Glück nicht dran gekommen. So musste ich wenigstens nicht meine Enttäuschung über meine Gruppe vor allen zeigen. Da sie es nicht geschafft hatten, dass wir uns vor Donnerstag treffen, konnten sie entscheiden, ob sie meinen Teil mit rein nehmen. Als ich dann heute das Skript sah, war nichts von mir mit drin. Mit den Worten, du kannst deinen Teil ja nach der Präsentation vortragen, taten sie es ab. Die spinnen doch! Entweder ich bin Part der Gruppe oder nicht. So werde ich morgen meinen Teil separat vortragen. Am Nachmittag war YMCA Studies und Solomon fragte die Anderen, die am Wochenende eigentlich in Ooty sein wollten, wie es war. Als raus kam, das nur Max dort war bei seiner Familie und er eigentlich nur durfte, wenn die Anderen mitfuhren und Haston ohne Erlaubnis nach Chennai gefahren war, war Solomon sauer und hat sie das auch spüren lassen. So glaub ich nicht, dass er sie nächstes Wochenende mit uns nach Ooty fahren lässt. Wenn nicht, fahren Femke, Torsten und ich eben wo anders hin. Am Abend war Kulturveranstaltung der Studenten. Der Kulturteil war gut. Auch wir sind mit „Immer mehr“ aufgetreten. Das war mehr oder weniger gut, aber alles waren begeistert vom Lied. Der zweite Teil der Veranstaltung über Geld und andere bürokratische Dinge war langweilig. Ich habe ihn auch nicht ganz mitbekommen, denn gerade als ich wieder in den Veranstaltungssaal wollte kam mir eine Frau entgegen. Sie meinte sie hätte auf mich gewartet. Jemand hätte gesagt, dass ich ihr bestimmt auch gerne helfen würde. Am Anfang wäre ich fast zu leichtgläubig gewesen. Aber sie hat einfach zu ungenaue Details geben können. Keine Namen und nichts. Sie erzählte, dass ihr Mann sie mit Öl überschüttet und angebrannt hatte. Man konnte auch Spuren davon sehen. Und sie bräuchte für die OP 30.000 Rupien. 28.000 Rupien hätte sie schon und nun fehlten noch 2000. Aber konnte ich ihr wirklich trauen? Zumal sie sich selbst widersprach. Erst sagte sie, dass die OP heute Abend wäre und später, dass sie Morgen früh um 7.00 Uhr ist. So entschieden wir YMCAler, dass sie sich Morgen früh aus dem Krankenhaus telefonisch melden sollte und wir bringen das fehlende gesammelte Geld dann ins Krankenhaus. Darauf hin ging sie. Kann man ihr trauen? Ich weiß es nicht. Leid tut sie mir schon, aber wir werden Morgen früh sehen ob sie sich noch mal meldet. Wenn sie wirklich in Not ist, meldet sie sich.
Torsten
Nachtrag am 16. Juli
Nach einer einigermaßen ruhigen Nacht, vom Schnarchen meines Zimmernachbarn abgesehen, konnten wir uns am Vormittag sehr gut erholen, denn bis auf einen kurzen Spaziergang mit Sam John, einem Sekretär und einer Andacht in Tamil hatten wir einen sehr ruhigen Tag. Vormittag, besser gesagt. Wir konnten uns in Katrins neuem Zimmer, sogar mit Klimaanlage, sehr gut erholen und durch die Kälte wieder neue Kräfte tanken, die wir gut gebrauchen konnten, denn wir wollten noch ein paar Tsunamiprojekte des YMCA besuchen. Daraus wurde aber leider nichts, denn der Fahrer, der uns dorthin bringen sollte, war nicht aufzuspüren. So gingen wir nach längerem Hin und Her mit Sam John und einem weiteren Sekretär in ein nahegelegenes Kloster, bzw. eine Art Kloster, geführt von Nonnen, die den Frauen einfache Handarbeiten beibringen, um so ein wenig Bildung zu erreichen und den Frauen eine Lebensgrundlage zu geben, um selbst Geld zu verdienen. Anschließend besuchten wir die Leprastation des Klosters. Sehr traurige Sache, es war eine Wohnsiedlung, in der die Leprakranken mit ihren Familien untergebracht waren. Die Armut, die dort herrschte, war unbeschreiblich. Ein Mann musste sich mit seiner Frau eine Zwei-Zimmer-Wohnung teilen, in der sich derer ganzes Leben, inclusive Küche, Schlafen und Klo, abspielt. Ich kam mir sehr reich und privilegiert vor, diese Gefühl hatte ich noch nie vorher. Das Dorf hatte eine Ziegenherde, für jede Familie hat eine Organisation eine gespendet. Wenn ich denke, dass diese Menschen immerhin ein Dach über dem Kopf haben, und fließend Wasser, dazu 1x die Woche eine Trinkwasser-Wochenration bekommen, muss ich meinen Armutsbegriff neu definieren, denn in Indien gibt es noch viel ärmere Menschen.
Nach diesem eindrücklichen Erlebnis gingen wir zurück zum YMCA, wo wir auch bald darauf abfuhren nach Nagerkoil, wo unser Bus abfahren sollte. Unterwegs hielt die YMCA-Fraktion (insgesamt 8 Personen) noch zum Kaffee und wir bekamen jeder eine rote (!) Banane. Diese war sehr lecker, wieder mal was Neues. In Nagercoil angekommen, verliessen wir uns von Kreuzung zu Kreuzung immer mehr YMCAler, auf dem Weg zu Bus oder Zug. Wir (Katrin, Solomon und ich) waren noch zu Besuch bei Verwandten von Solomons Frau Grace, bis wir dann um 20:15 Uhr aufbrachen zum Bus, der um 9 abfahren sollte. Um 20:30 Uhr kamen wir an der Busstation an, pünktlich zum einchecken, wenn der Bus schon da gewesen wäre. So hatten wir noch Abendessen in einem Restaurant, bis der Bus endlich um 21:30 Uhr kam. Dies war ein sehr luxuriöser Bus, noch besser als der Andere, denn er hatte mehr Platz zwischen den Reihen und man konnte seine Beine hochlegen. Sehr gut, wir konnten recht gut schlafen. Leider war es sehr kalt im Bus, ich schlief mit Jacke. Dennoch war die Fahrt sehr erholsam, besser als die Hinfahrt. Da der traditionelle Hindi-Film, der über den Fernseher im Bus gezeigt wurde, schon angefangen hatte, verstand ich nicht viel und konnte schnell einschlafen.
Katrin ging es an diesem Tag deutlich besser, sie hatte eine ruhige Nacht in ihrem klimatisierten Raum. Danke Gott dafür!
Für den Montag fehlt ein Eintrag. Höchst wahrscheinlich wieder einmal nichts geschrieben, man wird abwarten müssen!
Sonntag, 15.7.09
Katrin
Nach einer kalten aber irgendwie gemütlichen Nacht, fing der Tag ganz ruhig an. Ich hatte so gehofft, dass es zum Frühstück keinen Reis gibt und tatsächlich es gab mein indisches Lieblingsessen – Poorys. Am Nachmittag schauten wir uns ein Handarbeitsprojekt für Frauen an. Diese basteln nach erlernten Fertigkeiten z.B. Souvenirs. Diese werden dann verkauft. Um die Frauen dort kümmern sich unter anderem Nonnen, mit welchen wir zusammen Kaffee tranken. Eine der Nonnen hat uns dann noch ein weiteres Projekt gezeigt, für die Ärmsten der Armen. Die Regierung hat eine kleine Siedlung gebaut, in der sie leben. Die meisten von ihnen sind behindert. Besonders ist, dass sie nicht meckern, sondern dankbar sind für das was sie haben. Ich möchte mir nicht vorstellen, in einer solchen Armut leben zu müssen. Mit war zu unwohl. Ich kam mir so reich vor. Ich frage mich, wie man den Menschen auf Dauer helfen kann. Ein paar Rupien sind zwar für den Moment ganz nett, aber oft werden sie auch für Drogen und Alkohol ausgegeben. Eine europäische Hilfsorganisation hat z.B. jeder Familie eine Ziege geschenkt, damit sie Milch haben.
Am Abend haben wir noch Verwandte von Solomon besucht. Das war am Anfang sehr komisch, weil sie nur auf Tamil gesprochen haben. Aber haben sie aber auch ein wenig englisch mit uns geredet. Die eine Tochter der Familie hat uns dann noch ihre Geburtstagsalben gezeigt. Sie hat von jedem Geburtstag eins. Eine Geburtstagstradition ist es, dass man sich gegenseitig mit der großen Geburtstagstorte füttert. Nach etwas Verspätung ging es dann um 20.30 Uhr los Richtung Bangalore.
Torsten
Reisen kann so anstrengend sein. Schon wieder liegt uns kein aktueller Beitrag von Torsten vor! Was dieses Mal passiert ist, werdet ihr sicher bald erfahren. Überlebt hat er es auf jeden Fall!
der_Torte
Samstag, 14.7.09
Katrin
Nachdem wir um 7.00 Uhr Kanyakumeri erreicht hatten fuhren wir ins YMCA Tagungszentrum vor Ort. Der Tag startete ganz relaxt mit Frühstück und gemütlichem sitzen an der Rezeption. Später brachte uns ein Auto an den Strand. Wir sind hier mitten im ehemaligen Tsunamigebiet von 2004 und somit dort, wo vor 3 Jahren eine 13 Meter hohe Welle ihr Unwesen trieb. Es ist sehr interessant zu sehen, wie das Leben hier weitergeht. Am Strand sind wieder Stände und viele Menschen. Alles sieht idyllisch aus. Alles, was an den Tsunami erinnert, ist eine Statue. Als wir vom Strand wiederkamen, traf mich erst einmal der Schlag. Ich teile mir ja gerne ein Zimmer, auch mit vier Leuten. Aber ich schlafe bei der Wärme bestimmt nicht mit vier Leuten in einem Bett für zwei Personen, vor allem wenn ich sie nicht kenne. Zum Glück hat sich da noch was ändern lassen. Als ich klar sagte, dass ich das nicht mit mir machen lasse, gab es auf einmal doch noch ein Zimmer für mich allein, sogar mit Klimaanlage. Ich bin mir sicher, dass sie sich das bei den Männern nie getraut hätten. Und das im YMCA, aber es ist halt auch Indien. Am Nachmittag war ich mit Torsten ein Stück spazieren. Es ist hier sehr warm, aber zum Glück weht ein leichter Wind. Nach dem Kaffeetrinken konnten wir uns einen Teil der Tsunamihilfe des YMCA anschauen. Ein Waisenhaus für Jungen, Nachhilfeunterricht für betroffene Kinder und auf einmal befanden wir uns mitten in einer Zeugnisübergabe eines Handarbeittrainings für betroffene Frauen. Diesmal jedoch nicht auf der Zuhörerseite, sondern hinter einem großen Tisch auf der Rednerseite. Torsten durfte gleich noch ein paar Grußworte sagen (ich habe mich gedrückt) und ich durfte die Urkunden / Zeugnisse überreichen. Anschließend fuhren wir in zwei Siedlungen, welche der YMCA für Tsunamiopfer bauen ließ. Viele Hilfsorganisationen haben hier solche Siedlungen gebaut.
Torsten
Nachtrag am 14. Juli
Wow, schon wieder Wochenende. Der Tag begann recht langsam, da bis auf YMCA alle Stunden ausfielen. Sehr zu unserer Freude. Und YMCA fand nur am Vormittag statt. Ein weiterer Vorteil. So konnten Katrin und ich für unsere Wochenendreise nach Kanya Kumari packen und uns in aller Ruhe darauf vorbereiten. Diese Reise begann um 17.30 Uhr mit der Abfahrt im Auto zur Busstation. Die „Busstation“ erstreckt sich über ein ganzes Stadtviertel und wir waren froh, dass Solomon Benjamin uns begleitete, denn allein hätten wir das nie gefunden. Als wir dann endlich im Bus waren, stellte es sich heraus, dass der Bus sehr komfortabel war, Polstersitze, Klimaanlage. Sehr gut, so konnten wir die Strecke aushalten. Auch wenn die Straßen sehr schlecht sind, auch die National Highways haben Bodenwellen ohne Ende, so dass die Fahrt teilweise mehr einer Achterbahnfahrt als einer Busfahrt glich. Zum Glück konnte ich ein wenig Schlaf bekommen. Der Bus hielt das erste Mal zum Abendessen gegen 9 Uhr. Dies war mein Glück, denn durch das viele Trinken musste ich schon bald aufs Klo.
Auf der ganzen Fahrt hielt der Bus noch 3 Mal, wir fragten uns, ob der Busfahrer die gesamten 12 Stunden durchfuhr, oder es mindestens einen Wechsel gab. Aber höchst wahrscheinlich wollen wir das gar nicht wissen!
Samstag, 14. Juli
20:15 Uhr
Dieser Tag war sehr lang. Zu lang, für mich und Katrin. Die Busfahrt war zwar komfortabel, aber zu lang für mich. kurz vor der Ankunft wurde mir schlecht, zum Glück hatten wir eine leere Chipstüte griffbereit. Als wir in Kanya Kumari ankamen, gab es um 8 Frühstück, Ankunft am Busbahnhof war um 7. Nach dem Frühstück ging ich sehr schnell in mein Zimmer. Ich verabredete mich mit Katrin um 9:15 Uhr, verschlief diesen Termin allerdings um 10 Minuten. Noch immer müde gingen wir zum ersten Programmpunkt, einer Andacht. Diese war leider auf Tamil oder irgend einer anderen indischen Sprache, sodass wir nicht wirklich viel verstanden. Der Grund unseres Hierseins ist, dass der YMCA Südindiens hier an der Südspitze Indiens ein Meeting hat und Solomon Benjamin uns mitgenommen hat, um diesen Ort zu besuchen.
Nach der Andacht erholten wir uns, indem wir im Foyer des YMCA-Tagungshauses saßen und nichts taten, bis wir gegen 12 Uhr vom Fahrer des YMCA an den Strand gefahren wurden. Es war sehr windig, das tat gut, Katrin ging auch ins Wasser, der Sand war sehr lose. Nach dem Mittagessen und einem ausgiebigen Mittagsschlaf unternahmen Katrin und ich einen kurzen Spaziergang durch Kanya Kumari, später wollten wir einen Vortrag von Solomon Benjamin über Leiterschaft besuchen. Allerdings waren wir da nur kurz, da außerhalb des Versammlungsraumes ein paar Offizielle des YMCA vorbei liefen, in Richtung Tsunami-Projekt, welches auf dem Gelände des YMCA untergebracht ist. Dort gerieten wir dann, nachdem wir beschlossen hatten, den Vortrag über Leiterschaft ausfallen zu lassen, in eine kleine Feier, bei der mehrere Frauen, die ein Programm des YMCA zur Sicherung und Verbesserung ihrer Lebensumstände (durch einen 6-monatigen Kurs, in dem die Frauen lernen, einfache Handarbeiten zu machen und diese zu verkaufen, um auf eigenen Beinen zu stehen) abschlossen. So saßen wir plötzlich vor diesen Frauen, mit ein paar hohen YMCA-Menschen und waren Teil dieser Veranstaltung. Ich durfte eine spontane Rede halten und Katrin war beim Überreichen der Urkunden zur Stelle. Direkt im Anschluss daran konnten wir mit ein paar „Offiziellen“ ein paar Plätze ansehen, die vom Tsunami 2004 stark getroffen wurden und verschiedene Wohngegenden, die u.a. vom YMCA gebaut wurden. Es war sehr beeindruckend zu sehen, da wir den Tsunami bisher nur im Fernsehen sahen und jetzt live vor Ort waren. Ich blühte richtiggehend auf, es war schön und erschreckend zugleich. Jetzt sitze ich mit Katrin da und warte darauf, dass sie ihren Zimmerschlüssel bekommt. Dies war eine Odyssee! Zuerst lief alles normal, bis wir am Nachmittag die Meldung bekamen, dass statt zwei Frauen vier Frauen in einem Doppelbett schlafen sollten. Da das für Katrin erwartungsgemäß nicht akzeptabel war, begann die Suche nach einem neuen Zimmer. Jetzt warten wir auf eben diesen Zimmerschlüssel, um endlich diesen harten, langen und bisher für mich besten Indientag beenden zu können. Ich werde mit ein Doppelbett mit einem 52-jährigen Jerry teilen. Wird lustig, hoffentlich steht er nicht auf kleine Kinder!
Freitag, 13.7.09
Katrin
Heute hatten wir fast keinen Unterricht. Am Nachmittag wäre eigentlich auch Zeit gewesen eines der Day Care Center zu besuchen, aber Femke hatte keine Zeit und Torsten keine Lust. Alleine wollte ich nicht fahren. Aber mir ging es eh nicht so gut heute. Ich hatte wieder einmal Durchfall. Am späten Nachmittag sind wir aufgebrochen mit dem Bus nach Kanyakumari. Die Fahrt soll 12 Stunden dauern. Der Bus, in welchem wir nun sitzen, ist sehr modern mit Klimaanlage und Fernseher. Zum Abendessen hielten wir unterwegs an. Was mir etwas unheimlich war, war das die zwei Fahrer während der ganzen Fahrt nur eine Pause gemacht haben. Es waren zwar zwei Fahrer, aber eine Pause ist trotzdem zu wenig. Aber da fragt hier keiner nach.
Torsten
Oh nein, es ist schon wieder passiert! Kein Eintrag von Torsten vorhanden! Was ist denn passiert? Liegt es daran, dass Torsten keine Lust hatte? Aber was ist der Grund? Geht es ihm gut?
Fragen über Fragen. Die Antwort weiß Er allein.
Bis morgen!
Donnerstag, 12.7.09
Katrin
Der Vormittag war eigentlich ganz normaler. Am Nachmittag war eine Buchvorstellung. Sie wurde richtig groß gefeiert. So wurden die Bücher z.B. zur Veröffentlichung auf Geschenkpapier ausgepackt. Anschließend waren wir „Cold Coffee“ trinken. Am Abend bin ich direkt nach dem Abendessen ins Bett. Eigentlich ist das, was wir machen teilweise gar nicht so anstrengend, aber unsere Körper sind so geschwächt vom Kampf gegen Viren und Bakterien.
Torsten 20:00 Uhr
Ist früh heute, dass ich schreibe. Fast schon zu früh. Aber ich bin hundemüde. Und ich fühle mich, als ob ich Fieber hätte. Zumindest ist mir sehr warm und mein Körper fühlt sich auch heiß an. Aber immerhin habe ich heute deutlich mehr getrunken als die vergangenen Tage. Das muss ich, genau so wie Katrin, beibehalten. Ich glaube, dass wir seit dem Wochenende bei Prem zu wenig Wasser „nachgefüllt“ haben. Das macht sich deutlich bemerkbar. Der heutige Tag war, was das schulische betrifft, bis auf YMCA-Studies, mal wieder tot langweilig. In WS hat Rini Ralte eine Tabelle an die Tafel gemalt, deren tiefere Bedeutung jedoch den Studenten verschlossen blieb. Angeblich war sie über „Feminist Pneumatology“ [Die Lehre des Heiligen Geistes aus der Feministischen Sicht]. Leider kann ich diese Frau nicht wirklich ernst nehmen, sie vermittelt nicht den Eindruck, dass sie weiß, was sie sagt. Sehr schade, denn eigentlich hat Indien Aufklärung dringend nötig, was die Nachmittags-YMCA-Studies Stunde zeigte. Ein Überblick über das Entwicklungsland Indien, das die Globalisierung größtenteils nicht begriffen hat und versucht, Moderne, Gegenwart und Geschichte zu vereinen.
Nach dieser Stunde war um 16 Uhr noch eine Veranstaltung zur Veröffentlichung von 3 neuen Büchern über Dalit-Theologie. Habe leider nicht sonderlich viel von der Veranstaltung verstanden, auch wenn sie auf Englisch war. Nach 2 Stunden war diese Veranstaltung beendet und wir konnten zu unserem mittlerweile traditionellen Cold Coffee schreiten. Dazu muss ich nichts sagen, wie immer lecker und schon wieder eine Woche vorbei. Am Abend, beim Abendessen in der Mess gab es einen Zwischenfall, wie sie hier ab und zu vorkommen. Aus irgend einem Grund kam es zu einem Wortgefecht und nur durch die Hilfe mehrer Leute konnten die Streithähne auseinander gehalten werden. Seltsames Gefühl, denn der Streit ging über unsere Köpfe hinweg. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, wurde aus der Mess erneut laut, es hörte sich an, als würden auch Stühle durch die Gegend fliegen [Was sie auch taten, wie ich am nächsten Morgen hörte]. Morgen mal schauen, was ich herausbekommen kann.
Mittwoch, 11.7.09
Katrin
Heute Morgen war ganz normal Unterricht. Na ja fast. In „Theologie und Ethik“ ist der Dozent auf einmal voll ausgerastet, weil nicht alle konzentriert dabei wären. Und in „Kommunikation“ drohte der Dozent damit, wer Morgen nichts über Massenmedien weiß, kann gehen. Das war schon krass! Ich finde diesen Stil einiger Dozenten nicht gut, denn es macht den Unterricht noch unattraktiver. Torsten ging es heute gar nicht gut. Deshalb ist der auch bis mittags im Bett geblieben. Er ist nicht wirklich krank. Er ist einfach fertig und braucht Schlaf und das ewige hin und her mit Durchfall und Verstopfung nervt ihn genauso wie mich. Die Hausarbeit in „Neues Testament“ müssen wir nun nicht schreiben. Ich habe dem Dozenten sachlich erklärt, dass wir das alles in Deutschland schon gemacht haben. Heute Nachmittag war Field Visit. Das war echt cool, auch wenn ich schon wieder fast alleine das Programm gemacht habe. Ich glaube, sie sind nicht wirklich motiviert, etwas mit den Kindern zu machen. Dabei ist es eine, sicherlich nicht ganz einfache, aber tolle Arbeit. Die strahlenden Kinderaugen zu sehen, ist wunderbar, Sie strahlen durch Kleinigkeiten, die für sie so groß sind. Heute Abend hatten wir Probe für „Immer mehr“ und tatsächlich waren fast alle pünktlich. Es klingt trotz stark indisch-deutschem Akzent gar nicht schlecht. Die Tage hier sind sehr anstrengend und mein Körper braucht viel mehr Schlaf als in Deutschland. Ich glaube, dass es auch mit an der dreckigen Luft liegt. Am Nachmittag waren wir noch mal in der Stadt. Auf dem Rückweg saß unter anderem eine bettelnde Frau am Straßenrand. Ich hatte eine Tüte Bananen in der Hand und überlegte, ob ich ihr ein paar Bananen geben sollte. Ich war eigentlich gewillt es zu tun. Aber als wir bei ihr waren griff sie einfach nach der Tüte. Es zeigt eigentlich nur wie groß die Armut ist, aber das ist schon sehr dreist. So riss ich ihr die Tüte aus der Hand und ging weiter.
Torsten
21:50 Uhr
Der heutige Tag begann damit, dass ich beschloss, erneut liegen zu bleiben. Mir war nicht nach aufstehen, ich fühlte mich schlapp und nur müde. Leichte Bauchschmerzen kamen dazu, sodass ich den ganzen Vormittag im Bett blieb. Durch Katrins nahezu mütterliche Fürsorge konnte ich mich dann zum Mittagessen aufraffen und am Nachmittag auch zum Field Visit gehen. Zwar fühlte ich mich anfangs noch schlapp und schlecht, dies besserte sich aber mit der Zeit, so dass ich am Abend durchaus wieder gut drauf war. Nach dem Abendessen und einer warmen Dusche hatte ich noch die Gelegenheit, mit zuhause zu telefonieren. Mama war bei ihrer Heilpraktikerin, um mich per „Ferndiagnose“ durchzuchecken. Ergebnis: Ich bin eigentlich hoffnungslos voller Viren und Bakterien. Kein sonderlich überraschendes Ergebnis, da die Hygiene hier doch sehr zu wünschen übrig lässt. Viel überraschender ist es, dass diese Heilpraktikerin dies über diese Entfernung herausgefunden hat. Das Einzige, das bei der Diagnose fehlte, waren meine Nierenprobleme, die ich eigentlich habe. Zumindest tut der Nierenbereich immer wieder weh.
Den Rat, mehr zu trinken, ist wertvoll, weil wir wirklich viel zu wenig trinken. Dies unterschätzen wir leider, denn es ist trotz allem sehr heiß hier, auch wenn wir mittlerweile glaube, uns an das Klima gewöhnt zu haben. Diesen Rat sollten wir beherzigen, über die ganze Zeit, denn so werden ja zum Glück Giftstoffe aus dem Körper geschwemmt. Ich versuche, heute Abend noch mindestens eine Flasche Wasser zu leeren, bevor ich mich zum Schlafen hinlege.
Dienstag, 10.7.09
Katrin
Zuerst einmal die Frage des Tages: „Can a male saviour save woman?“ [ Kann ein männlicher Retter Frauen beschützen?] – ich wusste nicht ob ich über die Frage lachen oder weinen soll. Ich hab mich für Lachen entschieden, denn bitte was ist das für eine Frage? Gut im indischen Kontext fragt man sich auch öfter, „Können Männer ihre Frauen beschützen?“, oder besser „Wollen Männer ihre Frauen beschützen?“. Aber Gott, als liebender Gott, beschützt natürlich Frauen!
Hier in Indien bekommen Krankheit, Sterben und Tod eine neue Bedeutung für mich. So oft, wie hier in den letzten fünf Wochen habe ich noch nie von Kranken (und mich meine keine Erkältungen) und Sterbenden / Toten gehört. Daran merkt man, dass die Lebensumstände vieler wirklich katastrophal sind. Nach dem Unterricht habe ich versucht einen Termin mit meiner Arbeitsgruppe „ Gewalt an Frauen“ für Feminist Theology zu finden. Dabei sollte man keinem verraten, das wir schon drei Wochen Zeit hatten und Montag die Präsentation ist. Das mit dem „kurz auf knapp“ ist hier echt schlimm. Aber es gehört hier zur Kultur. Zu vorherigen Treffen kam keiner. Wenn ein interessantes Meeting in das eigentlich vereinbarte fällt, warum sollte man denn dann das eigentliche Meeting wahrnehmen? Ich fragte also einen der Jungs wann wir uns denn nun treffen. Er sagte, am Donnerstag oder besser am Wochenende. Darauf sagte ich nur: „Dann macht es alleine, ich bin am Wochenende nicht da. Mein Teil für „Gewalt an Frauen in Deutschland“ ist fertig, entweder ihr baut ihn mit ein oder ihr lasst es!“ Die Jungs und das Mädel in meiner Gruppe schauten mich ganz verdattert an, denn ich hatte klar meine Meinung gesagt. Das als Frau, wie kann ich bloß? Schmunzelnd verließ ich den Raum. Genau das gleiche Problem mit dem sich treffen, trat dann nach dem Mittagessen ein. Ich wollte mich den YMCAlern das Lied „Immer mehr“ für unsere Präsentation üben. Und was war? Max kam zu mir und meinte, dass ein paar lieber raus gehen einen Tee trinken und eine Zigarette rauchen wollen. Und sie gingen einfach. Ich war verärgert und frustriert, da es nicht das erste Mal war. Ich sagte, wenn zum nächsten Treffen nicht alle da sind übe ich es nicht mehr mit ihnen und dann sollen sie schauen was sie machen. Am Abend vor dem Abendessen, war Deutschunterricht. Es waren zwar nur drei Leute da, aber sie wollen wirklich was lernen. Es macht mehr Spaß und Sinn mit 3 motivierten Leuten zu arbeiten, als mit 20 die so halb dabei sind. Ein großes Problem im Tagesablauf ist, dass man keine Pausen im Tag hat, sondern von einer Sache zur anderen stolpert. Deshalb sind wir beide ganz schön kaputt. Der Körper holt sich eben was er braucht. Hygienisch sehr interessant war es, als aus der Wasserleitung Dreck und kleine Steine mit hinaus kamen. Bevor ich ins Bett bin, habe ich mich noch mit Femke unterhalten. Es ist gut zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin, der es als Frau echt schwer fällt hier zu sein. Aber es schult absolut das Selbstbewusstsein und lässt mich ganz anders auf Gott vertrauen als bisher.
Torsten
19:55 Uhr
Ein ereignisarmer Tag neigt sich dem Ende zu. Mir geht es heute Abend nicht so gut, wohl eine Mischung aus Magenverstimmung und Heimweh nach Deutschland. Deshalb werde ich heute sehr früh ins Bett gehen. Mehr und mehr wünsche ich mir die deutsche Verbindlichkeit zurück, dass Vereinbarungen, die einmal getroffen wurden, auch eingehalten werden. Bestes Beispiel, dass dies in Indien nicht der Fall ist, isst das Song-Üben mit den YMCAlern. Wir sollen für Donnerstag ein deutsches Lied üben. Dazu waren wir für 13:30 Uhr, also nach dem Mittagessen, verabredet. Allerdings waren zu dieser Zeit die Hälfte der YMCAler ausgegangen, einen Tee trinken. Sehr schade, Katrin nimmt diese Unverbindlichkeit sehr mit.
Unsere Deutschstunde, die heute stattfand, hatte immerhin 3 Teilnehmer. Ich nahm nicht teil, da ich mich nicht so gut fühlte. Katrin war durchaus angetan, denn die Schüler, die da waren, wollen auch Deutsch lernen. Ich persönlich hatte mich eigentlich das Limit gesetzt, dass wenn weniger als 5 Leute da sind, ich aus dem Programm aussteige. Mal schauen, wie es für mich weitergeht. Jetzt werde ich mich auf jeden Fall ins Bett legen und vor morgen früh nicht mehr aufstehen.
Montag, 9.7.09
Katrin
Für uns war heute eine nette Verlängerung des Wochenendes, denn wir hatten studienfrei. Der Grund wäre in Deutschland wahrscheinlich keiner, um Schule ausfallen zu lassen. Der ehemalige Premierminister ist gestorben. So verbrachten Torsten und ich, am Vormittag noch mit Femke und Mathew, am Nachmittag allein, auf der Commercial Street, der zweiten großen Einkaufsmeile in Bangalore. Hier fand ich noch ein paar Kleinigkeiten für meine Eltern und meine Schwester und ein paar schöne Ohranhänger für mich. Wir haben auch nach Verlobungsringen geschaut, aber das muss wohl bis Deutschland warten, denn auf Verlobung sind die Juweliere hier eindeutig nicht eingerichtet. Etwas nervig beim Einkaufen ist, dass man von allen Seiten angesprochen wird: „ Hallo, kommen sie, schauen sie, …“
Eine kurze E-Mail an meine Mam habe ich noch geschrieben, denn sie hat heute Geburtstag. Ich freue mich schon, wenn ich sie wieder sehe. Heute habe ich irgendwie ein wenig Heimweh. Aber Morgen geht es bestimmt wieder. Ich hoffe, dass dann auch mein Bronchien wieder OK sind. Die blöde Hausarbeit in „Bibel 1-Neues Testament“, wir sollten Solomon fragen ob wir es nicht weglassen können.
Torsten
22:40 Uhr
Schon wieder ist ein Tag zu Ende. Er begann damit, dass ich beschloss, aufgrund schmerzender Nieren nicht zur Yoga-Class zu gehen und lieber liegen zu bleiben. Als ich kurz nach halb 8 aufstand, kam Katrin und berichtete, dass die Yoga-Class ausgefallen war, weil der Yogalehrer nicht da war. Nach der Morgenandacht gingen wir voller Enthusiasmus zu YMCA-Studies ind Solomon Benjamins Office. Dort teilte uns Solomon Benjamin mit, dass die Schule heute komplett ausfällt, da am Wochenende ein früherer Premierminister Indiens starb. Eine interessante Methode zu trauern.
Wir ergriffen die sich bietende Gelegenheit, um die Commercial Street mit Femke und Mathew unsicher zu machen. Heute war Katrins Tag, d.h. sie fand heute einige Sachen, während ich leer ausging. Nach dem Mittagessen und einem wie immer viel zu kurzen Schlaf gingen Katrin und ich erneut zur Commercial Street, um allein und in aller Ruhe durch die Straßen zu bummeln. War einerseits schön, mal ein wenig Zeit zu haben, andererseits anstrengend, da wir uns in den Kopf gesetzt hatten, Verlobungsringe für eine Verlobung im Herbst in Deutschland zu kaufen. Leider konnten wir nicht fündig werden, was unsere Stimmung erheblich trübte. Nach dem Abendessen saß ich mit ein paar Freunden des YMCA noch ein wenig auf einer Bank, währen Katrin schon in mein Zimmer ging. Als ich dazukam, fand ich sie, mit dem Ipod und einem sehr traurigen Gesicht auf meinem Bett sitzen. Zu der Ring-Enttäuschung gesellten sich noch Heimweh und andere Dinge. Katrin tut mir leid, da ich nicht genau weiß, wie ich ihr helfen kann. Ich habe den Eindruck, dass meine Anwesenheit auch nur bedingt hilft. Aber was tun? Ich habe keine Idee. Zudem verspüre ich immer mehr den Wunsch, allein mit anderen außer Katrin zu sein und meine eigenen Indienerfahrungen zu sammeln und mit den Leuten hier zu reden und Spaß zu haben. So fühle ich mich ein wenig Zwiegespalten, da ich Katrin nicht allein lassen will und andererseits gerne unabhängiger wäre.
Nach der Bhajan-Practise waren ein paar Freunde des UTC zu einem Geburtstag eines Schwiegervaters eines der Studenten geladen. Das war sehr interessant, die Familie hat etwa 20 Mitglieder. Zusammen mit noch einmal 20 UTClern hatten wir in einem sehr kleinen Raum eine improvisierte Geburtstagsfeier. Es gab Tee, Sweets und sogar Geburtstagskuchen. So war der heutige Tag ein Wechselbad der Gefühle: einerseits sehr schön, andererseits getrübt durch Katrins Unwohlsein. Hoffentlich bessert sich ihre Stimmung wieder und das Heimweh verschwindet.
Sonntag, 8.7.09
Katrin
Heute Morgen gab es wie jeden Sonntag um 7.30 Uhr Frühstück – viel zu früh. Aber um 8.10 Uhr fuhren wir auch schon ab zur Kirche. Es war ein methodistischer Gottesdienst. Er ging zwei Stunden und sie sammelten zwei Opfer ein. Für jede Stunde eins? Einige Jungs hier sind echt Muttersöhnchen. Sie haben nun nur ein Milchbubygesicht, sondern benehmen sich auch so. Einige benehmen sich dazu noch wie die Paschas und ignorieren die Mädels. Manchmal werd ich da innerlich richtig aggressiv. Auf der Rückfahrt von der Kirche bin ich fast an die Decke gegangen. Sollen sie sich untereinander befingern und streicheln, aber die Einzige, die meinem Freund ans Knie fasst, bin ich! Ein weiteres atemstockendes Erlebnis hatten wir ebenfalls auf der Rückfahrt. Fast hatten wir einen Mopedfahrer auf der Frontscheibe kleben. Das war echt knapp. Aber die fahren hier auch wie die Idioten. Und wer zum Beispiel zu fünft auf einem Motorad fährt ist auch selber schuld!
Jetzt ist es 21.00Uhr. Ich liege im Bett. Eigentlich wäre jetzt noch Bhajanpraktis, aber meine Bronchien und mein Bauch krampfen. Verstopfung hab ich auch immer noch. Ich hoffe, dass es mir bis Freitag wenn wir wegfahren wieder besser geht. Haben heute mal Cola für unsere Mägen gekauft und auf dem Weg noch einen neuen Saftladen ausprobiert. Der Gottesdienst am UTC heute Abend fing ganz gut an, aber die Predigt, war einfach zu lang. Wegen Zeitdruck mussten wir dann durchs Abendmahl richtig „durchrennen“. Die Art Abendmahl zu feiern, indem wen man hatte der nächste den Platz im Kreis einnimmt, ist nicht schön! Die Gemeinschaft mit anderen und mit Gott im Abendmahl kommt nicht zur Geltung.
Torsten
22:20 Uhr
Gestern vergaß ich in aller Müdigkeit, dass wir alle zusammen in einem Bollywood-Movie waren. Apne hieß er, ein toller Film, auch wenn er auf Hindi war.
Heute morgen waren wir in einem Methodistischen Gottesdienst, dessen Predigt sehr pfingstlerisch war, genau so wie viele Gebete. Über zwei Stunden dauerte diese Zeremonie. Die Kirche war nahezu voll besetzt. Diese methodistische Kirche war sehr reich, was man überall sehen konnte. Das Kirchengebäude war neu, genau so wie viele der übrigen Gebäude. Es war sehr sauber und im Gottesdienst waren nur Leute der oberen Mittelschicht. Nach dem Mittagessen am UTC haben wir erst einmal viel Schlaf nachgeholt, bis wir um 4 aufbrachen, mit Femke im Schlepptau, um Cola zu kaufen und einen Saft trinken zu gehen. Zu mehr hatten wir heute nicht wirklich Lust. Der Abendgottesdienst war lang, es war Abendmahl. Die Predigt war sehr lang, anstrengend. Dafür war die Abendmahlszeremonie sehr schnell heruntergeleiert, J.J. Sebastian musst wohl die Zeit, die er beim Predigen vergeudet hatte, dort wieder aufholen. Schade eigentlich, weil die Predigt über das Abendmahl ging.
Den Abend verbrachte ich vor dem PC von Solomon Benjamin, mit dem Versuch, seine Bilder wiederzufinden. Ich habe sie gefunden, nur verschwinden die Ordner immer wieder. Sehr seltsam, aber immerhin kann ich ihm berichten, dass die Ordner noch da sind. So habe ich einen Teilerfolg errungen und kann gut schlafen.
Samstag, 7.7.09
Katrin
Der Tag war super, auch wenn er erst einmal etwas konfus startete. Femke, Torsten und ich wollten 10.30 Uhr ganz gemütlich frühstücken gehen am „Tequila-Stand“. Der Stand heißt so, weil die Teebecher so groß wie ein Tequilaglas sind. Doch als wir gerade los wollten, kam irgendeiner unserer YMCAler auf die glorreiche Idee, jetzt ein Gruppenfoto machen zu müssen. Dabei hatten wir so schön geplant: 10.30 Uhr Frühstück und um 11.00 sollte Deutschunterricht sein. So wurde nichts aus unserem gemütlichen Frühstück. 12.30 Uhr sind wir dann zur M. G. Road gestartet. Das ist eine sehr große Einkaufsstraße. Mathew war auch mit. Nach dem wir unseren Rikschafahrer von 100 RS auf 50 RS runtergehandelt hatten, ging es los. Nachdem wir uns durch den „Handycraft“-Souvenir Laden geschlagen haben, hat es uns in ein leckeres Restaurant verschlagen. Seit fünf Wochen mal wieder mit Messer und Gabel essen und dazu noch italienisches Essen – ein Traum! Als Nachtisch gab es noch ein leckeres Mousse au Chocolat – wir waren zwar schon am Platzen, aber das geht immer. Am Abend ging es ins Kino, in einen Hindufilm „Apne“. Bis zum Kinobeginn hatten wir noch eine Stunde Zeit und so tranken wir noch etwas. Auf einmal bekam ich Durchfall und wollte auf Toilette gehen. Auf einmal klopfte es an meiner Toilettentür. „Bitte kommen sie raus.“ Ich wunderte mich, weil ich doch nur auf Toilette wollte. Ohne Erklärung fragte mich eine Frau „finished?“ [fertig?]. So musste ich mir eine andere Toilette suchen. Später stellte sich heraus, dass die Toilette repariert werden musste. Der Kinofilm war echt super, auch wenn wir nicht so viel verstanden, da der Film auf Hindi war. Aber die Bilder in Hindifilmen / Bollywood-Filmen sprechen viel mehr, als in Hollywood-Filmen. So konnten wir die Story trotzdem verstehen. „Apne“ heißt übrigens „Boxen“. Es war eine Familiengeschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Die Amerikaner wurden sehr schlecht hingestellt, großkotzig und mit dopen und so. Ich glaube je nach Nation werden immer andere Völker in Filmen als die „schlechteren“ dargestellt. Nach dem dreistündigen Film ging es noch im Pizzahut essen. 23.30 Uhr fiel ich müde ins Bett. Auch wenn ich erst noch die Frauenwohnheimleiterin aus dem Bett klingeln musste, damit sie mir die Haustür aufschließt. Die Studenten haben nämlich keine Schlüssel für die Haustür und das Wohnheim wird um 23.00 Uhr am Wochenende geschlossen.
Torsten
Besser, Sonntag, 8. Juli, 0:05 Uhr
Spät ist es geworden heute. Wir verbrachten zusammen mit Femke und Mathew den Tag in der MG Road, nachdem wir spät gestartet sind. Um 11 hatten wir noch unsere Deutschstunde, allerdings zweifele ich immer mehr am Erfolg dieser Stunde. Dazu an anderer Stelle mehr.
Auf der MG Road, die Einkaufsmeile für Leute mit Geld, hatten wir jede Menge Spaß. Es war schön, durch die Geschäfte zu bummeln und in aller Ruhe zu schauen, was uns gefallen könnte. Am Ende haben Katrin und ich incl. Essen und Fahrt knapp 3000 Rupien ausgegeben. Von Shampoo bis Bücher und Geschenke für unsere Lieben zuhause war alles dabei. Jetzt bin ich müde, deshalb heute nur dieser kurze Eintrag.
Freitag, 6.7.09
das erste Mal im Zug nach Chennai zu Gesicht bekam. Sieht von außen aus wie eine Kartoffel und schmeckt gut. Nach was, konnte ich nicht identifizieren. Dank Haston haben wir jetzt auch eine Simcard für unser Handy, welches uns Solomon geliehen hat. Das ist hier alles nicht so einfach. Eine Story, die mich erschrecken lässt: In vielen Gebieten wird, wenn ein Junge geboren wird gefeiert und es gibt Süßigkeiten. Wenn ein Mädchen geboren wird, wird nicht gefeiert und es gibt auch keine Süßigkeiten. Den Tag über gab es immer wieder Momente, wo ich überhaupt nicht gut drauf war. Ich bin müde und sowohl Torsten als auch mir passieren immer wieder Sätze und Tonfälle, die nicht so gemeint sind. Nur weil wir gereizt sind. Das dar nicht normal sein. Ich glaube das liegt wirklich daran, dass wir total überarbeitet sind. Zum Glück kann ich Morgen bis 10.00 Uhr schlafen.
Torsten
23:10 Uhr
Wieder ist ein Tag vorbei. Er begann gut, denn aus Mangels eines Schlüssels musste das Yoga leider (oder zum Glück?) ausfallen. Stattdessen haben wir ein paar kurze Übungen in Aerobics gemacht, bevor wir mit fast allen YMCAlern, dem Yogalehrer und Solomon Benjamin, der später dazu stieß, einen Tee trinken gegangen sind. So kann es öfter sein! Bible 1 erinnerte mich mal wieder an das Privileg, am Kolleg studieren zu dürfen, mit all den sehr guten Dozenten. Die meisten der BD-Studenten können wir locker in die Tasche stecken mit der Ausbildung, die wir genießen.
Am Nachmittag nach der Sermon Evaluation sind wir in den Buchladen gegangen. Es war mal wieder bereichernd, 7 CDs sind nun unser, mit den 3 von gestern schon 10. Tolle Sache, denn die sind hier unglaublich billig. Zurück am UTC sind wir kurze Zeit später wieder zu unserem traditionellen Cold Coffee aufgebrochen. Und nach dem Abendessen fanden sich Katrin, Haston und ich erneut in der Stadt, um eine SIM-Card für Solomon Benjamins Handy zu kaufen [das er uns freundlicherweise in der Zeit unseres Indienaufenthaltes zur Verfügung stellt]. Danach sind Katrin und ich noch ins Internet gegangen. Nachdem ich Katrin um kurz nach neun ins Bett gebracht habe, habe ich über Skype noch über eine Stunde mit meinen Eltern telefoniert. War mal gut, mit anderen als Katrin deutsch zu sprechen und die Gedanken auszutauschen. Dies war sicher nicht der letzte Anruf!
Oft denke ich an zuhause, in Deutschland. Der Wunsch nach Hygiene wird immer lauter, mal wieder richtig Duschen, sauberes Wasser, gewöhnliches Essen. Aber nur noch zwei Monate, die uns um einige Erfahrungen reicher machen, bevor es wieder zurück nach „good old Europe“ geht. Davor liegen noch mehrere Reisen vor uns, auf die ich mit gemischten Gefühlen blicke. Einerseits sehen wir so mehr von Indien, andererseits bedeutet das jedes Mal wieder Umstellungen und Veränderungen im Essen und Unterbringung, sowie das Klima. Aber was kann uns schaden, solange Gott an unserer Seite ist!
Donnerstag, 5.7.09
Katrin
Wir starteten ganz normal mit dem Unterricht. In „Communication“ bei Sham P. Thomas hatten wir echt unserern Spaß. Ein Zitat aus dem Unterricht: „Why Jesus can´t walk on the water when he come back? He will sink, because he had all sin on his feet.“ [Warum kann Jesus wenn er zurück kommt nicht auf dem Wasser gehen? Er würde sinken, denn er hat alle Sünden an seinen Füßen.] Danach hatten wir „Feminist Theology“ und Rini Ralte sagte: „Ich sage Gott Vater, weil er für mich die Vaterfigur ist. Aber ich sage auch Gott Mutter, weil sie Eigenschaften einer Mutter hat, z.B. fürsorglich. Im indischen Kontext kann ich sie auch verstehen. Das Gott Vater/Mutter rührt aus dem Verständnis/ den Erfahrungen her, welche von Vater und Mutter bestehen. Hier in Indien ist die Frage nach Gott Vater/Mutter deshalb so groß, weil der Blick auf die Charakteristik von Mutter und Vater so unterschiedlich ist. Für uns im deutschen Kontext sind Mutter und Vater genauso für Fürsorge, selbstbewusst, mahnen, … verantwortlich. Die Charakteristik geht an den meisten Stellen nicht auseinander. Deshalb habe ich nicht das Problem, ob Gott jetzt Vater oder Mutter oder beides ist. Aber schaut man in unsere Jugendarbeit, da können wir Gott als Vater oft nicht mehr nehmen, weil einige Kinder mit Vater nicht fürsorglich verbinden. Vielleicht wäre es manchmal sogar ratsam Gott Mutter zu verwenden? Aber irgendwie ist die Frau trotzdem total durch den Wind. Ihr sind in dieser Stunde einige mistakes [Fehler] passiert und alle lagen flach vor lachen. Als sie mich zum hundertsten Mal Christin nannte und ich sagte, dass mein Name Katrin ist, fragte sie mich wo in die Tabelle, die wir gerade ausfüllten, denn das Katrin rein gehöre. Zu Symbolen oder Metaphern? Und wieder lag alles flach. Irgendwie tat sie mir leid. Am Nachmittag nach den YMCA Studies sollte der Deutschunterricht stattfinden. Aber wegen einer Gartensäuberungsaktion, die ausgerechnet in die Zeit gelegt wurde, waren nur drei Leute da. Ich war echt sauer auf den Schulsprecher (von Studierendenseite). Ich habe ihn dann gebeten die nächsten Wochen nichts in diese Zeit zu legen. Wenn die Schule da etwas reinlegen würde, OK, sie hat mehr Autorität als wir. Aber das wird sie kaum machen, denn die meisten Dozenten schätzen es sehr, dass wir deutsch unterrichten. Am Abend war Fellowshipgroup [Hauskreis]. Das war noch schlechter als das letzte Mal. Nur rum sitzen, essen, gehen. Vor der Fellowshipgroup wollte ich eigentlich Klavier spielen, konnte aber J.J. Sebastian nicht finden und hatte so keinen Schlüssel für den Raum wo das Piano steht. So bin ich in die Kapelle gegangen und habe die Orgel ausprobiert. Es ist gar nicht so schwer wie ich gedacht hatte. Nach dem Abendessen trafen Femke, Torsten und ich uns zum gemeinsamen singen. Dank Henne haben wir ja ein paar tolle Lobpreislieder per Mail bekommen. Man glaubt es kaum, aber das Päckchen an Carina hat seinen Weg begonnen. Sampson, Solomons Gehilfe, hat es tatsächlich geschafft, dass die Post es sendet. Noch eine kleine Beobachtung: Die uns bekannten Inder zählen alle, für uns, falsch herum. Sie beginnen nicht mit 1 und dem Daumen, sondern mit 1 und dem kleinen Finger.
Torsten
21:45 Uhr
Bin tot müde. Der Tag heute war lang und anstrengend. Nicht der Unterricht am Morgen, eher der Nachmittag. Nach der YMCA-Class hätten wir eigentlich Deutsch gehabt, was aber aufgrund einer Garten-Säuberungsaktion aus Mangel an Teilnehmern (insgesamt 3!) ausfallen musste. Katrin war sehr gefrustet, aber leider können wir nichts machen, da dies ein freiwilliges Angebot ist ohne irgendwelche Anerkennung von Seiten der Schule oder der anderen Studierenden. Mir war dies ganz recht, konnte ich doch so einen Stadtbummel unternehmen. Nachdem ich erfolglos in der Cunningham Road beim Canon-Laden nach einem Batteriegriff suchte, konnte ich eine Nachfüllpackung Moskitoabwehr für Katrin erstehen. Da der Abend noch jung war (17:45, etwa) beschloss ich, den Buchladen aufzusuchen, der etwa 15 Minuten vom UTC entfernt liegt. Als ich aus der Cunningham Road dort angekommen war und schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, ihn zu finden, konnte ich dort nach längerem Stöbern das Buch „My Utmost for his Highest [Mein Äußerstes für sein Höchstes]“ von Oswald Chambers erstehen, mein lang gehegter Traum. Daneben fand ich noch 2 CDs von Delirious und eine von Michael W. Smith. Und drei Aufkleber. So erfolgreich bin ich ans UTC zurück gegangen. Nach dem Abendessen trafen wir uns mit Femke bei mir im Zimmer, um gemeinsam ein bißchen zu singen. War schön, auch wenn Katrin die meisten Lieder zu schnell spielt und ich heute keine gute Stimme hatte, da ich ein wenig erkältet bin. Deshalb muss ich jetzt auch schlafen, denn der morgige Tag wird voll und beginnt mit Yoga. Darauf habe ich so gut wie keine Lust. Muss aber wohl sein. Leider.
Mittwoch, 4.7.09
Katrin
Es ist 9.50 Uhr. Eigentlich nicht die Zeit zum Tagebuch schreiben. Aber heute ist nicht unser Tag. Torsten geht es nicht gut. Er hat Durchfall und fühlt sich gerade wegen hygienischen Bedingungen, Essen, Sprache, Menschen und den Rassen- und Kulturkonflikten nicht wohl. Mir geht es auch nicht wirklich besser. Ich habe Verstopfung und Bauchschmerzen. Voll ätzend. Dazu kommt, dass ich grad keine Lust mehr habe, hier zu sein. Ich habe keine Lust mehr auf den Unterricht, die Leute, … Mich kotzt es an, das Frauen und Männer hier so unterschiedlich behandelt werden. Selbst hier am UTC. Einige Männer grüßen die Mädchen nicht und so mich auch nicht. Wenn Torsten und ich zusammen auftreten, sprechen die meisten zu ihm, mit ihm, aber nicht wirklich mit mir und gucken dann komisch wenn ich auch etwas dazu sage. Und die dummen Anmachen, von wegen „Träumst du von mir, du musst dir mich vorstellen, damit du von mir träumst“, oder andere Kommentare, das können sie sich echt sparen!
Nun ist es 21.15 Uhr und ich falle tot müde ins Bett. Wenn ich wie die anderen Studenten jetzt noch lernen müsste, würde ich irgendwann umfallen. Die Einstellung von Sham P. Thomas1 und wahrscheinlich vieler anderer Lehrer passt gut zu diesem Thema: „Eine Stunde Unterricht bedeutet drei Stunden Nacharbeit.“ Das bedeutet bei vier bis sechs Stunden Unterricht zwölf bis achtzehn Stunden Nacharbeit pro Tag. Das macht schon allein achtzehn bis vierundzwanzig Stunden lernen am Tag. Dann noch essen, Gemeinschaft, … Und wann soll man noch schlafen? Ein weiterer Kommentar von Sham P. Thomas, und der ist harte Realität: „In Indien, wenn du als Mann einem Mann um die Schulter fasst und ihr über den Campus lauft, sagt keiner was. Wenn ein Mann einer Frau um die Schulter fasst und diese über den Campus laufen, gucken dir 150 Leute hinterher.“ In Deutschland würden die Menschen eher komisch gucken wenn zwei Männer Hand in Hand laufen. Sehr krass finde ich auch: Aufstehen wenn der Lehrer den Raum betritt. Was bei Herrn Eilert2 Spaß ist, ist hier bitterer Ernst. Ein weiteres Problem einer Frau: Egal ob deine Präsentation im Unterricht gut war, wenn du eine Frau bist, wird dir das nicht gesagt. Sei ein Mann und du kommst aus dem Händeschütteln nicht mehr raus. Dafür war das Field Visit heute echt toll. Leider konnte Torsten nicht mit, weil sein Magen immer noch nicht gut und er übermüdet war. Ich hoffe es geht ihm morgen wieder besser, ich mache mir echt Sorgen um ihn. Von 15.30 Uhr bis 17.00 Uhr haben wir, oder sollte ich besser sagen, ich, gesungen, getanzt und gespielt. 30 bis 40 Kinder und alle waren dabei. Man kann die Kinder hier so einfach begeistern, dass freut mich so. Mit „King of Kings“, „Uk alele“ und „There was a boy“ hatten wir jede Menge Spaß. Femke spielte dann noch eine abgewandelte Form von „kotzendes Känguru“ mit ihnen und Diamond (sein Name sagt schon wie er ist, total schleimig) sang noch mit ihnen „making Melody“. Danach bekam ich sogar ein Lob von Diamond, aber es stellte ich schnell raus, dass er es nutzte um sich toll dazustellen. Aber trotzdem habe ich die Jungs ein wenig davon überzeugen können, dass Frauen auch was drauf haben.
1 Lehrer für Kommunikation am UTC.
2 Lehrer für z.B. Psychologie am CVJM – Kolleg
Torsten
22:10 Uhr
Ein seltsamer Tag neigt sich dem Ende entgegen, ich habe sehr gemischte Gefühle. Zum Einen ging es mir heute nicht so gut und ich lies das Field Visit zugunsten eines erholsamen, mehr als 3,5h dauernden Schlafes ausfallen. Ich merke, dass mein Körper diese Zeit der Ruhe benötigte, denn eigentlich hatte ich nicht vor, so viel zu schlafen und vor allem nicht so schnell einzuschlafen. Kaum war Katrin um 14:45 Uhr aus dem Zimmer, war ich auch schon weg. Geweckt wurde ich dann von ihrem Zurückkommen nach dem Field Visit. Danach sind wir beide, mit Mike und Mathew im Schlepptau, Cold Coffee trinken gegangen. Eine schöne, erholsame Zeit. Nach dem Abendessen hatte ich meine Duschzeit. Diese Zeit nehme ich mir anstatt des schlecht organisierten Hostel Prayers, da ich da noch warmes Wasser bekomme. Dies muss sein, ich genieße es jedes Mal aufs Neue, weil ich in diesen Minuten Ruhe finde. Die Ruhe ist in Indien sowieso ein Thema. Es gibt schlicht und ergreifend keine. Leider. Immer ist irgend etwas los, seien es die Autorikshas, die hupenden Züge oder nur die Studenten, die laut redend, oder noch schlimmer, nachts jaulend wie Hunde durchs Hostel rennen. So freue ich mich, noch vor sauberen Klos, Duschen und hygienischem Essen, auf Ruhe. Nach dem Duschen sind Katrin (die schon vor gegangen ist) und ich ins Internet gegangen, wo ich, nachdem ich Katrin früher ins Bett gebracht habe, den Versuch unternommen, parallel die Regeln von Cricket zu verstehen und den Rechner von Solomon Benjamin einigermaßen virenfrei zu bekommen. Ich hoffe, dass er jetzt wieder gesund ist, die Sache mit den Cricket-Regeln muss ich mir in der nächsten Zeit noch einmal anschauen. Cricket ist hier vergleichbar mit Fußball in Deutschland.
Mich beschäftigt seit ein paar Tagen die inklusive Sprache, d.h. eine Sprache, bei der keine Trennungen von weiblich und männlich gemacht werden. Dies ist in Deutschland eigentlich in den meisten Fällen der Fall, im englischen jedoch ein echtes (scheinbares) Problem. Diese inklusive Sprache geht so weit, dass sie selbst das Bild von Gott als Vater versucht, neutral, ohne Geschlecht darzustellen, bzw. Gott als Vater/ Mutter zu sehen. Sozusagen Gott als meine Eltern. Seltsam, denn so geht das Bild, beziehungsweise die Identifikationsperson verloren. Ich will Gott als Person, nicht als Sache oder Ding anbeten. Gott ist Gott, der Liebende. Irgendwie ist es lächerlich, Gott als Mutter anzubeten. Und Bibelstellen, die Gott als Mutter zeigen, sind auch nicht wirklich vorhanden. Zumindest wurden die uns bisher vorenthalten. Vielleicht kommen noch welche.
Katrin ging es heute wieder deutlich besser, sie war beim Field Visit und hat die Kinder motivieren und mit Herzblut bei der Sache sein können. Sie ist einfach für Kinder geboren und genießt es, Spaß mit ihnen zu haben.
Dienstag, 3.7.09
Katrin
Für mich war der Tag nicht so toll, denn ich lag fast den ganzen Tag mit Magenkrämpfen im Bett. Zum Glück konnte ich bei Torsten im Zimmer liegen, so dass er sich lieb um mich kümmern konnte. In meinem Zimmer wäre ich voll isoliert gewesen, da ins Frauenwohnheim ohne Erlaubnis keiner rein darf und schon gar kein Junge. Manchmal frag ich mich, was die anderen Jungen denken, so oft wie ich bei Torsten bin. Aber ganz ehrlich, es ist mir auch egal. Wenn sie ein Problem damit haben, sollen sie es sagen, aber das würden sie wahrscheinlich nicht tun. Ich dachte in den dritten Block kann ich wieder gehen, aber danach lag ich wieder flach. In YMCA Studies haben wir heute Morgen einen Film über den Kampf zwischen Moslems und Hindus gesehen. Der war ganz schön krass! Aber es ist gut, mal mit solchen Themen konfrontiert zu werden. Man hört zwar oft von diesen Problemen, aber vorstellen kann man sich das nicht. Torsten und ich haben uns heute über unser Beziehungsleben hier unterhalten. Es ist echt nicht leicht, als Paar hier zu leben, ohne es wirklich ausleben zu können. Es ist schwierig, den richtigen Mittelweg zu finden und wie man mit dem Anderen in den uns fremden Situationen umgeht. Nach unserem besonderen Tag ist es wohl etwas aus der Bahn geraten und wir haben sehr viel Zeit mit kuscheln verbracht. Aber damit kann weder ich noch Torsten wirklich umgehen, weil ja auch keiner mitbekommen darf, dass wir zusammen sind. Wir haben uns darauf geeinigt, es wieder so zu handhaben wie am Anfang hier. Am Morgen und Abend eine Umarmung und natürlich wenn es dem andern nicht gut geht. Wir müssen viel mit einander reden, wie geht es dir?, wie geht es uns?. Vor allem müssen wir auch Dinge zu zweit unternehmen, um Zeit für einander zu finden. Noch einmal zum Thema Magenkrämpfe. Gestern hatte ich noch beim Tee gesagt, zum Glück geht es uns gut und wir haben kaum Probleme mit dem Magen, aber nun ist es doch da! Heute Abend hab ich mal wieder Hostelprayer und Bhajanpraktis ausfallen lassen, denn schlafen ist gerade wichtiger. Und ehrlich gesagt, kann ich beidem nicht wirklich viel abgewinnen.
Torsten
21:20 Uhr
Jaulende Geräusche kommen von einem der Nachbarzimmer. Der Kenner würde diese als „Gesang“ identifizieren, besser: Bhajan-Übungen. Schrecklich, um ehrlich zu sein. Die heutige Bhajan-Practice festigte mich nur darin, nur dann zu gehen, wenn ich nach der Rota dazu dran bin, mit ein paar anderen armen Kerlen am nächsten Morgen mitzujaulen. Ich weiß nicht, warum man sich das antut. Unorganisiert, chaotisch, laut. Das beschreibt diese Übungseinheit am Besten.
Katrin hatte heute den ganzen Tag Magenprobleme und war fast die ganze Zeit in meinem Bett. Ich versorgte sie, so gut es ging, allerdings habe ich mir eine kleine Erkältung eingefangen, höchst wahrscheinlich wegen des Temperaturwechsels von Chennai nach Bangalore. Auch mein Magen war nicht so gut auf mich zu sprechen heute. Zum Glück ging die Zeit schnell vorbei und wir hatten nur wenige Stunden heute. Am Nachmittag schauten wir einen Film über den Konflikt zwischen Moslems und Hindus in Indien. Schon irre, in einem Land zu wohnen, in dem es scheinbar zwischen allen Religionen, Klassen, Rassen und Kasten Konflikte gibt. Zum Glück leben wir im relativ friedlichen Deutschland.
In der Hoffnung, trotz des Gejaules von außen, gepaart mit unrhythmischem Klatschen, schlafen zu können, gehe ich jetzt ins Bett.
Montag, 2.7.09
Katrin
Der Tag war eigentlich ganz normal, bis es Abend wurde. Erst haben wir Volleyball gespielt. So langsam verstehen auch die Max und Gladwin1, was Volleyball spielen heißt. Es ist eben Movement [Bewegung] und nicht Association – das heißt man muss sich beim spielen auch bewegen. Nach dem Abendessen war ich im Internet. Mein Highlight heute war, dass ich mit meinen Eltern und meiner Schwester in Konferenz über Skype telefonieren konnte. Es tat richtig gut, sie seid einem Monat mal wieder zu hören. Leider geht das nicht jeden Tag. Obwohl das wahrscheinlich auch besser so ist. Nicht so toll war, dass ich in dem Haus, in welchem das Büro ist, eingeschlossen wurde, obwohl Licht brannte und die Tür zum Büro offen stand. Zum Glück hörte mich ein amerikanischer Gast um Hilfe rufen. Als dann auch noch wieder mal Stromausfall war und ich allein im Dunkeln stand, war der Horror für heute Abend komplett!
1 Zwei der YMCAler.
Torsten
22:05 Uhr
Die Tage am UTC fliegen nur so dahin. Schon wieder ist einer vorbei. Der Tag begann mal wieder viel zu früh, hatten wir doch eigentlich noch Schlaf nachzuholen vom Wochenende. Und statt Yoga war heute überraschenderweise Aerobics dran. Also im Tiefschlaf Sport. Der Unterricht war heute, mit Ausnahme von YMCA Studies (George Williams und die Entstehung des YMCA) recht langweilig. Am späteren Nachmittag fanden sich ein paar Leute zum Volleyball ein, hat Spaß gemacht. Das wars heute auch schon wieder, ein kurzer, schneller Tag ist zu Ende.
Sonntag, 1.7.09
Katrin
Zurück in Bangalore. Ein sehr schönes Wochenende geht zu Ende. Ich habe es sehr genossen. Nicht nur Prem wieder zu sehen, sondern auch in seiner Familie wohnen zu dürfen. Am Morgen habe ich mit Prems Frau Chappati gemacht. Danach waren wir in der St. Thomas Church [Kirche] im Gottesdienst. Dieser hat mir gut gefallen. Doch während der Predigt habe ich mich gefühlt, wie letztes Jahr im Jesuszentrum.1 Der Prediger ist nur vorne hin und her gerannt und hat ständig Halleluja geschrien. Hat nur noch gefehlt, dass die Menschen anfangen, vom Heiligen Geist erfüllt, umzufallen. Prem und seine Frau haben uns zum Abschied sehr schönen Schmuck geschenkt. Die Zugfahrt zurück nach Bangalore war eindeutig angenehmer. Denn wir konnten am Fenster sitzen und so etwas mehr Luft bekommen. Aber ehe wir unsere Sitzplätze hatten, dauerte es sehr lange. Wir waren auf der Warteliste und mussten so an allen Waggons an langen Listen gucken, ob wir noch einen Platz bekommen haben. Aber es hat alles geklappt.
1 Pfingstgemeinde in Kassel
Torsten
22:10 Uhr
Endlich wieder „zu hause“ am UTC. Seltsam, aber das UTC ist richtig unser Zuhause geworden. Eine Art Zufluchtsort in der lauten Welt.
Der heutige Tag begann mit dem Frühstück, Reis, bei Prem zu hause. Danach sind wir in den St. Thomas Gottesdienst gegangen. Ein wesleyanischer Gottesdienst mit einer charismatischen Predigt. Der Prediger redete, schrie, eine dreiviertel Stunde über die Endzeit und dass wir uns alle rüsten sollten. Genau das, was ich gerade nicht brauchte. Endzeitstimmung ist nicht gerade das, was ich gerne höre. Weil wir können sowieso nichts daran ändern, wann Jesus wiederkommt. Nach diesem Gottesdienst ging es zurück zu Prem. Dort bekamen wir Gastgeschenke überreicht. Katrin eine tolle Kette und Ohrringe, ich einen Ring. Dieser war allerdings etwas zu groß, weshalb Prem mit mir zu dem Juwelier fuhr, um einen anderen, bzw. den Gleichen, nur in einer anderen Größe zu besorgen. Bei dem Juwelier fand ich auch noch eine Silberkette, die zu meinem kleinen Kreuz, das ich mir gestern auf dem Mt. St. Thomas erstanden habe, passt. Nach dem Mittagessen (Chappatti, von Katrin selbst gemacht!!) mussten wir auch schon wieder gehen. Das Wochenende war toll, nur leider viel zu heiß. Am Strand gestern fanden wir ein paar tolle Muscheln und Sand für Oma Erika. Die Familie von Prem wollte uns am liebsten da behalten und wäre das Klima etwas kühler, die Luftfeuchtigkeit niedriger und wir keine Studenten am UTC, wären wir glatt geblieben. So nahmen wir die 6 Stunden lange Zugfahrt wieder auf, voller guter, neuer Erinnerungen und jede Menge Briefe für Kollegiaten von Prem, der immer noch gerne an die Zeit am Kolleg zurückdenkt und das Kolleg am liebsten erneut besuchen würde.
Ich brauche jetzt dringend Schlaf, am Wochenende waren die Nächte leider sehr unruhig, laut und warm. Hier am UTC ist es deutlich kühler, sehr gut für Katrin und mich. Auch unsere Magenprobleme sind fast schon wieder weg.
Samstag, 30.6.09
Katrin
Prems Frau gibt mir heute Abend einige Rezepte. Soeben hat sie mir eine Blumenkette aus Jasmin ins Haar gesteckt. Das tragen hier sehr viele Frauen. Das Frühstück war wirklich lecker. Da merkt man erst einmal, wie schlecht das Essen am UTC ist. Nach dem Essen bekam ich einen Kurs „indisch Kochen für Anfänger ganz praktisch“.
Die ganze Familie tat ihr Bestes, mir alles zu einfach und anschaulich wie möglich zu erklären. Anschließend waren wir auf dem St. Thomas Mountain. Hier war der Legende nach ein Jünger Jesu, Thomas der Zweifler. Er hat hier gepredigt und ist auch hier gestorben. Von hier aus konnte man den Flughafen von Chennai sehen und Flugzeuge, die sehr tief landeten und starteten, beobachten. Das freute vor allem Prems kleine Tochter und Torstens Fotokamera. Am Nachmittag erfüllte sich einer meiner Wünsche für Indien – einmal das Meer zu sehen. Wir waren am Marina Beach. Es war super, das Salzwasser zu riechen und an den Füßen zu spüren und im Sand barfuß zu laufen. Für Hannah, Prems Tochter war es das erste Mal, am Meer zu stehen und sie erschreckte sich fürchterlich, als das Wasser ihre Füße nass machte. Anschließend ging es im Einkaufszentrum shoppen. Hier ist es so heiß, dass uns, als wir aus dem Einkaufszentrum herauskamen, eine Hitzewand entgegenschlug.
Torsten Nachtrag vom 30. Juni
Wir sind endlich bei Prem!
Der Tag begann, wie jeder Freitag, um 6:15 Uhr mit Yoga. Gefolgt von Bible 1, zwei Vorträgen zweier Gruppen in Theologie und Ethik (Katrin + Gruppe: Interfaith in YMCA and Church, Ich + Gruppe: Prediagnosis of Embryo). War interessant, mein erster Vortrag auf Englisch. Hoffentlich folgen nicht so viele. Danach Library-Zeit, die wir allerdings mit Packen verbrachten und einer Stunde communication class bei einer Vertretungslehrerin, die über die Entwicklung von Medien von Anfang an referierte. War interessant.
Nach dem Mittagessen sind wir in Solomon Benjamins Büro, wo uns Samson (Sein Sekretär, oder besser: Botenjunge) zum Bahnhof brachte. Unser erstes Mal Zug fahren in Indien. Zweite Klasse. Pro Abteil 2 x 3 Plätze, war teilweise sehr eng und unbequem auf Dauer.
Eine dünne Matte als Unterlage war alles, was an Luxus da war und 31 Ventilatoren im Wagen. Die Zugfahrt, sehr ruckelig, dauerte mehr als 5 Stunden, eine gute Geduldsübung, da man nicht viel machen kann. Die Zugfahrt ist ein einziges Abenteuer. Der Spass ist, dass man nahezu alles im Zug bekommen kann. Von Chai, Kaffee, Blumen über Gemüse und Bücher wird vieles angeboten. Traurig, dass so viele Bettler mitfahren. Viele von ihnen könnten bei uns in Deutschland problemlos mit kaum Einschränkungen leben. So einer der Bettler, der ein amputiertes Bein hatte. Besser, ihm fehlte „nur“ die Wade. Knie und alles noch da. Bei uns könnte dieser Mann arbeiten und hätte eine Prothese und ein nahezu normales Leben. Hier gehört er zur zur absoluten Unterschicht und muss täglich hoffen, zu überleben.
Das Ankommen in Chennai war das nächste Wunder Gottes. Kurz vor Chennai betete ich zu Gott, da wir beide nicht wussten, wo wir aussteigen mussten und bat ihn, uns ein Zeichen zu geben, wann wir raus müssen. Durch Gottes Größe meldete sich ein Mitreisender, der die ganze Zeit still im Abteil saß und sprach auf Deutsch (!!!) zu uns und konnte uns sagen, wann wir raus müssen
So viel zu Gottes unendlicher Größe. Wir können hier voll auf ihn vertrauen!
Endlich in Chennai angekommen, erwartete uns Prem schon. Wir erkannten ihn sofort an der „Kommt“-Kappe. Er führte uns über den heißen Bahnhof in ein klimatisiertes Restaurant, wo wir Chappatti aßen. Danach ging es mit der Metro zu ihm nach hause. Dort angekommen, wurden wir der Verwandtschaft vorgestellt und hatten einen netten Austausch bis 23 Uhr. Nachdem wir dann geduscht hatten, war es Zeit für uns, ins Bett zu gehen, da der Tag sehr anstrengend und so voll mit neuen Eindrücken und Erfahrungen war.
Samstag, 30. Juni
22:30 Uhr
Schon wieder ist ein indischer Tag vorbei. Es war ein heißer Tag und mein Magen lässt mich etwas im Stich. Magenprobleme, die höchst wahrscheinlich vom zu wenig Trinken kommen.
Wir waren am Morgen beim Mt. St. Thomas, einem Berg, an dem angeblich der Apostel Thomas war. Die Aussicht war gut, wir konnten den Flughafen und ankommende Flugzeuge sehen. Nach dem Mittagessen sind wir an den Strand von Chennai gefahren. War super, der Sand leider verschmutzt, aber das Wasser warm, so dass wir unsere Füße ins Wasser hängen und am Wasser spazieren gehen konnten. Danach sind wir zur Shopping Mall „Spencer’s“ gegangen, wo Katrin einen Rock + passendes Oberteil und ein weiteres Oberteil gekauft hat. Steht ihr sehr gut!
Ich gehe jetzt gleich schlafen, Katrins Magen macht leider auch ein wenig Probleme. Das wird am Wetter und der hohen Luftfeuchtigkeit, gepaart damit, dass wir viel zu wenig getrunken haben, liegen. Hoffentlich geht es uns morgen wieder besser.
Also ist dem Torsten doch nichts passiert, er hat es lediglich nicht geschafft, rechtzeitig einen Eintrag zu verfassen. Bleibt gespannt, was noch alles auf Katrin und Torsten zukommt!
Freitag, 29.6.09
Katrin
Nach Yoga und Unterricht konnten wir es kaum erwarten, los zu fahren, zu Prem nach Chennai. Die Zugfahrt war sehr interessant. Ich habe mich gefühlt wie auf einem Marktplatz, nur dass wir nicht zu den Ständen gehen mussten, sondern die Stände zu uns kamen. Man konnte alles kaufen, von Gemüse, über Spielzeug, bis hin zu Büchern und Essen. Sechs Stunden Zug fahren, ist in Indien nicht gerade die relaxteste und ruhigste Sache. Auf der Fahrt haben wir Gottes Hilfe erfahren können. Wir wussten nicht, wo wir aussteigen müssen. Auf einmal fing der Mann gegenüber von uns an, fließend mit uns deutsch zu reden und konnte uns sagen, wo wir aussteigen müssen. Als wir am Abend in Chennai ankamen, sahen wir Prem sofort, denn mit seinem Kommt Festival Kapi, aus Deutschland, konnte man ihn nicht übersehen. Bevor wir zu ihm fuhren, waren wir noch lecker im Bahnhof essen. Das Essen war viel besser als am UTC. Bei Prem zu Hause wurden wir ganz lieb aufgenommen. Vier Generationen leben hier zusammen. Prem hat ein richtiges kleines Programm für uns entworfen. Die Nacht war sehr anstrengend, denn hier in Chennai ist sehr heiß und schwül. Ein komplett anderes Klima als in Bangalore.
An diesem Freitag passierte das, was in nächster Zeit vielleicht öfter passieren könnte: Ein Eintrag wurde nicht geschrieben. Deshalb gibt es heute keinen Eintrag von Torsten. Warum das so ist und ob etwas schlimmeres geschehen ist, erfahrt ihr in der nächsten Zeit. Nur so viel sei verraten: Beide Tagebuchschreiber kamen lebend aus Indien zurück!
Donnerstag, 28.6.09
Katrin
Heute war ein sehr spannender, erlebnisreicher und voller Tag. Ich habe ihn sehr genossen. Heute in der „Communication class“ haben wir unsere Andachten gefilmt. Ich bin mal gespannt, was der Dozent in der Auswertung dazu sagt. Heute Nachmittag haben wir unsere erste Deutschstunde gehalten.
Das war sehr witzig und ich glaube auch ganz gut. Es war natürlich sehr viel Stoff, aber wir haben halt kaum Zeit. Ich hoffe, dass alle gut mitkommen im Stoff. Aber sie sind ja pfiffig im Lernen. Was man von Technik nicht gerade behaupten kann. Wo es in Deutschland zwei Handgriffe braucht, um in einer Filmkamera den Film zu wechseln, braucht es in Indien drei Leute. Nach dem Deutschunterricht waren wir bei Samuel Raj Kaffe trinken, das war sehr nett. Wir haben eine Mischung aus deutsch und englisch geredet, denn seine ganze Familie spricht auch deutsch. Sie haben einige Jahre lang in Deutschland gelebt. Unser „Cold Coffee“ durfte natürlich nicht fehlen. Schließlich ist heute Donnerstag. Als wir so dort saßen, haben wir zwei Kühe über die Straße rennen sehen die na ja, …, andere Spezien würden es vielleicht nicht auf offener Straße tun.
Torsten
21:25 Uhr
Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu. Ein voller Tag. Zuerst meine erste englische Andacht, vor Publikum, dazu noch auf Video aufgenommen. Aber die Leute waren begeistert, auch wenn es sicher nicht meine beste Andacht war. Außerdem haben sie die Ironie darin nicht so sehr verstanden. Aber Ironie und Inder scheinen zwei Paar Schuhe zu sein.
Am Nachmittag hatten wir unsere erste Deutschstunde. Eine interessante Erfahrung, wir beide haben dies noch nie vorher getan. Wahrscheinlich haben wir die Jungs etwas überfordert, das Tempo ist hoch, aber wir haben nur 7 Wochen Zeit. Und wir wollen ihnen so viel wie möglich beibringen.
Direkt nach der Deutschstunde hatten wir ein Treffen mit Samuel Raj, dem Senior Tutor. Er lud uns zu sich nach Hause ein, um ein wenig mit uns zu reden. Es war eine Mischung aus Deutsch und Englisch, er war einige Zeit in Deutschland und es tat uns beiden gut, mal wieder Deutsch zu sprechen. Auch Samuel Raj spricht ein gutes Deutsch, genau so wie seine Frau und seine Töchter.
Nach dem Treffen sind wir den nun schon traditionellen Cold Coffee trinken gegangen, heute nur Femke, Katrin, Mike, Gladwin und ich. Trotzdem hatten wir eine gute Zeit mit guten Unterhaltungen.
Heute hat es das erste Mal tagsüber stark geregnet, es war schön anzusehen, da wir im Trockenen saßen. Ein starker Wind wehte und der Himmel war grau.
Am Wochenende sind wir zu Prem nach Chennai eingeladen, die Reise geht per Zug, ein weiteres Abenteuer, wir warten gespannt darauf und freuen uns auf die Möglichkeit, mehr von Indien, ein neues, anderes Gesicht Indiens zu sehen. 5-6 Stunden Zugfahrt erwarten uns, wenn alles gut geht. Wenn. Es wird gemunkelt, dass die Strecke teilweise von Regen blockiert ist und Verspätungen normal sind. Wir werden sehen. So lange wir von Gott auf dieser Reise beschützt werden, kann nichts passieren!
Mittwoch, 27.6.09
Katrin
Der Tag war sehr entspannend, aber ich bin trotzdem sehr müde, denn wir starteten um 6.10 Uhr mit Aerobic. Danach gönnte ich mir erst einmal eine schöne warme „Dusche“ – das hat man hier schließlich nicht alle Tage. Als etwas technikbewandter Mensch tut es mir in den Andachten immer wieder weh, dass ans Mikrofon geklopft wird, um zu schauen, ob es an ist. In der Morgenandacht hat ein Bischof gepredigt. Als er sich vorstellte, ist mir aufgefallen, wie viele Dozenten selbst einmal hier Studenten waren. Gemeinsam mit dem Bischof haben wir am Nachmittag Kaffee getrunken. Schade daran war, dass wir nicht zum Field Visit konnten. Ich hatte mich wirklich darauf gefreut. Zum Field Work werden wir wahrscheinlich an verschiedene Orte fahren. Aber ich hab schon gesagt, dass ich definitiv nur mit Torsten, Mike oder Mathew zusammen fahre. Als Frau hat man es hier so schon schwer. Wenn dazu noch eine neue Umgebung, neue Menschen, neue Situationen kommen, brauche ich jemanden, den ich kenne und dem ich vertrauen kann.
Torsten
22:05 Uhr
Schon ist der nächste Tag vorbei. Er begann, wie jeder Mittwoch, mit Aerobics. Anstrengend, aber gut. Durch den Ausfall von Bible 1 hatten wir heute zwei Freistunden, die ich genutzt habe, um das Assignment in Theology and Ethics fertigzustellen. In der Communication Class begannen wir, Andachten von 3 Minuten Länge aufzunehmen auf Video, um diese später analysiert zu bekommen. Die YMCA-Crew ist morgen am Zug. Mittags sollten wir eigentlich zu den Field Visits gehen, da aber der Bischof der CSI (Church of South India) zu Besuch am UTC war, hatte Solomon Benjamin eine Unterhaltung mit dem Bischof arrangiert, welche um 16:00 Uhr begann und bis etwa 17:45 Uhr ging. So viel zu der angekündigten halben Stunde. Dennoch war das Treffen interessant, da der Bischof ein wenig Deutsch konnte und in einer Mischung aus Deutsch und Englisch erzählte.
Katrin und ich sind davor in die Stadt gegangen, ein neues Handtuch für mich zu kaufen, da ich nur eines besitze. Zudem bereiteten wir noch den Unterricht für morgen vor, unsere erste Deutschstunde. Am Abend, nach der Bhajan-Practice, hatten wir das letzte „Training“ für den Suaheli-Song, den wir morgen in der Andacht aufführen. Zum Dank, dass wir (etwa 15 Leute) mitmachen, sponserte Mose Eis für alle, da er morgen die Andacht hat.
Katrin hatte heute wieder einen schwereren Tag, da Solomon Benjamin in einem Nebensatz erwähnte, dass wir für die Field Visits Ende August/ Anfang September höchst wahrscheinlich getrennt werden. Dies nahm sie sehr mit, sie beruhigte sich aber wieder. Das Problem ist, dass Frauen in Indien nicht so angesehen sind und Katrin nach wie vor, genauso wie ich, damit Probleme hat, dass es keine Gleichberechtigung gibt. Viele Männer grüßen keine Frauen oder schauen sie nicht an. Schade. Zum Glück leben wir im fortschrittlicheren Deutschland. Auf Dauer könnte ich unter diesen Umständen nicht leben!
Dienstag, 26.6.09
Katrin
Heute war / ist ein ganz besonderer Tag. Heute sind Torsten und ich ein Jahr zusammen. Ich freue mich sehr, mit ihm durch das Leben zu gehen. Deshalb gab es heute auch mal mehr Küsse und Umarmungen. Ich genieße das ja auch, aber nachdem wir drei Wochen gar keinen näheren Kontakt hatten, ist es nicht einfach, mit dem Nähe – Distanz Verhalten. Am Vormittag sind wir, nachdem Torsten, Femke und ich 1 ½ Stunden auf Solomon gewartet haben, aber das ist ja normal hier, zum YMCA Streetchildren in Crises project office [Büro des Straßenkinder in Krisen Projekt] gegangen. Dort haben wir viele Informationen über das Projekt erhalten und sind anschließend zusammen mit einem der Mitarbeiter in das zweite Heim „Murphy Town“ gefahren. Im Vergleich ist das andere Heim „Dream Home“ wirklich das „Vorzeigeprojekt“ Die Kinder waren sehr nett, auch wenn sie es wahrscheinlich faustdick hinter den Ohren haben. Eigentlich wollten wie uns diesen Donnerstag das erste Day Care Centre [eine Art Auffangstation für Straßenkinder wo sie Tagsüber hinkommen können und ein warmes Mittag bekommen] anschauen, aber das ist leider nicht möglich, weil wir in den Unterricht müssen. Erst war ich etwas verärgert und enttäuscht, weil wir ja nicht nur zum studieren hier sind, aber dann haben wir noch einmal mit Solomon gesprochen. Nun verstehe ich auch warum das so ist und kann damit auch in Frieden leben. Unsere Erwartungen sind aus dem deutschen Kontext gewachsen, wie Prem und Shamila bei uns hatten. Wir hatten wohl etwas vergessen, dass die Art des Austauschs dem indischen Kontext entspricht. Und für die Inder ist studieren eben das Höchste, da Bildung hier sehr wertvoll ist. Deshalb geht es nicht wie bei uns, das man mal in ein Fach reinschaut und am nächsten Tag wieder etwas anderes unternimmt. Die Einstellung der Dozenten ist eher „Wenn du in meinem Fach bist, dann komm auch!“. In ihrem Kontext ist das auch zu verstehen. Solomon sind da die Hände gebunden. Aber dafür werden wir nächsten Dienstagnachmittag ins erste Day Care Centre gehen. Nun kann ich Solomon besser verstehen und die Missverständnisse sind geklärt. Dieses Wochenende werden wir bei Prem in Chennai verbringen. Ich freue mich darauf ihn wieder zu sehen. Nach unserem Gespräch mit Solomon waren Torsten und ich einen „Cold Coffee“ trinken, um unseren Tag wenigstens ein bisschen zu feiern. Das war unser erster gemeinsamer Ausflug allein außerhalb des Campus.
Torsten
23:05 Uhr (!)
Es wurde spät heute. Leider. Aber es ging nicht anders. Katrin und ich hatten unsere Assignments mit unseren Gruppen vorzubereiten. Treffen leider erst nach der Bhajan-Practice. Aber vorher wäre auch nicht gegangen: Der Tag begann um 7:30 Uhr mit dem Frühstück, gefolgt von einer kurzen Zeit mit Katrin. Unsere Einjahresfeier beschränkte sich auf Küsse, die ersten seit 3 Wochen und einen Cold Coffee am Nachmittag. Zuhause werden wir ausgiebiger feiern, evtl. in der Therme und bei einem schönen Essen. Nach der ersten Stunde (Bible 1, nach wie vor langweilig) hätten wir eine Library-Stunde gehabt. Stattdessen warteten wir vor Solomon Benjamins Office auf ihn höchst persönlich, da wir mit Femke zu einem weiteren Streetchildren-Projekt gehen wollten, wozu wir Solomon Benjamins Erlaubnis brauchten. Die bekamen wir auch und schon ging es los, zuerst ins Office des YMCA [Bangalore], eine kurze Vorstellung der YMCA-Arbeit und den Sheltern. Danach in der Autoriksha zu „Children in Crisis“, wo wir einen kurzen Einblick in die Arbeit des Shelters bekamen. Zudem bekamen wir Mittagessen, welches sehr lecker war, verglichen mit dem aus der UTC-Mess [Kantine]. Nachdem wir gegen 3 zurück waren, bekamen wir noch einen Teil der New Delhi YMCA Vorstellung von Gladwin und Vinnet mit (die vom CVJM und Kolleg von Katrin und mir war gestern, ich vergaß). Danach sollten wir eigentlich den Senior Tutor Samuel Raj treffen, welcher aber leider nicht da war. So hatten wir Zeit, mit Solomon Benjamin ein kurzes Meeting über unsere Erwartungen und die des UTC-YMCA zu haben. Sehr fruchtbar, da wir mit dem reinen Studieren nicht so zufrieden sind, da wir mehr Rundreisen und evtl. Sight-Seeing, bzw. reinschnuppern in die Arbeit des CVJM in Indien erwartet hatten. Jetzt werden wir in nächster Zeit mehrere Reisen unternehmen, alle an Wochenenden.
Nach dem Meeting, das zweigeteilt war (1. Teil Katrin und ich, 2. Teil (warum auch immer) Katrin und Femke; ich spielte in der Zeit ein wenig Volleyball mit ein paar Jungs im Boys Hostel) gingen wir den Cold Coffee trinken, danach lief der Tag normal aus, ausgenommen das Meeting am späten Abend. Trotzdem ein guter Tag.
Montag, 25.6.09
Katrin
Der Morgen verlief ganz normal. YMCA Studies war echt super. Hoffentlich klappt das, dass wir morgen nicht zu Church und Society müssen, denn heute mussten wir, weil Solomon noch nicht mit ihm gesprochen hat. Morgen brauchen wir aber die freie Stunde um Deutsch vorzubereiten. Am Nachmittag in YMCA Studies hatten wir unsere Präsentation „me and my work“ [Ich und meine Arbeit], in der wir den deutschen CVJM und das CVJM – Kolleg vorgestellt haben. Ich glaube, dass war gut. Eigentlich sollten bis heute alle mit der Präsentation fertig sein, aber irgendwie waren wir die Einzigen. Da war Solomon schon etwas sauer. Nach den YMCA Studies fand das erste Hostel meeting in diesem Studienjahr statt.1 Das ist schlimmer als unsere VV am Kolleg! Ein Thema war der Hostelprayer – wenn es nach mir ginge wäre der freiwillig und ich nicht dort! Es ging darum, dass die Mädels sich in dem Raum in welchem er statt findet nicht wohlfühlen2, was ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen kann. Es geht um sie, aber sie sagen nichts dazu. Ein Mädel hat sich getraut, aber das war es auch schon. Dafür haben sich die Jungs fast die Köpfe eingeschlagen. Aber danach können sie auch wieder zusammen lachen. Zwischenzeitig war die Konsequenz, dass die Mädels ihren eigenen Hostelprayer machen sollen. Ich frage mich, wenn die Studenten es nicht einmal schaffen im Gebet eins zu sein, als Christen, dann will ich nicht wissen wie es später in ihren Familien aussieht oder schon aussieht. Nun soll es in einem Klassenraum stattfinden. Totaler Quatsch! Es ist ungemütlich. So habe ich es heute Abend ausfallen lassen und eine warme Dusche genossen.
1 Eine Versammlung aller Studierenden, in der wichtige Dinge des Zusammenlebens besprochen werden.
2 Der Raum für das Abendgebet „Hostelprayer“ befindet sich im Jungenwohnheim.
Torsten
21:50 Uhr
Seltsam, wir sind schon drei Wochen fern von Zuhause. Und trotzdem fühle ich mich noch nicht heimisch, auch wenn die Leute hier sehr nett sind. Trotzdem fehlt mir die deutsche Sprache und das „relaxte“ Deutschland. Den ganzen Tag Englisch sprechen strengt doch an, auch wenn es schon fast normal ist. Katrin und ich sind heute, immer wenn wir Ruhe zu zweit finden, gespannt auf den morgigen Tag, unser einjähriges. Wäre also Zeit, eine erste Zwischenbilanz unserer Beziehung zu ziehen. Vielleicht machen wir das morgen. Der heutige Tag war sehr entspannt, das einzige Highlight war das General Body Meeting, quasi die VV [Vollversammlung] des UTC. Fazit daraus: Ich werde mich nie wieder über die Länge unserer VVs beschweren. Beginn war um 4:30 Uhr, Ende um 7:30 Uhr. 3h VV. Zum Glück war die Versammlung aufgrund der Streitereien und Strittigkeiten sehr unterhaltsam und kurzweilig. Und zwischen drin gab es sogar Tee und Gebäck. Wäre mal eine Maßnahme für unsere VV. Nach der Bhajan-Practice studierten wir mit einigen UTClern und Mathew und Mike einen Suaheli-Song ein, mit Bewegungen und allem. Sehr lustig und unterhaltsam. Besonders Saji, der von Bewegung und Gesang keine Ahnung hat und sich dementsprechend bewegte.
Jetzt lege ich mich schlafen, warmes Wasser habe ich nach dem Abendessen genutzt um zu duschen, und freue mich auf den morgigen Tag.
Sonntag, 24.6.09
Katrin
Wieder ist ein Wochenende zu Ende. Die Zeit rast. Wir sind schon fast drei Wochen hier. Das mit dem Geld ist ganz komisch. Es kommt einem vor, als wenn man Massen an Geld ausgibt. Aber eigentlich ist es gar nicht viel.1 Daran muss ich mich echt erst gewöhnen. Es ist ein komisches bedrückendes Gefühl, das Gefühl, so viel Geld auszugeben, obwohl es ja nicht so ist. Der Tag war schön. Heute Morgen waren wir in der St. Andrew Kathedrale im anglikanischen Gottesdienst. Sehr interessant, aber die Taufen waren komisch. Total kurz und die Eltern durften nicht einmal ein paar Worte sagen. Es gab kein Bekenntnis an sich wie „mit Gottes Hilfe“ oder so und keine Taufpaten. Vor dem Gottesdienst gab es Tee. Dabei ist mir etwas sehr peinliches passiert. Ich ließ Kaffee in meinen Becher und um mich herum drängelten sich noch viele andere mit ihren Bechern. So konnte ich meinen Becher nicht ordentlich unter dem Ausschank wegziehen und ließ ihn fallen. Er war so heiß, dass ich mir die Finger verbrannte. Auch habe ich einen der Mitstudenten getroffen, aber es war zum Glück kein Problem für ihn. Ich fing an zu weinen, weil ich mich so erschrocken hatte und es wirklich weh tat, da fragten mich ein paar der indischen Jungen, warum ich denn so sensibel wäre. Sie verstehen nicht, dass Frauen Gefühle zeigen. Die meisten indischen Frauen sind passiv, kuschen und behalten ihre Gefühle für sich. Aber das ist mir egal. Ich habe zum Glück Torsten. Ohne ihn würde ich mich hier nicht wohlfühlen. Am Nachmittag war ich mit Femke in der Stadt Cold Coffee“ trinken. *lecker* Wir haben Bananen gekauft und die Verkäuferin wollte uns voll über den Tisch ziehen und uns für das Geld von einem Kilo vielleicht ein halbes geben. Aber langsam weiß ich, wie viel was kostet und daher musste sie noch ein paar Bananen drauf legen. Auch wollten wir Würfel kaufen, aber irgendwie wusste keiner was Würfel sind. Ich befürchte fast, dass sie die gar nicht kennen. Auf dem Rückweg sind wir von Straßenkindern aus den Slums fast überfallen worden. Man sollte seine Bananen eben nicht in einer durchsichtigen Tüte tragen. Wir haben einer bettelnden Frau drei Bananen geschenkt und das haben die Kinder gesehen. Aber das war OK. Kindern gebe ich lieber etwas zu Essen als Geld, denn das müssten sie ihren Eltern geben. So hatten wir zum Schluss von dem Kilo Bananen noch genau sechs Stück übrig. Als uns dann noch zwei der YMCAler begegneten hatten wir noch vier. Ich war dann noch ein wenig im ICQ, dass ist sehr gut. Ein bisschen mit Freunden aus Deutschland chatten. Ich bin wirklich sehr froh, dass wir Solomons Office [Büro] benutzen dürfen. Nach dem Gottesdienst und Abendessen haben wir dann die Bhajan – Praxis sausen lassen. Ich habe einfach keine Lust mehr darauf, jeden Tag diese Lieder zu singen. Sie sind so ungewöhnlich und den Text versteht man eh nicht. Am nächsten Wochenende wollen Femke, Torsten und ich eine Shoppingtour machen, Essen gehen und ins Kino. Mike und Mathew haben angefangen uns einen Song auf Swahili beizubringen. Das ist wirklich lustig.
1 1 Euro ~ 55 Rupien; 10 Euro ~ 550 Rupien.
Torsten
21:45 Uhr
Heute begann der Tag um 7:30 Uhr mit Frühstück, um 8:50 sind wir in die St. Andrews Cathedral zu einem anglikanischen Gottesdienst mit YMCA und BD I (Bachelor of Divinity) gefahren. Die Kathedrale ist sehr schön, insbesondere das große Buntglasfenster. Darauf sind neben Jesus St. Andrews, St. Paul, St. Peter, St. John und aus dem AT Abraham, Mose, König David und Jesaja abgebildet.
Nach der Kirche gab es am UTC Mittagessen, gefolgt von ausgiebigem ausruhen und Musik hören. Um 2:30 Uhr Bhajan-Practice, danach das erste Meeting betreffend Assignments (Theologie und Ethik: Pränataldiagnostik), gefolgt von gemütlichem surfen in Solomon Benjamins Office, während Katrin und Femke Cold Coffee trinken waren. Um 17:15 Uhr das nächste Assignments-Treffen (Womens Studies: Use of Nonsexist Language in Liturgy, Worship and daily Life) mit anschließendem Besuch bei Dr. Evangeline Anderson-Rajkumar, um den geplanten Inhalt vorzustellen. Um 18:30 Uhr Gottesdienst, danach Abendessen. Wir liessen die zweite Bhajan-Practice zu Gunsten des uploads von Indienbildern ausfallen und sind erst um 20:45 in die Chapel gegangen, um mit Mike & Mathew und einigen anderen einen Song auf Suaheli einzuüben. Sehr witzig, da man dabei tanzen muss und es strengstens verboten ist, ruhig zu sein. Auch fehlt die Melodie, „jeder singe wie er kann“!
Fühlte mich zwischendurch heute schlecht, hatte genug von Indien. Mir wäre am liebsten gewesen, wenn ich in Deutschland gewesen wäre, kein Englisch hätte sprechen müssen und lauter Weiße um mich gehabt hätte. Heute Abend ist es wieder besser. Am Nachmittag gab es, oh großes Wunder, mal ausnahmsweise warmes Wasser. Dies nutzte ich für eine ausgiebige warme Dusche. Wie sehr vermisse ich die deutschen Duschen!
You are the salt of the Earth,
if you are not salty, what are you worth?
(The Electrics)
Ich versuche jetzt, trotz Lärm draußen zu schlafen. Gott wird Ruhe und Schlaf schenken, da bin ich mir sicher.
Samstag, 23.6.09
Katrin
Der Tag war echt cool. Ich habe einfach mal länger geschlafen und das Frühstück sausen lassen. Dank des Windes, welcher mein Fenster die ganze Nacht an den Fensterrahmen knallen lies, weil man es nicht schließen kann, war ich nachts sehr oft wach. Aber man ist ja erfinderisch. Ein Stück seil und eine Wäscheklammer, das muss reichen. Waren heute in der M.G. Road. Das muss ich unbedingt wieder hin. Das ist eine der größten Einkaufsmeilen Bangalores und ich habe es tatsächlich geschafft, dort Karten mit Bangaloremotiv zu bekommen. Leider wird es wohl nichts mehr, ein Päckchen ans Kolleg zu senden. Die Post macht halt ihre eigenen Regeln. Aber wir werden versuchen, Carina ein Päckchen zu senden. Dann haben wir keinen Zeitdruck. Am späten Nachmittag waren wir bei einem Vortrag von Hans Ulco – er ist der Vorsitzende des Internationalen Konzils der Kirchen. Er hat über den interreligiösen Dialog gesprochen. Abendessen gab es bei Kentucky Fried Chicken. Mc Donalds ist besser, aber besser als Reis. Schließlich: Man lebt ja nicht vom Reis allein! Nun wollte ich abschließend noch eine schöne warme Dusche nehmen, doch es kam kein Tropfen Wasser mehr aus den Leitungen. Im ganzen Frauenwohnheim nicht!1 Ich dachte echt ich spinne! So bin ich mit meinem Eimer zu Torsten ins Jungenwohnheim und habe mir dort Wasser geholt. Das Wasser war zwar bitter kalt, aber besser als gar kein Wasser. Es ist mir echt bewusst geworden, wie wertvoll Wasser ist und dass es Luxus ist, den Hahn aufdrehen zu können und warmes Wasser zu haben.
1 Bangalore, oder zumindest der größte Teil hat keine Wasserleitungen. Dadurch muss jeden Tag mit einem
Wassertank Wasser gebracht werden. Da kommt es schon mal vor, dass es abends kein Wasser mehr gibt.
Torsten
22:25 Uhr
Die Tage rasen nur so dahin. Der heutige Samstag stand ganz im Zeichen des Nichts-Tuns. Ich stand zwar kurz nach 8 Uhr auf, um meinen knurrenden Magen zu stillen, ging aber danach wieder direkt ins Bett, wo mich Katrin in Begleitung von Femke (und deren Wäscheeimer) gegen 10:30 Uhr wieder weckten. Aus Femkes Wunsch, ihre Wäsche zu waschen, wurde aufgrund des Fehlens der Waschfrau nichts, weshalb ich heute Nacht in Begleitung von Femkes Wäscheeimer (voll) schlafe. Zum Glück habe ich genug Platz in meiner Zelle. Nach dem Wecken gingen Katrin, Gladwin, Max und ich zum Teeladen, Tee und Frühstück für Katrin (4x Tee, 1 Milchbrötchen, 1x Gebäck = rs 12) besorgen. Wieder am UTC angekommen, sind wir direkt zur Teepause gegangen. Danach viel Zeit mit Katrin in meinem Zimmer verbracht, die Ruhe hat gut getan. Außerdem haben wir das Projekt „Me and my Work“, in dem der Heimat-CVJM vorgestellt werden soll, abgeschlossen. Nach dem Mittagessen sind wir um 2 Uhr aufgebrochen zur MG-Road (Mahatma Gandhi), um dort gemütlich zu shoppen zu gehen 1 T-Shirt (Bangalore), 1 Pulli (Adidas-Fake) je rs 125. Katrin 1 T-Shirt (Bangalore) und 1 Sporthose lang (rs 125 + rs 150). Bin sehr zufrieden mit dem Pulli, gute Qualität und passt sehr gut. Um 17 Uhr sind wir in die St. Marks Cathedral, wo Hans Ucko, ein Mitglied des World Council of Churches aus Schweden zu der geneigten Hörerschaft zum Thema „Interreligiöser Dialog“ sprach. Um 19 Uhr, nach Ende des interessanten Vortrags sind wir zu Kentucky Fried Chicken gegangen (Vinnet, Gladwin, Robin, Femke, Katrin, Max und ich). Mike und Mathew waren leider beim Commisioners Office hängen geblieben, da sie noch diverse Papiere zu besorgen hatten, Haston war in Chennai und Saji war nicht mit, aus welchem Grund auch immer. Aber auch so hatten wir den zweiten guten Abend in Folge. So macht Indien direkt Spaß!
Katrin und ich haben heute eine erste Reflexion der vergangenen Tage, insbesondere des Essens gemacht, da wir immerhin schon fast drei Wochen hier sind:
1. Das Essen ist sehr einseitig und wir können den Nährwert des Reises nicht richtig abschätzen. Man isst Unmengen davon und der größte Teil davon wird verwertet.
2. Zusätzliche Nährstoffe sind essentiell, um sich ausgewogen zu ernähren. Obst ist sehr billig (für deutsche Verhältnisse) zu bekommen und schmeckt sehr gut. Zudem kann durch die Schokolade und die Kekse zusätzlich ein Ausgleich geschaffen werden.
Wir werden das Essen und die Auswirkungen auf uns weiter beobachten
Gerade (22:45) kam Katrin noch einmal herüber, bat darum, einen Eimer Wasser zu bekommen, da es im Women’s Hostel keinen Tropfen davon zu geben scheint. Auf dem Rückweg begegneten uns zwei weitere Mädchen auf der Suche nach Flüssigem.
Für mich ist jetzt Zeit, die Anstrengungen des Tages schlafend zu verarbeiten.
Freitag, 22.6.09
Katrin
Der Tag war OK., auch wenn ich fast den ganzen Tag müde war. Bei Yoga mag ich am liebsten die Übungen im Liegen. 6.15 Uhr ist einfach zu früh! Zum Glück haben wir ein Touristenvisum. Mike und Mathew1 haben ein Studentenvisum und jetzt haben sie viel Rennerei wegen den Papieren, damit sie nach elf Monaten auch wieder ausreisen dürfen nach Afrika. Unser Deutschkurs ist voll, 28 bis 30 Leute, mehr geht wirklich nicht. Wir waren „Cold Coffee“ trinken, das war sehr nett. Ich geh mehr und mehr auch ohne indische Begleitung raus aus dem Campus, aber immer mit Femke oder Torsten. Ich lerne dadurch schnell, auf was ich achten muss, wenn man eine Straße überquert, wenn man was kauft, usw. Außerdem macht es auch unabhängig.
1 Zwei Mitstudenten aus Kenia.
Torsten
22:30 Uhr
Ein weiterer Tag ist vorbei. Ein toller Tag. Heute stand die Gemeinschaft im Vordergrund, die Freunde des YMCA waren unterwegs, die Stadt unsicher machen. Da unser rituelles „cold coffee“-Trinken gestern verschoben werden musste, holten wir es heute, mit Unterstützung von Femke nach. Außerdem stürmten wir einen Schreibwarenladen (10x Faber Castel Bleistifte, 5x Kulis, 2x Kuliminen + 1 Lineal = rs 69) und den traditionellen Woodpecker (Toilettenpapier, Spitzer, Flaschenöffner [für kommende Malzbierabende (rs 5)] und Schoko).
Katrin und ich wollen einen Deutschkurs anbieten, es haben sich heute 28 Jungs (und erwartungsgemäß keine Mädchen) gemeldet. Der Kurs soll über die Zeit unseres Indienaufenthaltes gehen, immer Donnerstags von 16:30- 17:30 Uhr. Seltsam, einige der Studenten fragten uns, was sie denn dafür zu bezahlen hätten und waren überwältigt, als wir ihnen erzählten, dass wir dies kostenlos (und hoffentlich nicht umsonst) anbieten.
Eine gute Idee, die mir heute gekommen ist, die fürs Kolleg in Deutschland gut wäre und anzudenken: Das Jahresthema aufzuwerten, indem es mit Andachten verknüpft wird. D.h.: Die Texte werden teilweise festgelegt und so ausgesucht, dass sie zum Jahresthema passen. So lassen sich ganze Andachtsreihen bauen. Und vielleicht könnte man die Andachtsliste zuteilen, so dass alle gleich oft dran kommen und sich keiner davor drücken kann.
So gesehen war heute einer der besten Tage seit wir in Indien sind. Zumindest für mich.
O praise ye the Lord, all ye nations:
Praise him, all ye people.
For his mercyful kindness is great toward us:
and the truth of the Lord endureth for ever
Praise ye the Lord.
Psalm 117
Donnerstag, 21.6.09
Katrin
Und wieder ein Tag um! Ich bin super müde. Der Unterricht war OK, aber danach war es nicht so toll. Wir konnten das Paket wieder nicht senden, weil wir keine weißen Boxen bekommen haben. Hoffentlich klappt es morgen, ich habe nämlich langsam keine Lust mehr darauf. Dann hatten wir YMCA Studies, dass macht mir sehr viel Spaß. Was für eine Bedeutung eigentlich hinter dem YMCA steckt ist echt Wahnsinn! Eine Besonderheit, die hier im Gegensatz zum Kolleg wirklich sehr gut ist, ist dass hier in den Pausen die Schlangen an den Jungentoiletten und nicht an den Mädchentoiletten stehen. Es gibt hier einfach nicht genug Mädchen, damit das passieren könnte. Sehr erfreulich war, dass wir nun endlich ab nächsten Donnerstag von 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr Deutschunterricht geben können. Und wir konnten da für endlich das Fach „Church and Society“ [Kirche und Gesellschaft] canceln konnten. Am Nachmittag habe ich mich mit meiner Gruppe für den Vortrag in feministischer Theologie getroffen, aber wir waren nur zu dritt. Aber trotzdem haben wir uns schon einmal ein paar Gedanken gemacht. Am Abend war der andere Teil unserer Gruppe natürlich der Meinung, dass wir uns ja nach den Bhajans noch treffen können. Super ätzend und nun wollen sie auch noch das ganze am Nachmittag erarbeitete umschmeißen. Ich werde nicht mehr machen als mein Statement über das Thema „Gewalt an Frauen in Deutschland“. Ich habe echt keine Lust mehr auf die Gruppenarbeit. Die Inder in unserer Gruppe kommen einfach nicht aus den Startlöchern. Nächste Woche haben wir vier Präsentationen, dabei sind wir doch zum Austausch hier! Dazu bleibt leider kaum Zeit. 18.00 Uhr waren Fellowshipgroups [Hauskreise]. Das Essen war echt gut, der Rest na ja. Ich kam mir vor wie auf einem Ehemahligentreffen, denn die Dozenten und älteren Studenten haben die ganze Zeit nur Insider und Geschichten aus ihrem ersten Jahr erzählt. Es sind fast nur Leute, die ich gar nicht kenne in meiner Gruppe.1 Zum Glück war Femke dabei, dadurch war ich nicht ganz so allein. Auch sind die Gruppen (ca. 15 Leute und einige bringen ihre Familie mit) zum Unterhalten viel zu groß. Lustig war, dass jeder in seiner Sprache ein Lied singen sollte. Als sie sich so unterhielten, habe ich irgendwann abgeschaltet. Auf einmal fragte mich ein Dozent: „Das ist doch in Deutschland das Gleiche, oder?“ Ich sagte ja, auch wenn ich eigentlich nicht wusste worum es ging, aber das war mir egal. Solomon hat mich heute gefragt, ob ich nicht mal Sonntags in seiner Kirche singen möchte. Warum nicht, ist sicher interessant.
1 Anders als man es in Deutschland kennt, wird die Zusammenstellung der Hauskreise vom UTC festgelegt und werden von jeweils zwei Dozenten geleitet.
Torsten
21:40 Uhr
Der nächste Tag geht vorüber. Irre, wie schnell und doch langsam die Tage vorüber gehen. Heute war ich den ganzen Tag müde, wird höchst wahrscheinlich am Wetterumschwung liegen. Die heißen Tage sind vorbei, der Monsun ist gekommen. Es regnet sehr oft, auch wenn ich es mir schlimmer und deutlich wasserreicher vorgestellt hatte. Aber das kommt vielleicht noch. Würde mich freuen, denn dann könnte ich hoffentlich ein paar gute Bilder von den Wassermassen schießen.
Was sonst noch heute so abging:
1. Katrin hatte eine kurze Unterhaltung mit Solomon Benjamin, das Resultat ist, dass wir jetzt höchst wahrscheinlich kein Church & Society mehr haben und uns dafür auf eine Deutschstunde vorbereiten können, die wir beabsichtigen zu halten.
2. Die Fellowship-Groups [etwa: Gemeinschaftsgruppen] sind gestartet. Die sind Gruppen mit etwa 15 Personen zum informellen Austausch und eventuellen Unternehmungen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Gruppe, wir hatten viel Spaß. Dr. Evangeline, eine von zwei Dozenten, die mit in der Gruppe sind, war sehr amüsiert darüber, als ich ihr von den divergierenden Ideen von „Austausch“ von deutscher Seite (Austausch als Exkursion des Fremden Landes) und indischer Seite (Austausch als mit studieren) erzählte.
3. Das Päckchen ist nach wie vor in unserer Hand. Vielleicht morgen endlich. Solomon Benjamin ist es nicht gelungen, ordnungsgemäße Verpackung aufzutreiben. Mal sehen, was der morgige Tag im Hinblick auf diese Sache bringt.
Hatte heute mit Katrin eine kleine Auseinandersetzung, besser einen Meinungsaustausch, wie wir uns im Hinblick auf Unterricht & Assignments verhalten sollen. Meine Meinung, nur das zu machen, was wir wollen und was wir für unser Bestes sehen („Alle Assignments sind zu eurem Vorteil bla bla bla“ der Dozenten) scheint für mich eine adäquate Lösung zu sein, während Katrin doch für mehr Teilnahme, insbesondere im Hinblick auf die Studenten, plädiert. Ich halte mich passiv, helfe aber gerne mit, wenn mich jemand nach meiner Meinung fragt. Dies scheint für mich das Beste und damit komme ich im Moment sehr gut klar. Vielleicht ändere ich meine Meinung noch, aber bis dahin bleibe ich in dieser passiven Rolle.
Struggling finding
So many thoughts, feeling lonely
So many doubts, being right here
Searching You, finding You
So many people, walking ’round
So many friends, knowing me
Searching You, finding You
[Wahnsinn, wie kreativ man wird, wenn man Englisch schreibt! Das Gedicht ist auf jeden Fall aus meiner Feder!]
Mittwoch, 20.6.09
Katrin
Heute Morgen um 6.15 Uhr starteten wir mit Aerobics. Das war eigentlich ganz OK, wenn wenn da nicht ständig dieser blöde Straßenhund, der Solomon immer verfolgt, die ganze Zeit rum gerannt wäre. Der Unterricht war so weit gut. Im dritten Block hatten wir einen special guest [besonderen Gast] da, aber ich weiß leider seinen Namen nicht mehr. Er ist irgend ein hohes Tier im YMCA Bangalore. Auf jeden Fall ein ganz lieber Mensch. Eine kleine Ergänzung zu Gestern: Wir wollen für Femke eine Simcard für ihr Handy kaufen. Es dauerte eine dreiviertel Stunde! Aber das macht mir eigentlich nichts mehr aus. Es ist normal, dass alles etwas länger dauert oder später wird. Für die Inder scheint es ganz wichtig zu sein, „Wer du bist!“. So wird jeder erst mal 15 Minuten vorgestellt und die spätestens dritte Frage ist, welche graduations [Bildungsgrade] du hast. Heute war der fünfte Versuch, das Päckchen zu senden und es hat wieder nicht geklappt. Ich hoffe ich das es morgen geht. Nachdem wir im post office hier gesagt bekommen haben, dass wir die Päckchen noch in ein Cover packen müssen, sind wir also los, Cover kaufen. Sie hatten nur braune Cover. Fröhlich eingepackt gingen wir zum post office zurück und sie sagten: „Nein, es gehen nur weiße Cover.“. Daraufhin sind wir zum central post office [Hauptpost] gefahren. Dort wollte man uns doch tatsächlich klar machen, dass wir die Schokolade nicht senden können und haben sich auch geweigert, uns Verpackungsmaterial zu geben. Die erzählten die ganze Zeit: „Ihr könnt kein Obst und kein Gemüse schicken.“ Aber das wollten wir ja auch gar nicht. Hier macht echt jeder seine eigenen Regeln! Jetzt haben wir Solomon gebeten, dass er 30 cm große Boxen kauft, dann könnten wir es schicken. Heute war auch unser erstes Field Visit im YMCA Straßenkinderprojekt. Wir haben uns erst einmal alles angeschaut. Die Kinder waren sehr offen. Jedoch leben sie auch zu engen Raum. 34 Kinder schlafen in einem Raum, nur auf dünnen Decken. Im selben Raum spielen sie, essen und lernen sie. Die Kinder sind dreckig und die meisten haben Läuse. Ich hoffe, dass wir keine Läuse bekommen. Nächste Woche wollen wir dann gemeinsam mit den Indern, welche in unserer Field Visit Gruppe sind, zu den Kindern und Programm mit ihnen machen. Bin gespannt wie das wird. So was hatte ich mir mehr vorgestellt. Das wir mehr in solchen Projekten teil haben können. Vielleicht wird das noch.
Torsten
21:25 Uhr
Schon wieder ein ereignisreicher Tag zu Ende. Er begann anstrengend, mit Aerobic um 6:15. Also etwa eine Stunde zu früh. Mit dabei war ein Straßenhund, der zwischen unseren Beinen herum rannte. Zum Glück für Katrin war er nicht in ihrer Nähe. Nach der Aerobic-Einheit (30 min) ging es zum Frühstück, danach Morgenandacht über Ex 1,15-20. Leider ging der Prediger nur auf das Wort hebrews = Hebräer ein und ließ den Rest der Geschichte außer Acht. Für mich zu wenig, hätte mir eine fundiertere Predigt gewünscht. Im Unterricht: Bible 1 nach wie vor schlecht. Grottenschlecht. Schade, denn dieses Fach, insbesondere die Entstehung der Bibel, ist sehr spannend. Anstatt Theologie und Ethik hatten wir einen Menschen aus dem hiesigen CVJM zu Gast, der speziell für uns CV’ler kam um uns kennen zu lernen. Schien ein bekannter und berühmter alter Mann zu sein, auch wenn ich seinen Namen nicht mitbekommen habe (Die englische Aussprache ist bei vielen schrecklich!). Danach Communication, wie jedes Mal eine Meisterleistung der Rhetorik, zumindest für hiesige Verhältnisse. Sehr lohnenswerter Unterricht, auch wenn das Fach an sich nichts Neues bringt.
Nach dem Mittagessen war große Verwirrung angesagt. Die Field Visits sollten starten. Aber zuvor waren Dakerlin, Katrin und ich mehr auf der „Mission Päckchen“ unterwegs. Nachdem wir bei der nahe liegenden Poststation aufgrund der Verpackung des Päckchens gescheitert sind und an die Zentralpost verwiesen wurden, mussten wir dort aufgeben, da die nette Dame am Schalter nicht bereit war, unser Päckchen zu versenden aufgrund des Inhalts. Laut ihrer Regel dürfen keine essbaren Dinge außerhalb Indiens verschickt werden. Auch der Versuch, hier eine gute Verpackung zu bekommen, scheiterte aufgrund besagter netter Dame. Ein gutes Beispiel, um christliche Nächstenliebe zu üben, auch für mich ansonsten eigentlich friedfertigen Menschen.
Von unserer Mission kehrten wir gegen 14:40 zurück und mussten dann feststellen, dass unsere Field Visit Gruppe schon aufgebrochen war. So wurden wir gegen 15:45 vom Leiter des Dreamhome abgeholt (das YMCA-Street-Children-Shelter wird vom CVJM Weltbund unterstützt und deshalb sollten wir uns ein Bild davon machen) und per Taxi-Riksha dorthin gebracht. Dort trafen wir auf drei Düsseldorfer Studenten und konnten uns mit ihnen über das Projekt (sie sind dort seit März) auf Deutsch unterhalten. Nach etwa einer Stunde gingen wir wieder, nachdem wir eine kurze Hausführung bekommen hatten. Der Rest des Tages verlief Normal (Abendessen, Abendgebet, Bhajan-Übungen). Jetzt gehe ich schlafen, da ich sehr müde bin und mich kaum noch wach halten kann.
Dienstag, 19.6.09
Katrin
Der Tag war eigentlich ganz schön. Es war ein recht normaler Tag, mit viel Unterricht. Heute hatten wir die Sermon classes. In diesen nimmt man die Probeandacht der BD 4 Stundenten vom Montagmorgen auseinander. Naja, in ihrem Kontext von Studium zum Pastor wahrscheinlich ganz toll. Für mich eher langweilig. Cool war, als ich in der Mittagspause mit Femke unterwegs war. Wir haben einige Früchte gekauft. Das war eine echte Erfahrung, weil es das erste Mal für mich ohne indische Begleitung im Straßenverkehrschaos war. Aber es war nicht schlimm, ehr sehr gut. Nach einem leckeren Tee am Nachmittag waren wir mit Ruben im Postoffice. Es ist nicht so teuer wie bei den Kurieren. Es dauert zwar etwas länger, aber es kommt hoffentlich auch an. *Juhu* Leider kommt es nicht mehr rechtzeitig zur Aussendung des dritten Jahrgangs am Kolleg an, aber dann schmeckt es eben den Leuten, die noch am Kolleg sind. Und wir können es wenigstens schicken! Ansonsten war heute nichts Besonderes los.
Torsten
21:45 Uhr
Schon wieder ein Tag vorüber. An diesem Tag hat es sich nicht gelohnt, früh aufzustehen. Bible NT, Church & Society und Womans Studies waren nicht gut, gelinde gesagt. Dafür war der Abend umso besser. Nachdem wir das Abendgebet (heute ohne Sprecher, ein paar von uns sollten Zeugnis geben) und die Pflicht-Bhajan-Übungen hinter uns gebracht hatten, haben wir YMCA’s mit Unterstützung von Femke (ja, so heißt sie wirklich) eine Jackfruit gekillt.
Mir ist heute klar geworden, woran es liegt, dass ich noch immer so schnell wie möglich heim kommen will. Es liegt, so meine These, in der Abwesenheit von Zärtlichkeiten bei zeitgleicher Anwesenheit von Katrin. Soll heißen: Wenn wir uns Umarmen geht es mir besser und ich weiß, dass ich darauf nicht bis Deutschland warten muss. Dies erleichtert die Zeit hier und lässt sie mich mehr genießen. Deshalb fühle ich mich gerade sehr gut. Was ein wenig Zärtlichkeit ausmacht! Wir sollten dringend darüber reden, denn eigentlich will ich die Zeit hier genießen und nicht darauf hin fiebern, wieder nach Hause zu kommen. Heute war die erste Sermon Evaluation [Andachtsauswertung]. D.h., dass eine Andacht (die vom Montag) in drei Gruppen nach besprochen wird, dann kommen alle drei Gruppen zusammen und die Gruppenergebnisse werden vorgetragen, während der Student, dessen Andacht reflektiert und bewertet wird, anwesend ist. Auch die Lehrer geben ihren Beitrag dazu und auf Basis dieser Ergebnisse wird dann eine Note (!) vergeben. Irgendwie grausame Prozedur, der Andacht-Haltende saß mit einem Lehrer und einem Sprecher der Studierenden vor allen Anderen, wie im Gerichtssaal. Hat nur noch die Anklage und der Richter gefehlt. Seltsam irgendwie.
Morgen schaffen wir es höchst wahrscheinlich, das Päckchen in die Heimat zu senden, denn die normale Post versendet für knapp rs 600, dafür allerdings in etwa 15 Tagen. Ein Versuch ist es wert. Davon zu gegebener Zeit mehr.
Montag, 18.6.09
Katrin
Der Tag heute war eigentlich ganz OK. Yoga war lustig, mal sehen wie es weiter geht. Anschließend haben wir unseren Stundenplan bekommen. To much! [zu viel] Alle Tage bis oben hin voll. Ich frage mich, wann wir da noch Hausarbeiten schreiben sollen. Und nun auch noch die Gruppenarbeit in Feministischer Theologie. Das ärgert mich grad echt. Auch wenn es Stress ist, irgendwie ist es alles ruhiger und entspannter, lockerer. Wenn etwas heut nicht ist, dann ist es halt morgen. Kein Gemecker, warum jetzt noch Ansagen sind, usw. Aber eins weiß ich: ich werde mich in Deutschland am Kolleg nie wieder beschweren wie viel Arbeit wir haben, weil im Gegensatz zu hier ist es echt wenig. Der zweite Versuch, ein Päckchen zu schicken, ist gescheitert. Das heißt, wir hätten es schicken können, aber 2800 Rupien sind 40 Euro und das ist eindeutig zu viel für ein 1kg Päckchen mit 10 Tafeln Schokolade. Morgen wollen wir es im normalen indischen Postoffice versuchen. Die Kommentare auf die Berichte in unserem Internetblog lassen stark nach. Das ist echt schade. Seit heute ist ein Mädchen aus den Netherlands [Niederlanden] hier. Sie ist das zweite Mal in Indien, Bangalore und kennt sich hier ein wenig aus. Sie kann sogar deutsch, aber wir sprechen trotzdem englisch, damit alle anderen es auch verstehen. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass keiner der LehrerInnen unser Problem mit den vielen Hausarbeiten, Hausaufgaben und Gruppenarbeiten und dem zu vollen Stundenplan wirklich versteht. „Ja es ist doch gut für euch. Ihr bekommt doch keine Noten. …!“ Solche Sätze hören wir sehr oft. Aber wir sind doch zum Exchange [Austausch] hier. Studieren müssen wir zu Hause noch genug! Ich hoffe das wird noch besser.
Torsten
21:15 Uhr
Der erste „richtige“ Schultag liegt hinter uns. D.h. 6:15 Yoga, also 6 Uhr aufstehen. Um 7:30 Frühstück, 8:20 Morgenandacht, 9:00 Unterricht bis 13 Uhr, Mittagessen, 14:30 Unterricht bis 16:00. Danach in die Stadt, Abendessen um 19:30, 19:50 Evening Prayer [Abendgebet], 20:20 Bhajan, 21:00 Bett. Das vorneweg, nun zu den Einzelheiten.
Yoga war interessant, bin gespannt, was da noch auf uns zukommt. Verschiedene Entspannungs- und Atemübungen.
Unterricht: Begann mit CVJM-Studien. Also die Geschichte des CVJM, gepaart mit der Frage „was ist CVJM?“ Spannend, unterhaltsam, besser als in D. Danach „Freistunde“, da der Lehrer für Bibel 1 nicht erschien. Also Zeit zum Studieren. Danach Church & Society. Gäbe es die Möglichkeit, ein Fach abzuwählen, dann dieses. Trocken, kaum verständliches Englisch. Darauf folgte Womans Studies. War heute nicht so interessant, Nachbesprechung des Films. Nach dem Mittagessen CVJM-Studien, der nächste Teil. Wieder gut, Solomon Benjamin hat es drauf. Danach trafen wir ein Mädchen aus Holland, die die nächsten 1,5 Monate mit uns am UTC ist. Sehr gut, sowohl für Katrin als auch für mich. Jemand Europäisches, der uns hilft, die Tage leichter zu ertragen. Muss ein Geschenk Gottes sein. Anders nicht zu erklären. Mit ihr (deren Name mir gerade nicht einfällt, Fawke oder so) und Ruben sind wir in die Stadt, Päckchen Versuch 2. Wäre alles gut gegangen, bis es zum Preis kam. Rs 2.800 für 1kg Schokolade. Viel zu viel. Etwa 40€. Beim nächsten Kurier (TNT) „nur“ rs 1.800. Wir haben das „Unternehmen Päckchen“ vorerst verschoben, vielleicht klappt es morgen, wenn wir es mit der Post probieren. Lieferzeit 2-3 Wochen. Dafür vielleicht annehmbare Preise. Sonst bekommen sie [unser Kurs und das Kolleg] nur eine Postkarte (per Post, rs 15). Und die Schokolade bringen wie im September mit.
Nach der Stadt waren Katrin und ich im Internet, den Freunden [= alle zu Hause Gebliebenen] von dem Spaß erzählen. Danach Abendessen und Evening Prayer. Dieser Evening Prayer, bzw. die Idee, dass ein Dozent oder Studierender dem ersten Jahrgang und allen Interessierten einen biblischen Gedanken bringt, fasziniert mich und lässt Pläne fürs Kolleg wachsen. Vielleicht lässt sich der Konzept in etwas abgewandelter Form (1x/ Woche, nach dem Mittagessen?) auch am Kolleg umsetzen? Der heutige Text stand in Kolosser 3,12-17. In allen Dingen, die wir tun, sollen wir Jesus danken und ihm Bitten, uns zu helfen. Amen dazu.
Dennoch schaue ich etwas besorgt in die kommenden Tage. Voll gepackte Stunden, kaum Zeit zum Atmen. Hoffentlich machen wir viele Ausflüge, um Indien noch mehr/ besser kennen zu lernen. Mir tun unsere Kollegen leid, die trotz des vollen Stundenplans noch Hausarbeiten (Assignments) schreiben müssen und sich viel intensiver als wir auf den Unterricht vorbereiten sollen. Aber auch für uns ist der Tag voll gepackt. Einerseits bin ich froh darüber, weil so die Zeit schneller vorbei geht, andererseits können wir Indien so nicht genießen.
Sonntag, 17.6.09
Katrin
Der Tag war total voll und anstrengend. Wir starteten 7.10 Uhr mit dem Bus zur „Mura Thoma“ Gemeinde – oder so ähnlich. Die Gemeinde hatte Diamantenjubiläum. Sie ist sehr groß, hat mehrere Schulen und andere soziale Einrichtungen. Die Menschen dort und vor allem die Kinder haben mich angestarrt, als hätten sie noch nie eine weiße Frau gesehen – OK haben sie wahrscheinlich auch nicht. Nach einem zweistündigen Gottesdienst auf Kerala und Frühstück, gab es eine Feier zum Jubiläum. Erst viele Reden und dann Kulturprogramm. Verschiedene Sing- und Tanzgruppen der verschiedenen Schulen und Gruppen der Gemeinde. Auch wir haben das Programm musikalisch mit gestaltet. Nachdem Torsten das Lied „Lord I lift your name on high“ den Studenten gestern gut beigebracht hatte, konnte ich es heute dirigieren. Heute Morgen hatte ich Torsten etwas angemeckert, weil er mich nicht geholt hat als es hieß, dass wir noch das Lied üben müssen. Das war echt doof und das wollte ich auch gar nicht, aber irgendwie hatte es sich aufgestaut. Eigentlich wollte er ja nur Gutes für mich. Aber mehr als entschuldigen kann ich mich nicht. Ich will ihn unterstützen, aber ich weiß nicht, wie, denn ich weiß nur, dass es ihm oft nicht gut geht, aber nie genau warum. Er weiß es anscheinend selbst nicht. Aber das macht es kompliziert, da ich dann nicht weiß, wie ich mit ihm umgehen soll. Nachdem wir heute wieder aus der Gemeinde zurück waren, habe ich erst einmal eine Stunde geschlafen und dann war Bhajan Praxis. Das nervt langsam, es ist so oft, nach dem Abendessen noch mal. Um 18.30 Uhr war Gottesdienst. Das war eigentlich ganz nett. Ohne Gott würde ich es hier echt nicht schaffen. Vor dem Gottesdienst waren wir bei Solomon. Haben erstmal ein Erdbeereis bekommen, welches wir sogar mit einem Löffel essen durften. Wir haben den Schlüssel für sein Büro bekommen. Das ist wirklich lieb. Mein Zimmer ist jetzt auch OK und das gemeinsame Bad nutzen ist zwar sehr ekelig, aber ich wird es überleben. Morgen 5.45 Uhr aufstehen. Viel zu früh!
Torsten
21:30 Uhr
Alles, was wir heute taten, war anstrengend. Fast alles. Das Problem heute war der enge Zeitplan, das kaum aufatmen lässt. Und so sollen wir für die Woche, geschweige denn das Lernen und Studieren gerüstet sein! Der heutige Tag begann um 6:45 mit dem Frühstück, da wir als YMCA und BD11 zu einer Gemeinde fuhren. Eine Stunde Fahrt, um 8:00 begann der Gottesdienst der Mar Thoma-Kirche. Leider auf einem der vielen Dialekte [Kannada, die Hauptsprache von Karnataka], so dass wir nichts verstanden. Auf jeden Fall mit viel Weihrauch verbunden und der Bischof war da, ein alter Mann. Danach zweites Frühstück, gefolgt von sehr langen Ansprachen, da eine Jahresfeier (Diamantene – 60 Jahre) anstand. Wir waren unter Sonnensegeln untergebracht. Trotzdem war es sehr heiß. Nachdem wir diese Reden überstanden hatten und als UTC unseren Beitrag geleistet hatten ([das Lied] „Lord I lift Your name on high“), gab es Mittagessen. Unsere Abreise folgte kurz darauf. Kaum hier wieder angekommen (15:30) waren wir um 16:30 zur Bhajan2-Übungsstunde geladen. Von längerem Mittagsschlaf also keine Rede. Nachdem wir das überstanden hatten, sind wir gegen 5 zu Solomon Benjamin, den Schlüssel von seinem Office holen, da er uns die Erlaubnis erteilt hat, von dort ins Internet zu gehen, um unseren Freunden zu hause so viel wie möglich von Indien zu zeigen und so schnell wie möglich Bilder hoch zu laden. Gegen 17:45 sind wir wieder von Solomon Benjamin aufgebrochen (es gab noch Eis) und ins Internet gegangen, danach war der Sonntagabendgottesdienst (18:30). Danach Abendessen, um 20:45 Bhajan-Übung für morgen früh. Bin todmüde, was auch an meiner Schrift zu sehen ist. Katrin und mir ist heute morgen klar geworden, dass wir aufpassen müssen, wie wir miteinander umgehen. Durch eine unbedachte Äußerung von Katrin wäre es fast zum Streit gekommen. Da brauchen wir Gottes Hilfe, dass es nicht so weit kommt!
1BD: Bachelor of Divinity. Bachelor in Theologie
2Indische Lobpreismusik. Ein Vorsänger, dem alle andern nach singen. Meist mit Trommeln und einer Art Orgel in klein begleitet.
Samstag, 16.6.09
Katrin
Der Tag war sehr anstrengend und es nervt mich ein bisschen, dass ständig mal eben ein Termin dazu kommt. So hatten wir um 18.00 Uhr einen memorial god supper [Gedenkgottesdienst], weil letztes Jahr wohl eine Studentin gestorben ist. Und heute Abend nach den Bhajans müssen wir auch noch Lieder für den Gottesdienst morgen üben. So müssen wir morgen früh um 7.30 Uhr abfahren zu einem Gottesdienst. Ich glaube hier kann man nie ausschlafen! Torsten geht es heute nicht so gut, er hat irgendwie den Kulturschock angestaut. Ich mache mir echt Sorgen um ihn, würde ihm gerne etwas Gutes tun, aber ich weiß nicht, wie. Heute Morgen sollten wir um 8.30 Uhr abfahren zur Bangalore-Rundfahrt. Los ging es dann um 9.30 Uhr. Aber wen wundert es noch? Mich nicht! Die Exkursion war eigentlich ganz nett. Wir waren erst in einem botanischen Garten und dann in der Stadt. Dort haben wir uns Bibeln gekauft. Nach dem Lunch bin ich erst mal wieder schlafen gegangen. Das war auch dringend nötig. Ich muss echt mal wieder ausschlafen! Es steht so viel an nächste Woche, aber ich habe gar keine Lust und auch keine Motivation. Wir müssen auch unbedingt mal wieder Emails schreiben und Bilder hochladen. Aber irgendwie kommen wir zu nichts. Wir bekommen einen Schlüssel für Solomons Büro, so das wir jederzeit kostenlos an den PC können. In der Bibliothek kostet das Geld. Ich hoffe und bete, dass sich meine Mam nicht zu viele Sorgen macht, weil wir uns so lange nicht melden konnten. Heute Abend waren wir bei MC Donald. Das war gut und günstig. Endlich mal wieder was anderes zu Essen außer Reis! 99 Rupien (ca. 1,80 Euro) für ein ganzes MC Chicken Menü. Nun muss ich los zu den Bhajans, ich würde viel lieber schlafen.
Torsten 21:35 Uhr
Western Food. Zu indischen Preisen. Das komplette MCChicken-Menü für rs 99. Absolut irre, der Preis. Und auch das Essen. Auch wenn es mir nicht gut ging. Mental. Ein kleiner Anflug von Heimweh, gepaart mit Kulturschock übermannte mich und mir war zum Heulen zu Mute. Zum Glück, nach einer langen, heißen Dusche und Gottes Hilfe in meiner neuen Red-Letters Version [Englische Bibelübersetzung, bei der die Worte Jesu in roten Buchstaben geschrieben ist] ging es mir bald wieder besser. Auch Katrin trug ihr übriges und Möglichstes dazu bei. Ihre Umarmungen gepaart mit Gottes Wort sind unbezahlbar.
Am Vormittag hatten wir eine Bangalore Exkursion, der botanische Garten und die Bible Society waren die Höhepunkte unseres verspäteten Trips. Ursprünglich für 8:30 Uhr geplant, konnten wir nach Ankunft des Lehrers um 9:30 gegen 10 Uhr endlich starten. Schade, denn Bangalore hat sicher mehr zu bieten als diese Stellen. Zudem war die Zeit im Park leider sehr begrenzt (nur 40 Minuten). In der Bible Society, bzw. dem angrenzenden Buchladen, konnte ich mir einen lang gehegten Traum erfüllen und mir die Red Letters Version der Bibel kaufen. Für rs 370 ein gutes Geschäft. Katrin hat die Adventure Bible erstanden, aufgemacht für Kinder, aber trotzdem lehrreich für Erwachsene. Sehr, sehr gute Aufmachung, leicht verständlich. Der Trip zum MC Donalds war gut, Mike ist (fast) ausgeflippt vor Freude, eine Wonne, ihm zuzuschauen. Jetzt werde ich schlafen gehen, es zumindest versuchen, da von draußen laute Musik herein strömt. Vielleicht ist es sogar möglich, die Nacht ungestört durchzuschlafen. Die letzten Nächte war mir das aufgrund der lauten Geräusche und Gespräche nur bedingt möglich.
Freitag, 15.6.09
Katrin
Der Unterricht verlief ganz normal. Um 14.30 Uhr haben wir YMCA´ler uns getroffen und „Immer mehr“ weiter einstudiert. Nachdem wir heute Morgen schon einmal bei Solomon waren, bin ich heute Nachmittag noch einmal zu ihm. Wir haben über die Leistungsnachweise gesprochen, die gerade einfach zu viel werden. Aber er lässt da gut mit sich reden. Nun wird es auch ernst, denn unsere erste Gruppenarbeit steht bevor. Ich bin mit Stella und Solomon1 in einer Gruppe. Heute starteten wir den zweiten Versuch ein Päckchen zu senden. Mal sehen ob es dies mal gelingen wird. Hoffe es! Ich muss mich übrigens verbessern, den das Street Children Project ist jeden Mittwoch (Field Visit), wo wir im September zum Field Work sind ist noch unklar. Klar ist jedoch, dass wir im Juli Shamila und Prem wieder sehen werden. Da freu ich mich schon drauf! Heute Abend haben wir von feministischer Theologie aus einen Film über die gender issues [Charakterstreitfragen] indischer Frauen gesehen. Das war so krass! In Deutschland würde sich so etwas keine Frau gefallen lassen. Jetzt kann ich, die in meinen Augen übertriebene Einstellung der Dozentin besser verstehen. Als ich sie fragte, ob es wirklich die Realität der meisten indischen Frauen ist, nur zu funktionieren, geschlagen zu werden, usw. und sie mit „ja“ antwortete, war ich sehr geschockt. Das kann man sich gar nicht vorstellen! Nächste Woche werden wir eine Gegenüberstellung zum Deutschen präsentieren. Auch starten wir in der nächsten Woche mit dem Deutschunterricht. Voll cool – vom Student zum Lehrer. Auch stellen wir nächste Woche den CVJM Deutschland und das CVJM Kolleg vor. Es wird also eine echt volle Woche! Mein Bett ist zu kurz, Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal sagen würde, aber es ist einfach zu kurz für meine Größe!
1 Zwei BD I Studenten
Torsten
23:15 Uhr
Seit heute Abend verstehe ich die Position der Womans Studies viel besser. Durch den Film „ilayam mullim“ [Blätter und Dornen] von Regisseur K.P. Sasi, der anwesend war. Der Film zeigte die reale Welt der Frauen in Indien, insbesondere der Frauen in ländlichen Gegenden. Traurig, dass Frauen noch immer behandelt werden wie Dreck, während die Männer das verdiente Geld versaufen und verspielen. Was ich anfangs nicht glauben konnte/ wollte, wird so traurige Realität. Hier ist in Indien (und sicher auch in anderen Teilen der Welt) Aufklärungsarbeit zu leisten. Traurig. Ich bin regelrecht schockiert über diese Fakten. Dieser Film wurde als Dokumentarfilm angepriesen, die Lust, abends statt zu schlafen diesen Film zu schauen war entsprechend gering. Dass dies ein solch Augen öffnender Abend werden würde, hatte ich nicht auf der Rechnung. Auch das ist ein Teil der uns fremden Kultur. Ein schockierender zwar, aber dennoch ein Teil.
Ein anderer Teil der Kultur ist die Offenheit und die Lernwilligkeit der Inder. Heute haben wir mit Solomon Benjamin fest gemacht, dass Katrin und ich während unserer Freizeit einen Klassenraum zur Verfügung gestellt bekommen, um interessierten Indern Deutschunterricht zu geben. Wir, insbesondere Katrin, freuen uns auf diese Herausforderung. Und wir freuen uns, etwas zum Kulturaustausch beitragen zu können. Schon gestern begannen wir, unseren Freunden vom YMCA, mittlerweile 10, uns eingeschlossen, das Lied „Immer mehr“ beizubringen. Insbesondere Max und Vinnet sind begeistert bei der Sache und singen das Lied, wenn auch schief und mit grauenvoller Aussprache von ganzem Herzen mit. So ist Austausch ein gutes Erlebnis, das ich nicht missen möchte.
Langsam fühlen wir uns heimisch hier, das Problem ist nach wie vor die Sprachbarriere, Englisch zu sprechen ist die eine, leichtere Sache, jetzt sollen aber noch die Hausaufgaben in gelesener/ geschriebener Form hinzukommen. Das überfordert uns im Moment noch beide. So werden Katrin und ich es trotz allem ruhig angehen und nur da arbeiten, wo es uns Spaß macht. Für mich sind das im Moment die communication class (Weil der Dozent so sehr an Herrn Schulz erinnert, eine geniale Gabe zum Geschichten erzählen hat und so gut mit Worten spielt) und eben die schon genannten Womans studies, weil das Thema seit heute zum Greifen nah ist und für uns doch irgendwie von einem anderen Stern ist. Aber gerade das macht es interessant.
Morgen geht es zur Bangalore-Exkursion und danach mit den YMCA-Friends zum MC Donalds. Wird sicher lustig, mal was anderes außer Reis zu essen. Hoffentlich sind die Burger auch aus Weizen und Fleisch und nicht aus Reis!
Donnerstag, 14.6.09
Der Tag heute war wieder voller gemischter Gefühle. Auf der einen Seite total gut und freudig, auf der anderen Seite habe ich wieder geweint. Ich will nicht immer weinen! Ich werde es schaffen die Hausarbeiten in einer Gruppe, auch ohne Torsten, zu schreiben! Die eine Lehrerin in feministische Theologie scheint doch ganz OK zu sein und sich zu interessieren, wie es uns geht. Wie alle hier! Der Unterricht war OK, auch wenn wir jetzt noch ein Fach mehr haben. Eigentlich sollte ich heute ein Meeting mit Solomon haben. Aber Solomon hatte irgendwie noch ein Meeting gleichzeitig – auch das ist normal hier! In Deutschland wäre so etwas total schlimm. Dafür hatten wir Vorstellung der Field Visits für August/September.1 Torsten und ich können tatsächlich zusammen ins „YMCA Street children project“ [CVJM Strassenkinderprojekt] Darüber habe ich mich sehr gefreut. Nachdem wir die lesson [Unterrichtsstunde] um 18.00 Uhr endlich beendet hatten, waren wir mit den YMCA´ler zusammen „cold coffee“ [Einkaffee] trinken. Ab jetzt wollen wir jeden Donnerstag dort hingehen und jedes Mal zahlt jemand anderes. Haston ist heute als 10ter YMCA´ler zu und gestoßen. Auf dem Weg in die Stadt scherzten Torsten und Max2, dass man bei „Woodpeckers“ (Laden wo man alles kaufen kann) auch Frauen kaufen kann und man sich eine raussuchen könnte. Und Max sagte zu mir: „Erzähl es seiner Freundin, wenn er wieder in Deutschland ist.“ Ich sagte ihm, dass ich es ihr erzählen werde – er wusste ja nicht das ich seine Freundin bin. Nach dem Abendessen war heute das erste Mal „hostel prayer“, dass ist ganz nett, man singt ein paar Lieder, jemand gibt einen kurzen Input und dann wird noch zusammen gebetet. Am 2. Juli werden die physical education [Sportunterricht] beginnen. Jeden Montag, Dienstag und Freitag heißt es dann von 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr auf Richtung YMCA Bangalore. Nächste Woche ist die Introduction [Einführung] für die Field Visits, welche übernächste Woche starten. Da freu ich mich schon voll drauf! Ab Montag haben wir jeden Montag und Freitag um 6. 15 Uhr Joga und jeden Mittwoch um die gleiche Zeit Aerobic. Es ist sehr nett von Solomon, dass er Yoga mit ins 1.Term genommen hat, damit wir auch mitbekommen was das eigentlich ist. Bei den Bhajans heute Abend wollte Shakespeare mal wieder im Mittelpunkt stehen und laut mit singen. Nur kannte er den Song nicht richtig. Nachdem zweimal der eigentliche Sänger sagte er solle still sein nervte es mich sehr und ich sagte: „Shakespeare sit down and shut up!“ Alle lachten auch wenn es mir erst etwas unangenehm war, da eine indische Frau wahrscheinlich so etwas zu einem Mann nie sagen würde. Aber alle fassten es als Joke auf und daher war es einfach lustig. Wir haben angefangen mit den YMCA´lern den Song „Immer mehr“ zu lernen. Voll lustig ihre Aussprache, aber es macht Spaß ihnen etwas beizubringen, weil sie es gerne lernen wollen.
1 Eines der Missverständnisse welche sich später noch aufklären.
2 Einer der YMCA´ler aus Ooty. Hat Familie, 2 Kinder und ist schon etwas älter.
Torsten
21:55 Uhr
The Lord is gracious and compassionate,
slow to anger and rich in love.
The lord is good to all;
He has compassion in all that he has made.
Psalm 145, 8.9
Es geht mir immer besser. Auch deshalb, weil ich meine Gottesbeziehung neu entdecke. In all den Kleinigkeiten ist Gott da. Zum Beispiel in Psalm 145. Die Strophe dieses Liedes ging mir schon eine weile durch den Kopf und ich wusste, dass sie irgendwo in den Psalmen zu finden ist. Nachdem ich nahezu den gesamten Psalter durchgeblättert hatte und die Hoffnung gegen null gesunken war, half ein Stoßgebet, die Stelle zu finden. Bei allen anderen Psalmen habe ich nur die ersten beiden Verse angeschaut und dann weitergeblättert. THANKS TO GOD!
Auch die Bewahrung vor schlimmeren Krankheiten (Durchfall am Anfang der Reise mal ausgenommen) oder die Bewahrung beim Überqueren der Straßen. Er ist da und sendet seine Engel, die uns behüten. „Denn Er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten.“ Oh ja, gerade im Moment vertraue ich auf Gottes Gegenwart und Hilfe.
Der Weg zum Einkaufen treibt mir jedes Mal aufs neue Angstschweiß und lässt mich fast in Panik verfallen. Besonders nachts/ abends. Chaotisch, laut, rücksichtslos. So lässt er sich am Besten beschreiben. Ein Wunder, dass es nicht dauernd Unfälle gibt.
Oswald Chambers wird mir mehr und mehr zum Vorbild in Gottvertrauen und gerade in meiner (unserer) Situation brauche ich davon jede Menge. Und Er belohnt das Vertrauen. Jederzeit, überall, immer.
Der Monsun wird kommen. In den nächsten Tagen. Das Wetter heute war zwar warm, doch nahezu den ganzen Tag war es trüb und windig. Bin gespannt, wie oft und wie viel es regnet. Wir haben uns auf jeden Fall auf Empfehlung von Max Regenschirme gekauft, auch wenn Saji meint, dass es nur stoßweiße und nicht so oft regnet. Man wird sehen.
Die Tage scheinen einerseits zu Fliegen, andererseits scheint die Zeit still zu stehen. Seltsames Gefühl, weil doch so vertraut und unbekannt zugleich. Wir sind heute vor 10 Tagen aufgebrochen auf unsere Reise ins unbekannte Land. Und jetzt sind wir mittendrin, das Sätze formulieren fällt mir in Englisch schon fast leichter als in Deutsch. Nur mache ich mir noch Sorgen um Katrin. Ich für meinen Teil scheine den Kulturschock überwunden zu haben, aber sie hat immer noch Probleme mit Sprache und Essen. Wir alle versuchen, sie zu beruhigen und zu ermutigen, leider hat sie sehr hohe Anforderungen an sich, wie es scheint. Und so lange sie diese nicht erfüllt sieht, ist sie wahrscheinlich noch etwas confused [verwirrt]. Ich werde weiterhin für sie beten und sie mental unterstützen und so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen, sie aber dennoch immer mehr von allein lassen, zumindest bei den Unterhaltungen, so dass sie immer mehr ohne meine Hilfe sprechen muss/ kann. Ich gehe davon aus, dass diese Sprachbarriere in spätestens einer Woche und mit Hilfe der anderen UTClern behoben sein wird.
Mittwoch, 13.6.09
Katrin
Heute Morgen hatte ich wieder mal Durchfall. Der Unterricht war OK, die Einheit am Nachmittag hätte man sich auch schenken können. Ich musste mein Zimmer wechseln, da im alten Zimmer die Wand nass war und der Schimmel durch kam. Das neue Zimmer an sich ist besser, wenn die Moskitonetze endlich mal halten würden! Und an das benutzen des gemeinsamen Waschraums kann man sich sicherlich gewöhnen. Hoffe ich zumindest und versuche es mir einzureden1. Soeben fällt Moskitonetz 2 vom Fenster ab. Naja die Nacht überleb ich schon. Zumindest kommt bei den indischen Moskitonetzen nicht gleich die halbe Wand mit runter. Es war wirklich ein Krampf sie an die Fenster zu bekommen und jetzt? *arg* Momentan passieren viele Sachen die echt Kraftraubend sind, Gott lass mich doch bitte einfach mal zur Ruhe kommen! Hier auf die Straßen zu gehen ist immer wieder ein adventure [Abenteuer] für sich! So gehen die Inder wenn sie am Bahnhof auf die andere Seite der Gleise wollen nicht den Treppenübergang, sondern ziehen es vor einfach über die Gleise zu gehen. Ich dachte echte ich spinne! Aber hier ist alles möglich und es interessiert keinen! Überall sind bettelnde, oft verkrüppelte Menschen. Das ist furchtbar, und überall der Dreck, der Müll! Das ist echt nicht schön. Aber es ist eben ein dritte Weltland.
1 Ich bin ja nicht wählerisch, aber der Waschraum steht nicht nur vor Dreck, es ist auch alles verschimmelt.
Torsten
22:00 Uhr
Heute wieder ein Erlebnis: Moskitonetzeinkauf. Witzig, nervenaufreibend, erfolgreich. Auch wenn das Klebeband nicht unbedingt das Beste ist. Mal sehen, wie das Problem zu Katrins Gunsten gelöst werden kann. Auf jeden Fall hat sie ein neues Zimmer, weil im alten die Wände anfingen zu schimmeln. Höchst wahrscheinlich wird sie dieses auch für die nächsten 90 Tage behalten. Ansonsten ein ruhiger Tag, sofern man von ruhigen Tagen sprechen kann.
Ermutigende Mails und Kommentare von zu hause, sie denken an uns, das tut sehr gut und lässt das Leben erträglicher sein. Ich fühle mich gut heute, ermutigt davon, dass es gut läuft und zumindest bei mir alles glatt läuft. Keine Probleme mit Zimmer, Essen, Darm. Allerhöchstens mit den Nachbarn. Geiger (nicht unbedingt der beste Spieler) trifft auf indische Folklore. Um kurz nach 10. AAAAHHH! Na ja, werde noch ein bisschen lesen und dann schlafen.
Anbei: Die nächsten 20l sind leer. Also haben Katrin und ich in knapp 10 Tagen 40l Wasser getrunken. Irre. Ok, 8 oder 9 Liter sind noch da. Aber 32 Liter sind viel. Denke ich.
Donnerstag, 12.6.09
Katrin
Es war ein sehr anstrengender Tag, voller Lachen und enttäuscht sein. Heute Morgen nach der Andacht wusste mal wieder keiner, was für Unterricht wir haben. Schließlich hatten wir dann spontan, weil der Referent gerade im Haus war, eine Stunde leadership [Leiterschaft]. Danach hatten wir frei und waren in der Bibliothek. Dort haben wir nach ordentlichen Definitionen für „Society“ [Gesellschaft] gesucht. Dann Church and Society und vorher waren wir noch kurz bei Solomon. Ich habe heute schon wieder geweint, weil ich so enttäuscht war, dass ich so wenig im Unterricht verstanden habe. Eigentlich will ich gar nicht weinen, aber der Kulturschock sitzt tief! Naja, eine Studenüberschneidung hatten wir heute auch noch, so wurde ein Fach einfach auf den Nachmittag gelegt. Da würden in Deutschland erstmal alle protestieren. Aber hier – ich frage mich ob hier überhaupt irgendjemand einen Terminkalender hat. So hatten wir nach der Mittagspause (die ist hier sehr wichtig, um den Tag zu überstehen) woman studies. [feministische Theologie], das war sehr interessant. Das Fach trifft zwar nicht unbedingt auf unsere Kultur zu, aber hier voll! Die Dozentin hat uns versucht, klar zu machen, dass male und female [weiblich und männlich] sich nur im Geschlecht und nicht im gender [Charakter] unterscheiden. Das Fach finde ich für die Inder sehr, sehr wichtig. Was mich etwas nervt ist, wenn Gott im Gottesdienst oder in der Andacht mit „Gott unsere Mutter“1 angesprochen wird. Das ist mir doch zu feministisch. Danach hatten wir Coffeetime [Kaffeepause]. Die gibt es morgens und nachmittags, Der Kaffee und Tee hier sind super lecker. Von 16.30 Uhr bis 17.45 Uhr hatten wir dann noch eine Einheit „Relationship“ [Beziehungen]. Naja das meiste was wir hier im Unterricht lernen, hatten wir schon am Kolleg. Die feministische Theologie ist neu. Heute Nachmittag ging es besser mit verstehen. Danach waren wir mit Ruben2 in der Stadt. Wir wollten sweets [Süßigkeiten] nach Deutschland schicken. Aber als wir mit dem fertigen Päckchen am Schalter standen, sagte man uns, dass wir hier keine offenen Süßigkeiten nach Deutschland schicken können. Das war echt doof! Ruben hat sich 1000 Mal entschuldigt, aber er konnte ja auch nichts dafür, er konnte es ja nicht wissen. Auf dem Rückweg fragte er uns „Hast du einen Freund/Freundin in Kassel?“ Wir sagten ja und fingen an zu lachen. Er fragte, warum wir denn so lachen würden. Da zeigte ich ihm ein Foto von meinem Freund. Und er musste auch lachen. Es sollte nur kein anderer wissen, da ich sonst nicht mehr ins Boyshostel [Jungenwohnheim] könnte. Naja, die Süßigkeiten gab es dann für alle zum Abendessen, dass war auch nett. Das Chaos auf den Straßen konnte ich heute sehr nah mit einem Windhauch spüren, als mich fast ein Motorrad mitgekommen hätte. Es ist aber nichts passiert.
1 Durch die verschiedenen Charaktere, welche in Indien Mann und Frau sehr stark zugeordnet werden, sprechen einige Gott auch als Mutter oder als Eltern an, weil so sowohl Charaktereigenschaften des Mannes, als auch der Frau auf ihn übertragen werden.
2 Einer der Studenten. Sehr weltoffen und relativ westlich geprägt. (Einer der Wenigen)
Torsten
21:20 Uhr
Bin hundemüde heute. Es war ein anstrengender, verwirrender Tag. Spontan heute morgen eine Einheit über Leadership [Leiterschaft]. Gut, leicht verständlich, bereichernd. Als Leiter soll man kein Boss, sondern Diener sein. Mit allem, was dazugehört.
Die Stunde „Christ und Gesellschaft“ brachte nichts Neues, langweilig.
Die Stunde „Womans Studies“ [oder Feminist Theology] war interessant, besonders die Erkenntnis, dass es in Indien (und auch in abgeschwächter Form in Kenia) noch immer starke Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Deshalb interessant und kulturell bereichernd.
Die Bibliothek, deutsche Abteilung, scheint nicht so gut sortiert wie angenommen. Wenige Bücher, noch weniger lesenswert. Schade.
Wir wollten am Abend endlich ein Päckchen nach D ans Kolleg schicken. Hatten Sweets gekauft, schön einpacken lassen. Am Courierstand dann Ernüchterung. Offene, verderbliche Ware wird unter keinen Umständen versandt. Bin sehr traurig darüber, auch wenn wir mit den Süßigkeiten den Studenten am UTC den Abend versüßen konnten.
Das Problem an meiner Trauer: ich kann sie kaum offen zeigen, Katrin ist immer noch angeschlagen mit dem Kulturschock. Ich weiß nicht, ob sie mich in Tränen zusätzlich ertragen könnte. Ich will sie nicht noch mehr beunruhigen, will sie eher ermutigen und trösten. Also versuche ich, stark zu sein. Blöd.
Mittwoch, 11.6.09
Katrin
Der Tag war sehr anstrengend, aber schön. Es ging sehr chaotisch los, als wir uns 6.15 Uhr zu Aerobic trafen. Nur irgendwie war kein Lehrer da. Also sind wir in Sportsachen erst einmal an der Straße einen Tee trinken gegangen und haben dann „Volleyball“ gespielt. Mit einem Fußball! Na ja unter Volleyball verstehe ich eigentlich etwas anderes, aber es war lustig. Die meisten der YMCAler spielen entweder nach alten oder nach gar keinen Regeln, aber wir bemühen uns, es ihnen zu lernen. Nach dem Frühstück war morning devotion [Morgenandacht]. Man merke, nach der Andacht sind Ansagen. Dann ging das Chaos erst richtig los, denn weder Solomon noch wir wussten, welchen Unterricht wir haben und wenn ja, welchen, oder ob wir frei haben. So hatten wir dann um 10.00 Uhr Bible 1 – New Testament [Bibel 1 – neues Testament], auch wenn er nur übers Alte Testament gesprochen hat, aber gut … Danach sollten wir eigentlich frei haben, aber auf einmal hatten wir doch Unterricht. Das hat mich geärgert, da ich gerade am Mails schreiben war. Der Vormittag endete mit „Church ans Society“ [Kirche und Gesellschaft], und Feminist Theology [feministische Theologie], dass war … ich bin skeptisch. Was echt doof ist, dass alle Lehrer und Studenten glauben, dass wir richtig mit studieren, aber das ist nicht unsere Absicht. Schließlich haben wir auch Ferien (zumindest in Deutschland). Da müssen wir noch mal mit Solomon reden. Wir würden gern 1 – 2 mal die Woche Deutschstunden anbieten. Ein paar einfache Sprachkenntnisse, Lieder, Zahlen, … Mittag war ich voll platt.
Aber nach dem Essen ging es direkt weiter! Um was es ging habe ich leider nicht richtig verstanden , weil ich so müde war. Vor dem Essen habe ich noch eine Runde Badminton gespielt. Es ist gut, zu sehen wie einige Jungen mich immer mehr anerkennen, denn die meisten indischen Mädchen sind nicht so sportlich und selbstbewusst. Ich kann mich zwischen den ganzen Jungen ganz gut durchsetzen. Nach dem Abendessen war wieder Bhajan – Praxis. In meinem Zimmer ist eine Wand feucht. Das ist nicht gerade gesundheitsfördernd! Was mich momentan stört ist, dass ich in den letzten Tagen oft den Tränen nah bin, weil ich einfach so fertig bin, alles neu ist … ich hoffe das legt sich.
Torsten
21:30 Uhr
Habe gerade noch Emails geschrieben. Auch wenn die Antwort nicht wirklich da ist, ist es ein gutes Gefühl, die Heimat zu verbinden mit dem „Hier“ am UTC in Indien.
Indien ist ein zwiegespaltenes Land: Einerseits im 21. Jahrhundert, was den technischen Fortschritt, andererseits in der Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert, was das Leben angeht. Arbeitslosigkeit, Slums, Klassenunterschiede. All dies ist bemerkbar, ebenso die hygienischen Verhältnisse. Ich will nicht wissen (oder gerade doch?), wann das Klo/ Bad der Jungen (und Katrin berichtet ebenso vom Frauenbad) geputzt wurde! Oder der allgegenwärtige Müll. Keiner schert sich darum, außer die Ratten, Kakerlaken und die Hunde.
Und dennoch hat jeder Inder, der einigermaßen wohlhabend ist, ein Handy und hat es eigentlich dauernd in der Hand. Seltsamer Kontrast.
Heute war unser erster Schultag, d.h. eine Stunde Bibeleinführung. Alter Hut, nichts neues, aber dennoch interessant, dies alles auf Englisch zu hören. Eine Stunde „Christ and Society“ [Christ und Gesellschaft], der Dozent scheint nicht viel vom YMCA zu halten, was man an seinen Bemerkungen erkennen kann. Schade, da er auf dem Gebiet nur ein gefährliches Halbwissen hat, wie es scheint. Vielleicht können wir ihn ja vom Gegenteil überzeugen oder wir haben seine Ausführungen nur missverstanden. Und zu guter letzt ein Block (50min) „Feminist Theology“ [Feministische Theologie]. Ich weiß noch nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll.
Nachmittags in Solomon Benjamins Office ein Mann, Anwalt. Erzählte uns in schnellem, schwer verständlichem Englisch von den Gesetzen und dem Behördenapparat in Indien. Zum Glück nach einer Stunde vorbei.
Den Abschluss bildete eine Einführung in die Bücherei, da sie eine der größten in Asien ist. Leider wenig Zeit. Allerdings lud uns die Bibliothekarin ein, jederzeit mit Fragen wiederzukommen. Dies haben wir vor, hat die Bibliothek doch eine deutsche Abteilung!
Dienstag, 10.6.09
Katrin
Heute war ein voller, aber schöner Tag. Am Morgen waren wir in der römisch-katholischen Kirche. Nachdem dort ein hindusprachiger Gottesdienst stattfand, war um 9.45 Uhr der Englische. Danach folgte noch einer in Tamil. Die Kirchen hier sind sehr voll. Die meisten Kirchen, und hier gibt es viele Kirchen, haben Sonntags 4-5 Gottesdienste in verschiedenen Sprachen1. Diese sind alle voll. Vor der Kirche, wie überall in Bangalore, waren viele bettelnde Menschen. Das ist ein sehr großes Problem hier und du musst lernen, es zu ignorieren, denn du kannst nicht jedem etwas geben. Nach dem Gottesdienst haben wir uns frisch gepresste Fruchtsäfte gegönnt. Sehr lecker und super günstig. Einer hat 15 Rupien gekostet, also ungefähr 25 Cent. Am Nachmittag war Eröffnungsveranstaltung zum neuen Studienjahr am UTC. Erst war ein Willkommens-Kaffeetrinken, dann eine Rede des Principials [Direktor]. Es wurden alle neuen Studenten und Dozenten vorgestellt. Zur Eröffnung haben wir mit 6 anderen Studenten 4 Lobpreislieder gesungen. Diese haben wir gestern und heute einstudiert. Es ist super, von Anfang an integriert zu werden, obwohl wir erst eine Woche da sind. Thank you god for this! [Danke Gott dafür!] Um 18.30 Uhr war Eröffnungsgottesdienst. Er war gut, gute Lieder, gute Gebete, nur die Predigt war ein bisschen lang. Das Abendmahl war an sich sehr gewohnt, nur das nicht alle im Kreis stehen blieben bis zum Abschlussspruch, sondern wer fertig war, ging auf seinen Platz und der nächste rückte an die leere Stelle im Kreis. Beim Abendessen brachten die Studenten ihre Schlachtrufe zum Besten. 20.45 Uhr trafen wir uns, um „ein Lied“ zu lernen.2 Das soll nun jeden Montag und Donnerstag für den ersten Jahrgang und die YMCAler stattfinden. Es war ein sehr voller, aber schöner Tag! Ach ja, und zum Empfang haben wir gleich unsere neuen traditionellen Sachen angezogen. Das war sehr ungewohnt.
1 Indien hat 18 Staaten. In jedem Staat gibt es eine eigene Sprache. Dazu kommen um die 40.000 Untersprachen, Dialekte, … Da Bangalore eine Multikulturelle Stadt ist und sehr viele Sprachen aufeinander treffen, haben sie Kirchen Gottesdienste in unterschiedlichen Sprachen.
2 Bhajan singen – indische christliche Lobpreismusik.
Torsten
22:00 Uhr
Nur noch 3 Monate. Ich weiß nicht richtig, ob ich mich darüber freuen soll oder traurig bin? Das wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Heute, Sonntag, waren wir in unserem ersten englischen Gottesdienst und für mich war es das erste Mal in einem römisch-katholischen. Zwei Premieren auf einmal.
Das Essen schmeckt mir immer besser, die Portionen werden deutlich größer, auch lasse ich mir den Teller ein zweites Mal füllen. Ein erfreulicher Fortschritt.
Nachmittags war der Director’s Tea, wo alle Studenten, ausgestattet mit Namensschildern, zusammenkommen, Tee/ Kaffee trinken und Gebäck (eins süß, eins eher salzig/ scharf) bekommen, danach ist die offizielle Jahreseröffnung des UTC mit Ansprache, welchen neuen Lehrer da sind, welche nicht mehr da sind und die Vorstellung der neuen Ersties des UTC in allen Bereichen (Theologie Master und Bachelor, YMCA). Danach ist der Eröffnungsgottesdienst. Gute Predigt des Schulleiters über „Channels of Life: Engaging with life-affirming, life-negating and life-renewing realities“ [Wege des Lebens: sich mit Lebensbejahenden, Lebensablehnenden und Lebenserneuernden Realitäten beschäftigen]. Dies ist zugleich das Jahresthema am UTC.
Heute Abend war noch „sermon practise“, was bedeutet, dass die Ersties ein Lied lernen in Tamil, der local language. War sehr lustig, da wir kein Wort verstanden haben. Allerdings ging es vielen (oder den meisten?) anderen ebenso, was beruhigend war. Dort traf ich auch Sam wieder, wir hatten heute schon einmal ein Gespräch. Er hat ein Jahr Deutsch gelernt und ist heiß darauf, es mit mir/ uns zu lernen. Im Gegenzug dazu bringt er uns bei, auf traditionellen Trommeln zu spielen (Deren Namen ich vergessen habe, die aber zwischen rs1500 und rs2500 kosten und so eine ziemlich sichere Anschaffung sind). Bleibt nur die Frage, wie wir sie nach D bekommen, höchst wahrscheinlich per Post1.
Alles in allem ein ermutigender Tag, hoffentlich gibt es mehr davon. Morgen beginnt der first term [das erste Trimester]. Bin gespannt, was uns erwartet.
Dinge, die ich/ wir in Deutschland wieder machen wollen:
1. Duschen. Lange, heiß, ausgiebig.
2. Kacken [Aufs Klo gehen]. Auf einem sauberen Klo.
3. Burger. Mit Fritten. Kein Reis.
4. Schlafen. Matratze, Lattenrost. Keine Metallplatte
5. Knutschen. Ohne Tabus. Drei Monate nachholen.
1 Das Vorhaben wurde allerdings nie in die Tat umgesetzt.
Montag, 9.6.09
Katrin
Der Tag war sehr gemischt. Samstags gibt es immer um 8.oo Uhr Frühstück. Es gibt immer sehr früh Frühstück. Sogar Sonntag 7.30 Uhr. Das Essen war gut, es gab Toast mit Butter und Marmalade, aber nur als Ausweichmöglichkeit. Nachdem wir e-mails geschrieben hatten, habe ich noch ein bisschen geruht. Um 11.00 Uhr habe ich mein „indisches Fahrrad“ abgeholt, aber es ist viel zu groß. Wahrscheinlich werde ich auf einem Gepäckträger mitfahren müssen. Ein bisschen Angst habe ich davor, weil wir auf der Strasse fahren müssen. Mittags sind wir in die Stadt gefahren, um uns traditionelle Sachen zu kaufen. Es war sehr heiß, sehr viel Autos, überall Menschen, ein Shop am nächsten, … Als Ruben1 von einer Autorikscha angefahren wurde, war das nicht so lustig, aber es ist zum Glück nichts weiter passiert. Die Autofahrer nehmen keine Rücksicht! Nach dem Mittagessen haben Torsten und ich leckere indische Mangos gegessen. Als er sagte, dass wir zu viel zusammen hängen, war ich erst Mal geschockt. Aber es hat sich geklärt. Für ihn, sowie auch für mich ist das Nähe – Distanzverhalten recht schwierig, weil wir Berührungen und wenn es eine Umarmung ist, sehr vermissen2. Am Nachmittag waren wir bei Solomon zum Kaffee trinken. Es ist so gut, dass er da ist, er hilft uns wo er kann. Es ist immer noch etwas schwierig alles in Englisch zu verstehen und zu sagen, aber es wird immer besser. Anschließend waren wir im Gemeinschaftsraum des Männerwohnheims und haben mit ein paar BD 43 Studenten gesungen. Es war wundervoll, denn die meistens Lieder kannte ich. Damit wir ihnen auch neue Lieder beibringen können, wollen wir Henne bitten, dass er uns seine Liedermappe von den Stillen Tagen4 mailt. Heute ist mit wieder einmal bewusst geworden, dass aus unserer Verzweiflung nur Gott helfen kann und das er uns schützt, egal was kommt.
1 Einer der Studenten am UTC
2 Wir halten unsere Beziehung geheim, da es gegen die indische Kultur verstößt unverheiratet zusammen zu sein. Wenn alle es wüssten dürfte ich ihn nicht im Männerwohnheim besuchen und wir wahrscheinlich vieles nicht zusammen machen.
3 Der vierte und letzte Bachelore Jahrgang am UTC.
4 Gemeinsame Tage mit unserem Jahrgang am CVJM – Kolleg im Mai 2007.
Torsten
21.00 Uhr
Abends fühle ich mich traurig, schlapp, irgendwie verzweifelt. Vielleicht Heimweh. Auch wenn das Essen heute besser war, brauche ich noch Anpassungszeit hier in Indien. Ich habe seitdem ich heute Badminton gespielt habe, Magenkrämpfe, kann aber nicht aufs Klo.
Seit heute habe ich neben unserem Trinkwasserreservoir (20l) auch noch ein Fahrrad in meinem Zimmer stehen. SO ist immer weniger Platz, aber da ich das Zimmer sowieso nur zum Klogang, Wasser auffüllen und lesen/ schlafen im Bett nutze, geht es. Heute Morgen waren wir mit den Kenianern und zwei Indern in Bangalore einkaufen. Sowohl Katrin als auch ich wurden fündig. Es war lauf, überfüllt und sehr gefährlich, über die Straßen der engen Marktstraßen zu laufen. Alles ist so chaotisch, es scheinen kaum Regeln zu existieren!
Da heute Samstag ist, hatten wir einen ruhigen Tag, ohne Anstrengungen oder Hektik. Ich habe Probleme, meine Gefühle zu Katrin zu kontrollieren. Einerseits würde ich am liebsten die ganze Zeit mit ihr verbringen, sie im Arm halten, umarmen, küssen. Andererseits, da dies hier nicht gern gesehen ist, verunsichert mich jede Berührung, löst sie doch die Sehnsucht nach mehr aus. Deshalb wäre es heute fast zu einem Streit zwischen uns gekommen. Schade, weil wir beide uns gerade jetzt so sehr brauchen und viel auf den anderen bauen. Ich hoffe, diese Probleme lösen sich so schnell wie möglich und nicht erst im September.
Der Höhepunkt des Tages war der Abend, bei dem wir, auf der suche nach Beschäftigung, im common room gelandet sind, wo einige Studenten den Director’s Tea für morgen vorbereiteten und die Lieder aussuchten. „We want to see Jesus liftet high“ und „Lord I lift your name on high“ waren uns bekannt und so konnten wir Völkerübergreifend singen zu dem Einen, den wir alle über alles Lieben und der Katrin und mir im Moment so viel Kraft gibt. Praise him!
Zum Völkerübergreifenden: Heute Morgen haben Katrin (D) und Mathew (Kenia) sich die Hand in Indien gereicht. Schwarze Hand trifft weiße Hand, ein Bild mit Symbolwert. Wir hoffen, Mathew und Mike nach Deutschland einladen zu können.
Sonntag, 8.6.09
Katrin
Ich möchte den Psalm 31 hier aufschreiben, weil ich die Erfahrung mache, dass Gott mir sehr hilft.
In Gottes Händen geborgen
“Ein Psalm Davids, vorzusingen.” HERR, auf dich traue ich, / lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit! Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest! Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Du wollest mich aus dem Netze ziehen, / das sie mir heimlich stellten; denn du bist meine Stärke. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott. Ich hasse, die sich halten an nichtige Götzen; ich aber hoffe auf den HERRN. Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum. HERR, sei mir gnädig, denn mir ist angst! Mein Auge ist trübe geworden vor Gram, matt meine Seele und mein Leib. Denn mein Leben ist hingeschwunden in Kummer und meine Jahre in Seufzen. Meine Kraft ist verfallen durch meine Missetat, und meine Gebeine sind verschmachtet. Vor all meinen Bedrängern bin ich ein Spott geworden, eine Last meinen Nachbarn und ein Schrecken meinen Bekannten. Die mich sehen auf der Gasse, fliehen vor mir. Ich bin vergessen in ihrem Herzen wie ein Toter; ich bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß. Denn ich höre, wie viele über mich lästern: Schrecken ist um und um! Sie halten Rat miteinander über mich und trachten danach, mir das Leben zu nehmen. Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen. Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte! HERR, lass mich nicht zuschanden werden; denn ich rufe dich an. Die Gottlosen sollen zuschanden werden und hinabfahren zu den Toten und schweigen. Verstummen sollen die Lügenmäuler, die da reden wider den Gerechten frech, stolz und höhnisch. Wie groß ist deine Güte, HERR, die du bewahrt hast denen, die dich fürchten, und erweisest vor den Leuten denen, die auf dich trauen! Du birgst sie in deinem Schutz vor den Rotten der Leute, du deckst sie in der Hütte vor den zänkischen Zungen. Gelobt sei der HERR; denn er hat seine wunderbare Güte mir erwiesen in einer festen Stadt. Ich sprach wohl in meinem Zagen: Ich bin von deinen Augen verstoßen. Doch du hörtest die Stimme meines Flehens, als ich zu dir schrie. Liebet den HERRN, alle seine Heiligen! Die Gläubigen behütet der HERR und vergilt reichlich dem, der Hochmut übt. Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des HERRN harret!
Heute war ein sehr schöner Tag, solange gewöhne ich mich an alles. Auch wenn mein Magen sich heute gemeldet hat, jetzt geht es schon wieder besser. Am Vormittag haben wir uns (CVJM Jahrgang und Solomon Benjamin) getroffen. Nachdem wir fast eine Stunde auf Solomon gewartet haben, das ist normal hier, dass man viel wartet, hat er uns einiges über the first term [das erste Semester] erzählt. Am Nachmittag waren wir in der communication class, es war wieder sehr langweilig! Danach sind ein paar Jungs vom YMCA Jahrgang, unsere beiden Kenianer1 und ich in die Stadt gegangen, um einiges einzukaufen. Es ist so anders als in Deutschland. Die „Taxis“ (Autorikschas) haben drei Räder und sind offen. Überall, wo es nur geht, leben Menschen. Überall sind Slums, Kinder und Frauen die betteln, Kinder die Dreck spielen, überall stinkt es und ist sehr dreckig. Die Läden erkennt man erst, wenn man weiß, dass dort Läden sind. Die meisten sind offen und ohne Tür, ohne Glasscheiben, du sagst, was du haben möchtest und sie geben es dir. Es ist alles sehr billig, z.B. habe ich für drei Handtücher 50 Rupien bezahlt, das ist nicht mal 1 Euro. Heute hatte ich auch etwas Zeit in die Noten für die Oper zu schauen. Ich glaube das bekomme ich gut hin. Shakespeare hat mich heute gefragt, ob ich ihm ein bisschen Klavier beibringe und er bringt mir dafür traditionelle indische Lieder bei. Überhaupt sind alle sehr helpfull und carefull [hilfsbereit und fürsorglich]. Morgen gehen wir mit zwei von den Mädels einkaufen. Wir wollen uns traditionelle indische Kleidung kaufen, das wird sicher lustig. Hier gibt es auch die Angewohnheit, wenn man zusammen in der Stadt ist, das man allen eine Kleinigkeit ausgibt. Als ich mich bei Max2 für die Hilfe beim Einkaufen bedankt habe, sagte er: „Wir 10 Leute vom YMCA College sind eine Einheit und halten zusammen und helfen einander.“ Das ist echt super!
1 Mike und Matthew, vom YMCA Kenia
2 Einer der YMCA Studenten
Torsten
21:15 Uhr
Uns geht es mental viel besser. Nur hat heute der Durchfall eingesetzt, zum Glück haben wir genügend Mittel dagegen. Ich fühle mich den ganzen Tag müde, voll und eben die Magenprobleme (Bauchweh), zum Glück nur ganz kurz Durchfall.
Ansonsten war es ein sehr ruhiger Tag heute. Nach dem Frühstück wollten wir zur communication class, die aber aufgrund des Gesprächs mit dem Direktor ausfiel. Dieses Gespräch mit dem Direktor sollte um 10 Uhr beginnen. Alle YMCA’s (9, davon Katrin als einzige Frau), waren im Büro anwesend, nur Solomon Benjamin ließ auf sich warten. Gegen 11 Uhr war dann die erste Spur von ihm zu sehen, 11:15 Uhr kam er dann endlich. Er sprach vom kommenden Term, also den drei Monaten, die vor uns und den Anderen liegen. So klärten sich einige Fragen. Wir (Katrin und ich) müssen keine Tests mitschreiben und das Programm wird höchst wahrscheinlich nicht ganz so anstrengend. Das ist uns beiden recht, da direkt nach den drei Monaten unser Studium im dritten Jahr losgeht. Irgendwie fühle ich mich seltsam im Moment. Heimatlos. Irgendwie allein. Auch wenn Katrin da ist, ich weiß, dass Gott da ist, fühle ich mich allein und leer. Klein und hilflos in der großen weiten Welt. Ich hoffe, dass diese Gefühl in den nächsten Tagen nachlässt. Ansätze dafür sind vorhanden. Wir haben viele Gespräche über Deutschland oder unsere Kultur im Allgemeinen. Es ist sehr spannend, sich damit auseinander zu setzen. Woher wir eigentlich kommen und zu sehen, dass es so viele andere Kulturen gibt. Allein aus Indien, wo jeder Teil eine eigene Kultur, anderes Wetter oder andere Essgewohnheiten hat. Auch die beiden Kenianer erzählen so viel Spannendes aus ihrem Heimatland und fangen schon an zu planen, dass wir sie in Kenia oder sie uns in Deutschland besuchen kommen. Das wäre sehr spannend für beide Seiten, genauso für den CVJM International. Mehr davon ein anderes Mal, viele Tage sind noch mit Leben zu füllen, hoffentlich schöne Tage, bei denen ich mit einem besseren Gefühl ins Bett gehen kann als heute. Noch fehlt mir good old Germany. Hoffentlich nicht mehr so lange!
Samstag, 7.6.09
Katrin
Heute war ein anstrengender, aber interessanter Tag. Aber momentan wünsche ich mir, lieber nach Hause zu fahren, weil hier alles so extrem anders ist. Und das Essen ist nicht so mein Fall. Zweimal am Tag Reis mit komischen Soßen – wer mag das schon! Wir waren heute im Kommunikationskurs, aber es war sehr langweilig. Cool war, dass wir heute in den Genuss einer indischen Hochzeit gekommen sind. Erst in der Kirche, es war sehr ähnlich wie in Deutschland, nur die Lieder waren andere und es war in Englisch wie alles hier! Das macht mir auch ein bisschen zu schaffen, aber es geht. Ich bin sehr froh, dass Torsten hier ist. Am Abend waren wir auf der Hochzeitsfeier, es war alles sehr schön geschmückt. Mal sehen, ob es heute Nacht wieder gewittert – der Monsun kommt!
Torsten
21:45 Uhr
Der Kulturschock ist da. Bei Katrin mehr als bei mir, aber ich spüre es auch. Heimweh, kein Geborgensein, der Wunsch nach gekannten Menschen, „normalem“ Essen, einfach zu Hause. Katrin ist fertig, sehr viel am Weinen, traurig. Ich sehe mich kaum in der Lage, sie zu trösten, weil mir auch die Tränen kommen könnten. Beim Lesen heute musste ich in mein Zimmer gehen, weil ich sonst angefangen hätte zu weinen, aus welchem Grund auch immer.
Heute war aber auch sonst ein aufregender Tag. Dies begann mit dem Treffen mit Solomon Benjamin um ca. 11:00 Uhr in seinem Haus. Nachmittags gingen wir zur communication class, war sehr langweilig, wir schauten einen Film. Danach wurde es hektischer. Zuerst in die Stadt, die Passbilder holen, die wir gestern machen ließen. Danach zurück zum UTC, nachdem wir Trinkwasser für Katrin und mich bestellt hatten, unsere Sachen abgeladen und weiter mit dem Taxi zu unserer ersten indischen Hochzeit. War beinahe vergleichbar mit einer Deutschen. Nach der Feier zurück zum UTC gelaufen, Verkehr schrecklich!!! Die Ruhe im UTC ist fantastisch. Um 19:30 Uhr zur Hochzeitsfeier auf dem Gelände des UTC, viel essen, das Brautpaar war beschäftigt mit dem in Empfang nehmen der Geschenke. Von der Feier recht früh wieder aufgebrochen, da es Katrin sehr schlecht ging, sie hörte kaum noch auf zu weinen. Als es einigermaßen zu gehen schien, wollte ich mich verabschieden. Nach weiteren Tränen gegen 21.00 Uhr zum Boys Hostel, dort mit einigen Jungen geredet, tat sehr gut, weil Ablenkung. Jetzt hier, lauwarmes Wasser zum Duschen, Tagebuch, Bett. Bin müde und fertig mit den Nerven.
Freitag, 6.6.09
Katrin
Ich liege im Bett und bin sehr müde. In der letzten Nacht habe ich kaum geschlafen. Es ist sehr laut und heiß. The food is okay [Das Essen ist ok], aber sehr gewöhnungsbedürftig. Wir haben bei Shakespeare1 Jackfruit probiert, ist eine leckere indische Frucht. So langsam komme ich gut mit den Jungs und Mädel zurecht, auch wenn es wegen der verschiedenen Dialekte schwer ist, alles zu verstehen. Heute Nachmittag waren wir in der Stadt, es war sehr heiß. Ich habe einige Mückenstiche. Als ich das Moskitonetz anbringen wollte, musste ich es teilen, da es zu kurz war und nicht gleich gepasst hat. Das Zimmer ist auch sehr gewöhnungsbedürftig. Am frühen Abend haben wir endlich Solomon gesehen. Morgen werden wir weiteres besprechen. Eins steht fest, Indien is a great and big adventure [ist ein großartiges und großes Abenteuer].
1 Einer der Studenten am UTC
Torsten
21:00 Uhr
„Torsten, Katrin? This is Solomon Benjamin1.“ So begrüßte uns heute eben dieser, nachdem er wieder da war von einer Dozentenkonferenz.
Aber langsam an diesem Tag:
Frühstück um 7:30 Uhr, es gab Indisch. Teigfladen und eine gelbe Sauce2. Die Zeit ist gekommen, ab der wir das Besteck weglassen und mit unserer „sauberen“ rechten Hand essen (Ich hör auf zu schreiben, pfui links!). Um 9 Uhr gingen wir mit den anderen Studenten in ein anliegendes Gebäude (Archbishops Home), wo wir die communication classes3 besuchten. Allerdings beschlossen wir nach 1,5h wieder zu gehen, da uns beiden der Jetlag in den Knochen hängt, auch wenn der Zeitunterschied nur 3,5 Stunden beträgt. Wir sind also ins Bett gegangen und erst zum Mittagessen wieder aufgestanden (verschiedenes Gemüse, Reis, Sauce). Nach dem Mittagessen sind wir mit Shakespeare in die Stadt gegangen, weitere Besorgungen machen (3 Handtücher, Wasser, Toilettenpapier, Schreibheft).
Shakespeare ist eine besondere Person: Sehr offen, wortreich, begleitet uns in vielen Orten, versucht, Katrin anzubaggern, scheitert aber und will uns zu seinen Freunden machen, was wir gerne annehmen. Er bezeichnet sich selbst als „Director in mind“ und liebt es, Scherze zu machen („Torsten, your shadow fell off“ [Torsten, dein Schatten ist heruntergefallen]).
Auch Katrin bekommt so langsam Anschluss, die Mädchen werden offener zu ihr und sie fühlt sich langsam wohler in ihrem Zimmer. Nach dem Einkauf hatten Katrin und ich einige Zeit im Park zum Erzählen. Zärtlichkeiten sind leider verpönt und noch weiß niemand, dass wir zusammen sind. Aber auch so ist es spannend, wie unsere Beziehung auf Freundschaftsebene zu führen4.
Später am Tag waren wir bei Shakespeare und aßen Jackfruit, eine Frucht, außen stachelig, innen erinnert sie an Ananas, nur ist sie etwa 3x so groß und hat Kerne von Pflaumengröße. Der Geschmack des gelben Fruchtfleisches ist süßlich, sehr lecker. Shakespeare sagte uns, dass wir nicht zu viel davon essen sollten, wegen unserer Mägen.
Am Abend dann waren wir mit der Klasse und dem Lehrer zum Essen außerhalb, es gab gebratene Hühnchenflügel mit sehr leckerem Reisgemisch (Eier, Huhn, Gemüse). Sehr lecker, auch wenn Katrin zu müde war zum essen (Jetlag). Nachdem wir wieder angekommen waren, habe ich warm (!) „geduscht“. Ich bekam den Tipp, dass es im Nachbarraum warmes Wasser gäbe. Auch heute werde ich wieder früh ins Bett gehen, der Jetlag ist noch leicht spürbar.
1 Solomon Benjamin ist der Direktor der CVJM-Abteilung auf dem UTC, also der direkte Vorgesetzte von allen CVJM-Studenten am UTC.
2 Später als Chappatti und Curry bekannt. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir das aber noch nicht.
3 Der eigentliche Unterricht begann eine Woche später, diese Communication class war ein Zusatzkurs in Medienkunde, den wir allerdings nicht wirklich weiter verfolgten, da wir uns mit Eingewöhnen genug beschäftigt hatten.
4 Diesen Zustand behielten wir für die gesamte Indien-Zeit bei, da unsere Beziehung in konservativen Kreisen dazu führen könnte, dass wir striktere Regeln zu befolgen hätten oder Katrin nicht mehr ins Jungenwohnheim könnte. So entschlossen wir uns für Geheimhaltung, um ein etwas entspannteres Leben führen zu können.
Donnerstag, 5.6.09
Katrin
Der Flug von London nach Mumbay war großartig, auch wenn ich wenig Schlaf hatte. Ein Service erster Klasse, jeder hatte seinen eigenen Fernseher mit Musik und Spielekonsole. In Mumbay hatten wir den Herrn bei uns oder besser, als wir nicht mehr weiter wussten schickte er uns jemanden, der auch nach Bangalore fliegen wollte. Dieser hat uns bis zum Flugzeug begleitet. In Bangalore ist sogar unser Gepäck gut angekommen. Wir wurden am Flughafen von Bessie, Solomons Sekretärin abgeholt und sind mit einem „Taxi“ oder eher einem Stück Blech mit Sitz zum UTC gefahren. Hier gilt Linksverkehr und überleben tut nur, wer eine gute Hupe hat. Auf zweispurigen Straßen fährt man hier vierspurig, eine Achterbahn ist nichts dagegen. Am Anfang hatte ich etwas Angst, aber merkwürdiger Weise klappen die ureigenen Straßengesetze sehr gut. Es gibt hier für 7 Millionen Mensche eine Infrastruktur für 1 Million, also ist das Chaos kein Wunder. Im UTC angekommen schauten wir uns die Zimmer, oder sollte ich eher sagen „Zellen“ an. Man merkt, dass man in Indien ist. Alles aus Beton, ein Stuhl, ein kleiner Tisch, eine „Toilette“, ein Bett. Duschen bestehen aus einem großen und einem kleinen Eimer. Heute hatte ich sogar kalt geduscht, da kein warmes Wasser vorhanden war. Aber daran gewöhnt man sich sicher. Was mich stört, ist, dass das Zimmer schmutzig ist. Das werde ich erstmal ändern – morgen. Solomon kommt leider erst morgen Abend wieder, da freue ich mich schon drauf. Dass ich eine Frau bin, habe ich auch schon mehrmals spüren dürfen. Am Flughafen musste Torsten mit den Beamten reden, da sie mir kaum zuhörten. Auch der Typ, der uns zum Flugzeug nach Bangalore gebracht hatte, musste erst merken, dass Torsten mich als vollwertig anerkennt, bevor er es auch tat. Auch hier am UTC waren die ersten zwanzig Minuten nicht einfach, aber ich glaube das wird noch, vor allem mit Gottes Hilfe. Eine kleine Eidechse als Mitbewohner habe ich auch schon, aber solange sie an der Wand bleibt, ist das ok.
Torsten
Abends. Indien, 20:30 Uhr
Kulturschock Indien
Ich weiß nicht, was mich hier hin verschlagen hat. Andere Menschen, eine andere Mentalität, eine andere Kultur. Die Menschen am UTC1 sind offen, zumindest die Jungs. Katrin hat größere Probleme, da kaum Frauen da sind und die wenigen vorhandenen nicht sehr unternehmungsfreudig.
Ich bin müde, kann mich kaum zum Duschen motivieren, müsste meine Sachen noch ausräumen, aber auch dazu fehlt mir die Lust. So sitze ich in meiner Zelle, denn anders kann man dieses Zimmer nicht nennen und bin irgendwie verzweifelt. Katrin fehlt mir, auch wenn sie da ist, die Zärtlichkeiten sind es leider nicht. Solomon Benjamin kommt erst morgen Abend, von ihm erhoffen wir viel Klarheit und Motivation. Ich muss jetzt zumindest das Bett frei räumen und den Tagesschweiß loswerden.
21:10 Uhr
Hatte gutes Gespräch mit Shakespeare2, der sehr offen für neues ist und begeistert alles lernen will, was es über andere Kulturen zu lernen gibt. Sehr ermutigend. Ich hoffe, dass Katrin sich auch einfindet und Freunde trifft, mit denen sie reden kann.
Nachtrag zum Flug
Gott hat seine Engel geschickt, um uns auf dem Weg zu führen und zu begleiten. DANKE!
1 UTC: United Theological College Bangalore. Unser Aufenthalts- und Rückzugsort für die nächsten 3 Monate.
2 Einer der Studenten
Mittwoch, 4.6.09
Katrin:
9.15 Uhr, deutsche Zeit hat uns der Henne1 zum Bahnhof gefahren. 11.45 Uhr, mit 20 Minuten Verspätung, sind wir am Fernbahnhof Frankfurt am Main angekommen. Dort haben wir uns nach ca. 45 Minuten auch meine Eltern gefunden, was auf diesem großen Flughafen nicht ganz einfach ist. Das Einchecken war kein Problem. Nachdem wir lecker essen waren, haben wir bei Jack Wolfskin noch eine letzte Kleinigkeit bekommen. Torsten hat nun endlich auch einen Schutz vor dem Sonnenstich und ich einen neuen Gürtel, welchen ich bei den zu vielen Sicherheitskontrollen (4-5), allein in Frankfurt ab und an machen musste. Kurz vor dem einchecken machte sich bei mir tatsächlich das erste Mal Durchfall breit (vom Essen in Frankfurt). 16.00 Uhr hieß es dann Abschied nehmen. Dabei standen meinen Eltern sogar Tränen in den Augen. 17.10 Uhr startete unsere Maschine Richtung London Heathrow. Es ging alles gut und wir hatten sehr komfortables Essen, was für Flugzeugessen ja nicht unbedingt normal ist (2 Scheiben dunkle Körnerbrot mit Gouda und Bounty). In London durften wir eine Stunde noch mal erleben, da die Zeit eine Stunde zurück gestellt wurde. So landeten wir 18.35 Uhr oder 5.35 pm. Sich in London zurecht zu finden war ganz einfach. Es gab nur einen Weg, eine Kontrolle, einen Bus zum anderen Terminal, … Seit London sprechen wir soviel wie möglich Englisch, um uns schon einmal ein bisschen auf die Sprache einzustellen. Und nun sitzen wir vor dem Gate und warten auf den Aufruf zum Einsteigen. Es ist 7.20 pm. Die Gates sind alle nebeneinander und mit einem sehr langen Flur verbunden. Dort sitzen wir gemütlich, aber alle, die vorbeikommen, sind irgendwie hektisch und rennen.
1 Henrik Stiens, ein Freund und Mitstudent am CVJM – Kolleg
Torsten:
Der Flug, 19.00 Uhr London Zeit
Frankfurt Airport: Es dauerte, bis wir Katrins Eltern fanden, die Beschilderung katastrophal. Flug FRA-LHR1 9.700m, -49°. Zum Glück sitzen wir im beheizten Flugzeug. In London trübes Wetter, aber warm (19°). Dafür die Beschilderung trotz des recht alten Flughafens sehr gut, wir fanden uns ohne größeres Fragen zurecht.
Jetzt sitzen wir vor dem geschlossenen Terminal und weihen unsere Indien-Tagebücher ein. Spannend wird es erst in Mumbai, wenn wir unser Gepäck irgendwo vom Band holen sollen und einem x-beliebigen JetAir-Mitarbeiter überreichen sollen, damit wir in Bangalore nicht ohne da stehen. Ob das so klappt wir geplant wird sich zeigen, die Boardcards für den Flug haben wir jedenfalls schon.
Nachdem Rita und Rüdiger2 so aufgeregt waren, bin ich im Moment wieder die Ruhe in Person, bisher lief alles glatt und wir können nur hoffen, dass es so weitergeht.
2 Katrins Eltern.
1Man bezahlt vorher eine feste Summe, um nicht in die Gefahr zu geraten, abgezockt zu werden.
2Der Gesamtverband des CVJM in Indien.
3Ein süßes Dessert, normalerweise mit Nudeln, Cashew-Kernen und Rosinen.
4Dazu später in diesem Buch mehr. Stichwort: Field Work!
